Nach der 1:2-Heimniederlage gegen den VfL Bochum zieht Energie-Trainer Claus-Dieter Wollitz Konsequenzen und beginnt bei sich selbst: Besondere Privilegien, Freiheiten und Zugeständnisse für die Mannschaft soll es vorerst nicht mehr geben. Am Freitagabend um 18:30 Uhr will er bei Eintracht Braunschweig eine andere Mannschaft sehen als gegen Bochum. Die Ausgangslage vor dem 11. Spieltag der 2. Bundesliga ist eng: Beide Teams haben 10 Punkte und eine Tordifferenz von minus zwei. Energie steht nur wegen der zwei Tore mehr auf Platz 14, Braunschweig folgt direkt dahinter auf Platz 15.
Wollitz zieht Konsequenzen aus der Bochum-Niederlage
Gegen Bochum hatte Energie durch einen Foulelfmeter von Tolcay Ciğerci in der 21. Minute geführt, gab die Partie aber noch aus der Hand. Philipp Hofmann glich in der 70. Minute aus, Christian Rasmussen traf in der 88. Minute zum 2:1 für die Gäste. Damit ist Energie seit fünf Spielen ohne Sieg. Der letzte Dreier gelang am 5. Spieltag Mitte September mit dem 3:0 beim Karlsruher SC. Wollitz sah sich nach eigener Aussage durch die Videoanalyse bestätigt: Die erste Halbzeit gegen Bochum sei nicht gut gewesen, die zweite erst recht nicht.
„Gravierend ist, erstmal bei sich selbst anzufangen, also bei mir, dass ich nicht mehr diese Privilegien gebe und auch nicht mehr diese Freiheiten und diese Zugeständnisse“, sagte Wollitz. Vor allem gegen den Ball habe er gegen Bochum den Einsatz als Mannschaft „komplett vermisst“. Sein Trainerteam sei bei der Analyse am Samstagmorgen einhellig zur selben Einschätzung gekommen. Energie sei zwar in jedem Spiel Außenseiter, doch gerade als Außenseiter müsse man zumindest in den Heimspielen anders auftreten.

Konkrete Folgen gibt es schon für die anstehende Länderspielpause: Mehrere freie Tage am Stück wie zuletzt soll es nicht geben, nur den üblichen freien Tag. Nach der vergangenen Pause seien die Ergebnisse nicht zufriedenstellend gewesen, so Wollitz. Daran ändere auch ein Sieg in Braunschweig nichts. Die Aufstellung will er ebenfalls verändern, allerdings mit Augenmaß: „Wir können natürlich auch jetzt nicht acht oder neun Mann wechseln.“ Wichtig sei, „am Freitagabend eine Mannschaft auf dem Platz zu haben, die alles dafür tut, um erfolgreich zu sein.“ Seine Erwartung formuliert er klar: „Ich erwarte, dass man ab Freitag erkennt, dass Energie Cottbus alles dafür tut, um in dieser Liga zu bleiben.“
Braunschweig weckt Erinnerungen an 2019
Für Wollitz und viele Cottbuser Fans ist der Gegner mit einer schmerzhaften Erinnerung verbunden. Am letzten Spieltag der Drittligasaison 2018/19 spielte Energie in Braunschweig 1:1 und stieg als Aufsteiger direkt wieder ab. „Das ist natürlich ein schrecklicher Moment, was das Sportliche betraf“, sagte Wollitz. Für das Spiel am Freitag habe das aber keine Bedeutung. Er verweist darauf, dass Energie ein halbes Jahr später schon wieder Tabellenführer in der Regionalliga war: „Man kann aus vielen Sachen etwas machen.“ Genauso sei er überzeugt, dass die Mannschaft auch aus der Bochum-Niederlage etwas machen könne.
Für einen Cottbuser ist die Partie ein Wiedersehen: Anderson Lucoqui stand von Januar 2024 bis Februar 2025 in Braunschweig unter Vertrag, kam dort aber kaum zum Zug.
Braunschweig zwischen Derbysieg und Niederlage
Auch die Gastgeber haben zuletzt wenig Konstanz gezeigt. Am 9. Spieltag gewann die Mannschaft von Trainer Lars Kornetka das Niedersachsen-Derby gegen Hannover 96. Eine Woche später verlor sie bei Arminia Bielefeld mit 1:3, Aaron Opoku traf zwischenzeitlich zum 1:2. Mit 16 Toren hat die Eintracht zwei weniger erzielt als Energie, aber auch zwei weniger kassiert. Pflichtspiele zwischen beiden Clubs sind selten geworden: In der 2. Bundesliga trafen sie zuletzt in der Saison 2012/13 aufeinander, damals endete die Partie in Braunschweig 0:0.
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