Das Cottbuser Strömungsexperiment AtmoFlow könnte Anfang 2028 mit einer japanischen Rakete zur Internationalen Raumstation ISS fliegen. Das sagt Prof. Christoph Egbers von der BTU Cottbus-Senftenberg. Für die Betreuung der Experimente bis 2030 hat die Universität rund 900.000 Euro beim DLR beantragt.
DLR sucht Experimente für die letzte ISS-Phase
Anlass der Anfrage ist ein Ideenaufruf der Deutschen Raumfahrtagentur im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). Forschungseinrichtungen, Hochschulen und Unternehmen können Projektideen für Experimente in Mikrogravitation und für Technologiedemonstrationen einreichen. Sie sollen in der letzten Nutzungsphase der Raumstation ab Ende 2028 laufen. Angesprochen sind ausdrücklich auch kleine und mittlere Unternehmen sowie Start-ups. Ideen können bis zum 22. November 2026 eingereicht werden, die Einzelheiten und eine Vorlage stehen auf der Internetseite des DLR. Der Aufruf dient zunächst nur der Ideensammlung, einen Anspruch auf eine spätere Förderung begründet er nicht.
Prof. Dr.-Ing. Christoph Egbers, Inhaber des Lehrstuhls Aerodynamik und Strömungslehre an der BTU Cottbus-Senftenberg, hat den Aufruf nach Angaben der Universität ebenfalls erhalten. Die Wissenschaftler um Egbers am Lehrstuhl und am Fluidzentrum forschen seit vielen Jahren zu diesen Themen. Anträge würden deshalb langfristig und abhängig von den laufenden Untersuchungen gestellt, teilte Susett Tanneberger vom Referat Kommunikation und Marketing der BTU mit.
AtmoFlow wird bei Airbus in Friedrichshafen gebaut
Das Experiment wird nach Angaben von Egbers beim Raumfahrtunternehmen Airbus Defence and Space in Friedrichshafen gebaut und soll dort in etwa einem Jahr fertig sein. Ab Anfang 2027 begleiten die Cottbuser Forscher dort die Tests. Derzeit werde überlegt, ob AtmoFlow Anfang 2028 mit einer japanischen Rakete zur Raumstation gebracht werden kann. Dort soll es etwa eineinhalb Jahre lang bis Ende 2029 oder Anfang 2030 laufen und Daten nach Cottbus liefern.
Mit dem Verlängerungsantrag über rund 900.000 Euro will der Lehrstuhl die Vorbereitung, Durchführung und Auswertung der Experimente von Anfang 2027 bis Anfang 2030 absichern. Dazu gehören der Betrieb einer Bodenstation rund um die Uhr, numerische Simulationen und der Vergleich von Experiment und Simulation. Fast 80 Prozent solcher Mittel sind nach Angaben von Egbers in der Regel für Stellen wissenschaftlicher und technischer Mitarbeiter verplant. Die Genehmigung durch das DLR erwartet er für Dezember 2026.
Mit AtmoFlow untersuchen die Cottbuser Forscher, wie die Erderwärmung Luft- und Meeresströmungen beeinflusst (wir berichteten). Dafür nutzen sie ein Kugelmodell, eine Art Miniatur-Erde. Es funktioniert nur in Schwerelosigkeit, weil auf der Erde die Schwerkraft das künstliche Kraftfeld des Modells überlagert. Im Februar 2024 startete die zweite Phase des DLR-Projekts, gefördert mit knapp 680.000 Euro für drei Jahre. Der Flug zur ISS war damals für 2026 oder 2027 geplant, nun ist Anfang 2028 im Gespräch.
AtmoFlow ist bereits das dritte Raumstationsexperiment, das die BTU Cottbus-Senftenberg wissenschaftlich und technologisch koordiniert. Die Vorläufer GeoFlow I (2008 bis 2009) und GeoFlow II (2011 bis 2018) wurden ebenfalls von Cottbus aus vorbereitet und durchgeführt.
Parabelflüge mit DEPIK in Bordeaux laut BTU erfolgreich
Mit dem Projekt DEPIK war das Team in der vergangenen Woche im französischen Bordeaux. Dort nahm es an einer Kampagne der französischen Raumfahrtagentur CNES teil, bei der Untersuchungen in sogenannten Parabelflügen gemacht werden. Nach Angaben der BTU war das Vorhaben sehr erfolgreich. Auch Egbers war vor Ort.
VollzeitBewerbung bis 31.12.Projektingenieur Verfahrenstechnik (m/w/d)LEAG Clean Power GmbH · CottbusZur Stelle →Alle 407 Stellen in Südbrandenburg →Untersucht werden Strömungen in Zylinder- und Plattenspalten, die Wärmetauscher in idealisierter Form abbilden. In Schwerelosigkeit soll angelegte Hochspannung den Wärmetransport erhöhen, die dabei erzeugte dielektrophoretische Kraft fördert ihn besonders. Herkömmliche Wärmetauscher arbeiten mit Pumpen, die etwa bei Satelliten mechanische Störungen verursachen. „Das Anlegen von Hochspannung ist aber unkritisch“, erklärt Egbers.
DEPIK steht für „Dielektrophoretisch induzierte Konvektion“. Die Forscher untersuchen, wie sich Wärme ohne Schwerkraft transportieren lässt. Spezielle Flüssigkeiten werden dabei allein durch elektrische Felder in Strömung versetzt. Die Technik gilt als vielversprechend für Kühl- und Wärmetauschersysteme in Satelliten, Raumsonden und künftigen Raumstationen. Im Januar hatte die Universität das Projekt DEPIK II vorgestellt (wir berichteten). Das DLR fördert es mit 665.000 Euro über drei Jahre. Zwei an der BTU entwickelte Versuchszellen sollen von 2026 bis 2028 bei mehreren Parabelflugkampagnen zum Einsatz kommen. Schon im September 2024 war das Team zu Parabelflügen in Bordeaux (Bericht).
Erste Beratungen über Langzeitexperimente auf der ISS
Bei Parabelflügen herrscht jeweils nur 22 Sekunden lang Schwerelosigkeit. An einem Flugtag gibt es 30 Parabeln, eine Kampagne hat drei Flugtage. Die Forscher können so viele Parameter verändern, aber immer nur für kurze Zeit. Langzeitexperimente auf der ISS könnten nach Ansicht von Egbers die Chance bieten, die Wärmetauscher-Geometrien zu vergrößern und in Richtung echter Anwendungen hochzuskalieren. Bisher sind die Spalte, in denen Strömung und Wärmetransport stattfinden, sehr klein. Dennoch habe das Team sehr gute Ergebnisse erzielt und in internationalen Fachzeitschriften der Strömungsmechanik veröffentlicht. 2022 lief zudem eine Experimentkampagne auf der Höhenforschungsrakete TEXUS 57.
Zu einer möglichen Bewerbung für den Ideenaufruf laufen nach Angaben der BTU erste Beratungen, ob und mit welcher Idee sich die BTU Cottbus-Senftenberg beteiligt, steht noch nicht fest. Weitere Lehrstühle der Universität bereiten nach Angaben von Egbers derzeit keine Experimente für die Schwerelosigkeit vor.
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Bilder von der Parabelflugkampagne in Bordeaux
Red. / Presseinformation
















