Die 1:2-Niederlage gegen den VfL Bochum wirkt beim FC Energie Cottbus noch nach. Justin Butler und Jannis Boziaris haben im NL-Talk vor dem Auswärtsspiel bei Eintracht Braunschweig über die Aufarbeitung gesprochen, über Butlers aberkanntes Tor und über die Fragen der NLaktuell-Community. Beide treffen damit den Ton, den Trainer Claus-Dieter Wollitz zuvor gesetzt hatte: Solche Spiele dürfe Energie nicht mehr aus der Hand geben. Anpfiff in Braunschweig ist am Freitag um 18:30 Uhr.
„Eigentlich nur meine Hacke“
Gegen Bochum hatte Energie nach dem Foulelfmeter von Tolcay Ciğerci geführt, die Partie aber in der zweiten Halbzeit noch verloren. Die Nachbetrachtung sei entsprechend kritisch ausgefallen, sagt Butler, „was auch zurecht ist“. Die Mannschaft habe das Spiel gegen Ende „so einfach hergegeben“, obwohl sie in der ersten Halbzeit ganz anders aufgetreten sei.
Besonders ärgert den Angreifer sein eigenes Tor in der 54. Minute, das nach Eingriff des Videoassistenten wegen Abseits nicht zählte. Er habe sich die Szene oft angeschaut, so Butler. „Mehr hat mich diese Abseitssituation geärgert, weil es halt wirklich minimal war. Es war eigentlich nur meine Hacke, die im Abseits war.“
Auch Boziaris, der nach 65 Minuten eingewechselt wurde, hat die Niederlage getroffen. „Hat schon weh getan diesmal, weil ich glaube, wir hatten das Spiel in der ersten Halbzeit schon im Griff“, sagt der Mittelfeldspieler. Selbst nach der Pause habe Energie noch gute Chancen gehabt, etwa durch Christian Kinsombi allein vor dem Torwart, einen Kopfball von Leonardo Bittencourt, der auf der Linie geklärt wurde, und einen eigenen Abschluss. Lange grübeln will er aber nicht: „Ich versuche es da einfach dann schnell abzuhaken und aufs nächste Spiel zu schauen.“

Fehleranalyse statt Kopfsache
In der Videoanalyse lag der Fokus laut Butler auf den Fehlern der zweiten Halbzeit, vor allem auf Gegenpressing und Intensität. Damit liegt er auf einer Linie mit Wollitz, der nach dem Bochum-Spiel vor allem die Arbeit gegen den Ball „komplett vermisst“ hatte und „gravierende Veränderungen“ angekündigt hat.
Butler verweist auf eine Statistik, die er zuletzt gesehen habe: Rund 14 oder 15 Punkte habe Energie in dieser Saison nach einer Führung noch abgegeben. „Wenn wir überlegen, sind da mindestens vier Spiele davon, die wir hätten gewinnen müssen.“ Ob das eine Kopfsache sei, könne er nicht sagen, vielleicht auch eine Frage der Konzentration. „Auf jeden Fall darf es nicht so oft passieren oder am besten gar nicht mehr.“
Für Braunschweig, den punktgleichen direkten Tabellennachbarn, gilt deshalb für Butler: „Wir dürfen uns keine weiteren Fehler mehr erlauben.“ Die Mannschaft werde sehr motiviert in das Spiel gehen. Boziaris erwartet einen zweikampfstarken Gegner, der zu Hause mit hoher Intensität auftritt und früh anläuft. „Wenn wir unser Spiel aber auf die Platte bringen und Spielfreude auch zeigen, und das über beide Hälften, dass wir da auch was holen können.“
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Die direkteste Frage aus der Community ging an Boziaris: Wann endlich Startelf? „Ich weiß es nicht. Ich hoffe so schnell wie möglich, aber ich bin geduldig. Der Trainer weiß, was er macht“, antwortete der 23-Jährige. Zuletzt kam er in Heidenheim und gegen Bochum jeweils für rund 25 Minuten von der Bank. Wollitz hat für Freitag Veränderungen angekündigt, aber auch betont, dass er nicht „acht oder neun Mann“ austauschen könne.
Auf seine Entwicklung in Cottbus blickt Boziaris zufrieden zurück. Nach einem schwierigen Start habe ihm der Trainer immer wieder Chancen gegeben, gegen Ende der vergangenen Saison habe er das Vertrauen zurückgezahlt. An diese Form will er anknüpfen. Den größten Unterschied zur 3. Liga sieht er in der Handlungsschnelligkeit und der Qualität in der Offensive: In der 2. Bundesliga gebe es in jedem Team mehrere herausragende Spieler, bei Energie etwa Bittencourt oder Ciğerci.

Butler wurde nach den Gründen für seine starke Entwicklung gefragt. Er nannte sein Umfeld, das Trainerteam und die Mannschaft, die ihm das nötige Vertrauen gebe. Dazu komme der gute Saisonstart mit einem Tor, „dann hat man auch noch mal ein anderes Gefühl“. Auf die Frage, ob er sich in Cottbus wohlfühle, gab der bekennende Großstadtfan offen zu, dass die Stadt nicht ganz seinem Geschmack entspreche. „Aber nee, ich fühle mich hier in Cottbus wohl, ich mag die Mannschaft, ich mag die Fans, ich mag den Verein.“ Die Stimmung im Stadion nehme er während des Spiels nicht mehr komplett wahr. „Aber ich würde lügen, wenn ich sage, man hört es gar nicht.“ Die Fans seien heim wie auswärts „sehr, sehr gut“.
Wollitz will in Braunschweig „andere Mannschaft“ sehen
Nach der 1:2-Heimniederlage gegen den VfL Bochum zieht Energie-Trainer Claus-Dieter Wollitz Konsequenzen und beginnt bei sich selbst: Besondere Privilegien, Freiheiten und Zugeständnisse für die Mannschaft soll es vorerst nicht mehr geben. Am Freitagabend um 18:30 Uhr will er bei Eintracht Braunschweig eine andere Mannschaft sehen als gegen Bochum. Die Ausgangslage vor dem 11. Spieltag der 2. Bundesliga ist eng: Beide Teams haben 10 Punkte und eine Tordifferenz von minus zwei. Energie steht nur wegen der zwei Tore mehr auf Platz 14, Braunschweig folgt direkt dahinter auf Platz 15. ->> Hier weiterlesen
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