Hitze, Starkregen, Trockenheit: Fast jedes zweite Unternehmen in Berlin und Brandenburg spürt inzwischen wirtschaftliche Folgen von Extremwetter. Das zeigt die erste gemeinsame Umfrage der vier Industrie- und Handelskammern der Region, an der auch die IHK Cottbus beteiligt ist. Am stärksten betroffen ist das Gastgewerbe, der größte Kostentreiber sind die Energiepreise. Die Kammern fordern gezielte Förderung, schnellere Genehmigungen und eine widerstandsfähigere Infrastruktur.
Energiekosten als größter Treiber
Befragt wurden im Rahmen der Herbst-Konjunkturumfrage knapp 2.000 Betriebe. 49 Prozent von ihnen berichten von mindestens einer spürbaren Folge. Am höchsten ist der Anteil im Gastgewerbe mit 65 Prozent. Es folgen das Baugewerbe (54 Prozent), die Industrie (52 Prozent), der Handel (50 Prozent) und die Dienstleister (47 Prozent).
Am häufigsten nennen die Unternehmen höhere Energiekosten (28 Prozent). Danach kommen gestiegene Rohstoff-, Material- oder Lebensmittelpreise (21 Prozent), Umsatz- oder Nachfragerückgänge (16 Prozent) und Beeinträchtigungen von Beschäftigten und Arbeitsproduktivität (15 Prozent). Mehrfachnennungen waren möglich.
Zwischen den Branchen gehen die Ergebnisse deutlich auseinander. Im Gastgewerbe nennen 55 Prozent steigende Energiekosten, gut ein Drittel (34 Prozent) verzeichnet Umsatzrückgänge. Auf dem Bau trifft es vor allem die Beschäftigten: 27 Prozent der Betriebe melden Einbußen bei Arbeitskräften und Produktivität, etwa wegen Hitze oder Starkregen. In der Industrie belasten Energie- und Materialkosten gleichermaßen, jeweils mit 29 Prozent.
Anpassung läuft, aber selektiv
Viele Betriebe reagieren bereits. Am weitesten verbreitet ist Lüftungs-, Kühl- und Klimatechnik: 27 Prozent haben sie umgesetzt, weitere 14 Prozent planen sie konkret. Dahinter folgen Arbeitszeit- und Gesundheitsschutz (zusammen 36 Prozent) sowie Risikoanalyse, Notfallplanung oder Versicherung (34 Prozent). Deutlich seltener investieren Unternehmen in Starkregen- und Hochwasserschutz. Nur elf Prozent haben hier etwas umgesetzt oder geplant, 90 Prozent sehen keine Maßnahmen vor.
„Die Betriebe handeln, doch nicht jede notwendige Investition lässt sich aus eigener Kraft stemmen“, sagt André Fritsche, Hauptgeschäftsführer der IHK Cottbus, für die Brandenburger Kammern. „Wer Gebäude, Anlagen oder Betriebsabläufe widerstandsfähiger macht, braucht verlässliche Rahmenbedingungen.“
Kammern fordern Förderung und robuste Infrastruktur
46 Prozent der Unternehmen wünschen sich Förderung für die betriebliche Klimaanpassung, 30 Prozent einen Erfahrungsaustausch und 28 Prozent mehr Informationen zu Vorsorge und Anpassung. Für Manja Schreiner, Hauptgeschäftsführerin der IHK Berlin, geht es um mehr als Einzelfälle: „Jedes zweite Unternehmen in der Hauptstadtregion spürt die Folgen von Extremwetter. Das ist längst eine Frage von Wettbewerbsfähigkeit und Investitionssicherheit.“ Die Politik müsse mit leistungsfähiger Infrastruktur, schnelleren Genehmigungen und verlässlichen Investitionsbedingungen gegensteuern.
Ansetzen sollte die Unterstützung aus Sicht der Kammern dort, wo Vorsorge hohe Anfangsinvestitionen erfordert und Betriebe die Risiken nicht allein tragen können. Als Beispiele nennen sie das kommunale Wassermanagement und eine resiliente Stromversorgung.
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