Fast alle mittelständischen Unternehmen halten die Gesundheit ihrer Beschäftigten für einen Erfolgsfaktor. Gesundheitsförderung setzen viele aber nur zögerlich um. Das zeigt eine Studie der BARMER. Die Landesvertretung Berlin/Brandenburg sieht mit Blick auf den Fachkräftemangel in der Region Handlungsbedarf.
Gesundheitsförderung bleibt oft hinter Möglichkeiten zurück
Für die Studie „Gesunde Arbeit. Anspruch und Wirklichkeit im Mittelstand“ hat F.A.Z. Business Media | research im Auftrag der Krankenkasse zwischen März und Mai 2026 insgesamt 550 Interviews mit Entscheiderinnen und Entscheidern aus Betrieben mit 50 bis 2.000 Beschäftigten geführt. Die Befragung bezieht sich auf den deutschen Mittelstand, eigene Zahlen für Brandenburg weist die BARMER nicht aus.
Demnach bewerten 94 Prozent der Unternehmen die Gesundheit ihrer Mitarbeitenden als wesentlichen Erfolgsfaktor. Bei konkreten Investitionen und strukturellen Maßnahmen zeigten sich jedoch deutliche Vorbehalte. „Zahlreiche Unternehmen wissen, dass gesunde Beschäftigte motivierter, leistungsfähiger und langfristig stärker an ihren Arbeitgeber gebunden sind. Zwischen Bewusstsein und konsequenter Umsetzung klafft jedoch häufig eine Lücke“, sagt Gabriela Leyh, Landesgeschäftsführerin der BARMER in Berlin und Brandenburg. Betriebliche Gesundheitsförderung werde vielerorts noch nicht als strategische Investition verstanden, sondern als freiwillige Zusatzleistung betrachtet.
Nur 40 Prozent der Führungskräfte gelten als Botschafter
Laut Studie gelten lediglich 40 Prozent der befragten Führungskräfte als aktive Botschafter einer gesunden Arbeitsgestaltung. Sie finden sich vor allem in Personalabteilungen oder im betrieblichen Gesundheitsmanagement (BGM), wo nach Angaben der BARMER aber oft die Möglichkeit fehlt, Konzepte verbindlich durchzusetzen. 33 Prozent der Verantwortlichen erkennen die Bedeutung zwar an, zweifeln aber an Nutzen, Wirksamkeit oder Wirtschaftlichkeit. 27 Prozent stehen Maßnahmen skeptisch gegenüber.
„Wer gesundheitliche Prävention ausschließlich als Kostenfaktor betrachtet, übersieht ihre langfristigen Effekte. Gerade vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels in Berlin und Brandenburg können gesundheitsfördernde Arbeitsbedingungen zu einem entscheidenden Wettbewerbsvorteil werden“, sagt Leyh.
Obstkorb und Schreibtisch reichen laut BARMER nicht aus
In vielen Betrieben beschränkt sich Gesundheitsförderung der Untersuchung zufolge auf einzelne Angebote ohne langfristige Strategie. Am häufigsten sind kostenlose Getränke mit 79 Prozent, ergonomische Arbeitsplätze mit 63 Prozent sowie Bewegungs- und Gesundheitsangebote mit 62 Prozent.
„Ein Obstkorb oder ein höhenverstellbarer Schreibtisch sind sicher sinnvolle Bausteine. Nachhaltige Gesundheitsförderung beginnt jedoch mit einer systematischen Analyse der Belastungen und Bedürfnisse der Beschäftigten“, erläutert Leyh. Dazu gehörten aus Sicht der Krankenkasse regelmäßige Gesundheitsanalysen, gesundheitsförderliche Führungsstrukturen und die Einbindung der Mitarbeitenden. 35 Prozent der Führungskräfte geben an, dass mangelnde Beteiligung oder Motivation der Beschäftigten die Umsetzung erschwere.
Betriebe berichten von besserem Klima und weniger Fehlzeiten
Unternehmen, die bereits Maßnahmen eingeführt haben, berichten überwiegend von positiven Erfahrungen. 59 Prozent verzeichnen ein besseres Betriebsklima, 56 Prozent eine höhere Arbeitszufriedenheit. Bei 34 Prozent ist nach eigenen Angaben die Produktivität gestiegen, 31 Prozent beobachten sinkende Fehlzeiten. Als Nachteile nennen die Befragten vor allem höhere Kosten mit 41 Prozent und zusätzlichen Verwaltungsaufwand mit 35 Prozent.
ZeitarbeitBewerbung bis 31.10.Produktionshelfer Gießerei (m/w/d)ZAC Personalservice GmbH · ElsterheideZur Stelle →Alle 417 Stellen in Südbrandenburg →Unterschiede zeigt die Studie auch beim Führungsstil und zwischen den Geschlechtern. Betriebe mit kooperativem Führungsstil setzen Maßnahmen häufiger und nachhaltiger um. 72 Prozent der weiblichen Führungskräfte sehen Gesundheit als wichtigen Faktor für den Unternehmenserfolg, bei den männlichen sind es 55 Prozent.
„Investitionen in die Gesundheit der Beschäftigten zahlen sich nicht nur wirtschaftlich aus. Sie stärken auch die Identifikation mit dem Unternehmen, verbessern das Betriebsklima und erhöhen die Attraktivität als Arbeitgeber. Gerade in der Region sind das wichtige Faktoren, um qualifizierte Fachkräfte zu gewinnen und zu halten“, sagt Leyh.
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