Bei der Bodenreform im Herbst 1945 wurden in der sowjetischen Besatzungszone nicht nur Grund und Boden enteignet, sondern auch Schlösser und Herrenhäuser samt Inventar. Was das bedeutete, erklärt Dr. Matthias Donath am 8. Oktober im Museum Schloss Doberlug.
Abbruch als Mittel gegen die Erinnerung
Der Vortrag beginnt um 17 Uhr. Donath zeigt, wie sich die Bodenreform auf die Schlösserlandschaft im ländlichen Raum auswirkte: Manches Inventar wurde geborgen, vieles geplündert oder vernichtet. Mit dem Abbruch der Gebäude sollte zugleich die Erinnerung an die früheren Gutsbesitzer und die Rittergüter ausgelöscht werden.

Belegen wird er das an Beispielen aus Sachsen und aus der Doberluger Umgebung. Wie groß die Verluste waren – und wie mühsam es ist, die verlorene Erinnerung zurückzugewinnen – ist die Leitfrage des Abends.
Ein Fachmann für den sächsischen Adel
Matthias Donath studierte in Leipzig und Freiburg und wurde 1998 mit einer Arbeit zur Baugeschichte des Meißner Doms promoviert. In Niederjahna bei Meißen betreibt er seit 2013 gemeinsam mit Lars-Arne Dannenberg das Zentrum für Kultur//Geschichte.
Seine Arbeiten befassen sich mit der Bauforschung zu Adelssitzen und Schlössern sowie mit Familiengeschichte. Donath gehört der Historischen Kommission des Sächsischen Adels und der Oberlausitzischen Gesellschaft der Wissenschaften an und gibt seit 2015 die Sächsischen Heimatblätter mit heraus.
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Was die Bodenreform 1945 veränderte
Mit der Bodenreform wurden in der sowjetischen Besatzungszone Betriebe über 100 Hektar entschädigungslos enteignet und an Neubauern, Umsiedler und Landarbeiter verteilt. Betroffen waren auch zahlreiche Güter im heutigen Landkreis Elbe-Elster.
Die Gebäude selbst standen danach ohne Nutzung da. Viele wurden als Baustofflager verwendet und abgetragen; andere dienten als Schule, Kindergarten oder Wohnraum und blieben deshalb erhalten.
Die Bodenreform prägt die Region bis heute – nicht nur in den Eigentumsverhältnissen, sondern in den Lücken, die im Ortsbild geblieben sind, wo einmal ein Herrenhaus stand.
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Red. / Presseinformation








