Wochenlang wollte niemand den Namen nennen: Für welchen Onlinehändler Ceva Logistics in Frankfurt (Oder) rund 94.000 Quadratmeter Hallenfläche betreibt, blieb offen. Auf Anfrage unserer Redaktion hat Amazon nun bestätigt, dass es um den eigenen Konzern geht.
„Ceva Logistics ist am Standort Frankfurt (Oder) für Amazon tätig“
„Amazon evaluiert kontinuierlich die Struktur seines Logistiknetzwerks. Neben dem Ausbau des eigenen Netzwerks arbeiten wir vereinzelt mit Logistikdienstleistern zusammen, die Logistik-Dienstleistungen erbringen können“, teilt Steffen Adler von Amazon Corporate Communications mit.
Und weiter: „Wir können bestätigen, dass Ceva Logistics als Logistikdienstleister am Standort Frankfurt (Oder) für Amazon tätig ist.“ Für alle weiteren Details zum Betrieb verweist der Konzern an Ceva Logistics.
Alle Beteiligten hatten den Namen offengelassen
Bemerkenswert ist, wie lange der Name unter Verschluss blieb. In der Mitteilung zur Vermietung hieß es lediglich, die Flächen würden „für die Logistik eines renommierten international tätigen Onlinehändlers“ genutzt. Weder der Entwickler Alcaro noch die Stadt Frankfurt (Oder) oder die Wirtschaftsförderung ICOB nannten einen Auftraggeber.
Ein Hinweis steckte allerdings in den Stellenanzeigen: Ceva sucht in Frankfurt (Oder) Kräfte für den Bereich „Inventory Control & Quality Assurance“, kurz ICQA – die Bezeichnung, die Amazon in seinen Logistikzentren für genau diesen Bereich verwendet.
94.000 Quadratmeter und bis zu 800 Arbeitsplätze
Ceva Logistics hat neun der zehn Einheiten in Halle B des Logistikparks Log Plaza angemietet: 94.084 Quadratmeter, davon 82.437 Quadratmeter reine Lagerfläche. Der Vertrag wurde Anfang Juni unterzeichnet.
Betrieben wird dort Kontraktlogistik mit Hochregallagern – Lagerung, Transport, Verpackung und Qualitätskontrollen. Seit August laufen die ersten regulären Arbeiten, die volle Auslastung wird zum Jahresende erwartet.
Ceva sucht nach eigenen Angaben rund 500 Fachkräfte für unbefristete Anstellungen, dazu kommen Zeitarbeitskräfte. Die Stadt Frankfurt (Oder) spricht von 500 bis 800 neuen Arbeitsplätzen – für eine Stadt mit rund 57.000 Einwohnern eine Größenordnung, die den Arbeitsmarkt spürbar verändert.
Kein Zusammenhang mit Cottbus und Dahlewitz
Amazon stellt zugleich klar, dass der Standort nicht mit den beiden neuen Verteilzentren in Brandenburg zusammenhängt. In Cottbus eröffnet im September ein solches Zentrum (wir berichteten), ein weiteres entsteht in Dahlewitz.
Es handelt sich also um zwei verschiedene Dinge: Verteilzentren übernehmen die letzte Etappe zum Kunden, in Frankfurt (Oder) arbeitet dagegen ein Dienstleister im Auftrag des Konzerns.
23 Logistikzentren und mehr als 70 Verteilzentren
Zur Einordnung nennt Amazon die eigenen Zahlen für Deutschland: 23 große Logistikzentren, neun Sortierzentren und über 70 Verteilzentren betreibt der Konzern selbst. Frankfurt (Oder) gehört nicht dazu – dort arbeitet ein Partner.
Unabhängig davon wächst die Präsenz des Unternehmens in Brandenburg deutlich. In Baruth und Massen plant Amazon Rechenzentren für 7,8 Milliarden Euro (wir berichteten).
Die nächste Halle ist schon beantragt
Der Standort an der A12 wächst weiter. Am 10. Juli ging bei der Stadt ein Bauantrag für eine Halle C ein: 20.300 Quadratmeter Lagerfläche auf einem 40.000 Quadratmeter großen Grundstück. Der Bau soll Ende 2026 oder Anfang 2027 beginnen und etwa ein Jahr dauern.
„Wir glauben an den Standort Frankfurt (Oder). Es ist ein idealer Ort mitten in Europa und an einer Hauptschlagader“, sagt Alcaro-Projektentwickler Arne Haeger. Oberbürgermeister Dr. Axel Strasser wertet den Antrag als Vertrauenssignal.
44 Hektar an der Autobahn
Das Gesamtareal umfasst rund 44 Hektar, geplant sind bis zu 170.000 Quadratmeter Logistikfläche. Halle A mit 41.000 Quadratmetern steht seit 2022, der Bau von Halle B begann im März 2024.
Die Lage erklärt das Interesse: Die Anschlussstelle der A12 liegt 300 Meter entfernt, zum Containerterminal sind es fünf Kilometer, die polnische Grenze ist in Sichtweite. Der Park ist nach DGNB-Gold zertifiziert.
Unsere Fragen an Alcaro, die Stadt Frankfurt (Oder) und die Wirtschaftsförderung ICOB sind weiterhin offen. Sobald Antworten vorliegen, berichten wir.
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