Das Land Brandenburg hat erstmals ein umfassendes, datenbasiertes Lagebild zu Zuwanderung und Integration veröffentlicht. Der Bericht zeigt, dass sich die ausländische Bevölkerung im vergangenen Jahrzehnt mehr als verdreifacht hat, ihr Anteil mit 7,2 Prozent aber weiterhin deutlich unter dem Bundesdurchschnitt liegt. Gleichzeitig hebt die Analyse die wachsende Bedeutung von Zuwanderung für den Arbeitsmarkt, die Wirtschaft und das Bildungssystem hervor: Ausländische Beschäftigte gleichen den demografisch bedingten Rückgang deutscher Arbeitskräfte weitgehend aus, Brandenburg verzeichnet bundesweit den höchsten Anteil internationaler Studierender und auch das duale Ausbildungssystem profitiert von zugewanderten Nachwuchskräften. Nach Angaben des Ministeriums widerlegen die Daten zudem verbreitete Vorurteile, etwa zum Integrationswillen oder zur dauerhaften Abhängigkeit von Sozialleistungen, zeigen aber auch Herausforderungen wie geringere Einkommen ausländischer Beschäftigter und Unterschiede bei den Bildungswegen auf. Die Ergebnisse des Berichts sollen als Grundlage für die weitere Diskussion über das geplante Landesintegrationsgesetz dienen.
Zuwanderung in Brandenburg nimmt weiter zu
Nach Angaben des Ministeriums wurde das „Zuwanderungs- und Integrationsbarometer Brandenburg 2025“ (ZIB 2025) von der Minor Wissenschaft GmbH im Auftrag des Landes erstellt. Erstmals liegt damit eine umfassende datenbasierte Analyse zur Entwicklung von Migration und Integration in Brandenburg vor. Die Ergebnisse sollen nun innerhalb der Landesregierung ausgewertet und in die Beratungen zum geplanten Landesintegrationsgesetz einfließen.
Laut dem Bericht hat sich die Zahl der ausländischen Bevölkerung in Brandenburg innerhalb der vergangenen zehn Jahre mehr als verdreifacht. Dennoch lag ihr Anteil im Jahr 2024 mit 7,2 Prozent weiterhin deutlich unter dem Bundesdurchschnitt von 14,8 Prozent.
Nach Angaben des Ministeriums zeichnet sich Brandenburg durch eine vielfältige Zuwanderung aus. Dazu zählen unter anderem Arbeitskräfte aus Polen, Beschäftigte aus der Ukraine sowie internationale Studierende. Besonders die Zahl ukrainischer Beschäftigter in der Metall- und Elektroindustrie sei zwischen 2022 und 2024 deutlich gestiegen.
Bericht sieht Bedeutung für Arbeitsmarkt und Bildung
Wie aus dem Lagebild hervorgeht, machen ausländische Beschäftigte inzwischen 11,8 Prozent aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Brandenburg aus und liegen damit über ihrem Bevölkerungsanteil. Nach Angaben des Ministeriums gleiche dieser Zuwachs den demografisch bedingten Rückgang deutscher Beschäftigter nahezu vollständig aus.
Gleichzeitig weist der Bericht auf Unterschiede hin. So verdienen ausländische Vollzeitbeschäftigte im Median rund 550 Euro weniger als der Durchschnitt aller Vollzeitbeschäftigten in Brandenburg. Zudem arbeiten viele von ihnen in Branchen, die stärker von wirtschaftlichen Schwankungen betroffen sind.
Auch im Bildungsbereich nennt die Analyse mehrere Entwicklungen. Brandenburg weist laut Bericht mit 26,2 Prozent den höchsten Anteil internationaler Studierender unter allen Bundesländern auf. Fast jede zweite ausländische Studentin beziehungsweise jeder zweite ausländische Student ist demnach in einem ingenieurwissenschaftlichen Studiengang eingeschrieben. Außerdem stabilisierten ausländische Auszubildende nach Angaben des Ministeriums zunehmend das duale Ausbildungssystem.
Ministerium sieht Grundlage für weitere Integrationspolitik
Der Bericht beschäftigt sich außerdem mit der Integration von Geflüchteten. Nach Angaben des Ministeriums sank die Arbeitslosenquote von Menschen aus Asylherkunftsländern zwischen 2016 und 2021 deutlich. Gleichzeitig habe sich die Zahl der Teilnehmenden an Integrationskursen innerhalb weniger Jahre stark erhöht. Zeitweise habe die Nachfrage nach Deutschkursen sogar das vorhandene Angebot übertroffen.
Brandenburgs Integrationsminister René Wilke erklärte laut Pressemitteilung, Integrationspolitik benötige eine belastbare Datengrundlage. Das Lagebild solle aufzeigen, welche Entwicklungen bereits erfolgreich verlaufen und in welchen Bereichen weiterer Handlungsbedarf bestehe. Der Bericht unterscheidet dabei verschiedene Formen der Zuwanderung – von der Arbeitsmigration innerhalb der Europäischen Union über Fluchtmigration bis hin zur Bildungszuwanderung – und soll damit eine differenzierte Grundlage für künftige politische Entscheidungen liefern.
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Red. / Presseinformation




