In Schipkau steht ein technischer Weltrekord unmittelbar bevor: Die Bauarbeiten am GICON-Höhenwindturm auf der Hochkippe stehen kurz vor dem Abschluss. Bis Ende dieser Woche sollen nach Angaben des Unternehmens alle Großkomponenten montiert und die Voraussetzungen für den letzten, spektakulären Schritt geschaffen sein – das Anheben des Innenturms auf seine endgültige Höhe. Ab Samstag (19. September) kann täglich mit dem Beginn dieser sogenannten Teleskopierung gerechnet werden. Derzeit plant GICON, den Hub am Sonntag (20. September) zu starten. Der Termin steht allerdings ausdrücklich unter Vorbehalt: „Sicherheit geht vor Geschwindigkeit“, betont das Unternehmen – der Beginn hängt vollständig von den Witterungsbedingungen ab.
24 Stunden für die letzten Meter
Der Hubvorgang selbst ist eine Herausforderung für sich. Bei der Teleskopierung wird der Innenturm mit einem eigens entwickelten Litzenhubsystem nach oben gefahren – und zwar mit einer Geschwindigkeit von nur rund neun Metern pro Stunde. Nach dem Erreichen der endgültigen Position muss der Innenturm fixiert werden. Insgesamt soll der gesamte Prozess etwa 24 Stunden dauern.
Ist er abgeschlossen, erreicht der Höhenwindturm eine Gesamthöhe von 365 Metern. Damit wird er nicht nur das größte Windrad der Welt, sondern zugleich das zweithöchste Bauwerk Deutschlands – übertroffen nur vom Berliner Fernsehturm, der mit 368 Metern gerade einmal drei Meter höher ragt. Ein Turm mitten in der Lausitz reicht damit fast an das höchste Bauwerk der Republik heran.
Warum die Höhe entscheidend ist
Hinter dem Rekord steckt eine handfeste Idee: Der Höhenwindturm nutzt die in großen Höhen verfügbaren, stärkeren und gleichmäßigeren Winde. So lässt sich mehr Strom erzeugen, ohne neue Flächen außerhalb bestehender Windparks in Anspruch zu nehmen. Die Anlage steht dabei sinnbildlich für den Strukturwandel: Sie entsteht auf einer früheren Tagebau-Hochkippe – dort, wo einst Kohle abgebaut wurde, soll künftig Windstrom aus großer Höhe fließen.
Für GICON ist der Turm in Schipkau ein Prototyp mit weitreichender Perspektive. Bei einer geplanten Serienfertigung sieht das Unternehmen das Potenzial, in den kommenden Jahren bis zu 4.000 solcher Höhenwindtürme in Deutschland zu errichten. Die Fertigstellung in der Lausitz markiere einen bedeutenden Meilenstein für die Entwicklung leistungsfähiger Windenergieanlagen in großen Höhen.
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