Mit Gülle und Mist gelangen Antibiotika aus der Tierhaltung auf die Felder. Was sie dort anrichten, erforscht Prof. Dr. Anja Worrich an der BTU Cottbus-Senftenberg in Senftenberg. Auf Anfrage von NIEDERLAUSITZ aktuell erklärt sie, warum resistente Bakterien im Boden ein Problem sind.
Wie Antibiotika aus dem Stall auf den Acker kommen
In der Tierhaltung werden Antibiotika eingesetzt, um bakterielle Infektionen zu behandeln. „Ein Teil dieser Wirkstoffe wird von den Tieren nicht vollständig abgebaut, sondern über Kot und Urin wieder ausgeschieden“, erklärt Worrich, die an der BTU das Fachgebiet Mikrobiologie leitet. Wird Gülle oder Mist als Dünger ausgebracht, gelangen auch Rückstände von Antibiotika und antibiotikaresistente Bakterien in den Boden.
Dort können die Wirkstoffe die natürlich vorkommenden Mikroorganismen beeinflussen. Diese sind etwa für den Abbau organischer Substanz und die Versorgung der Pflanzen mit Nährstoffen wichtig. Außerdem können Rückstände resistente Bakterien begünstigen. „Besonders interessiert uns, unter welchen Bedingungen solche Resistenzen im Boden erhalten bleiben und möglicherweise weiterverbreitet werden“, sagt Worrich. Dabei gehe es auch um die Frage, ob sie über Pflanzen oder andere Wege wieder mit dem Menschen in Kontakt kommen können.
Sandige Lausitzer Böden sind für die Forschung spannend
Ihre Gruppe untersucht landwirtschaftlich genutzte Böden und vergleicht, wie sich unterschiedliche Bewirtschaftungsformen auf die Mikroorganismen und die Verbreitung von Resistenzen auswirken. Viele Untersuchungsflächen liegen noch außerhalb der Lausitz, weil ein Teil der Projekte am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Leipzig begonnen hat. Mit dem Aufbau in Senftenberg soll sich das ändern. Worrich möchte künftig auch mit Landwirtschaftsbetrieben aus der Lausitz zusammenarbeiten. „Gerade die besonderen Standortbedingungen der Region, beispielsweise die sandigen und nährstoffarmen Böden, bieten interessante wissenschaftliche Fragestellungen“, sagt sie.
Rund ein Dutzend Forschende an zwei Standorten
Zur Arbeitsgruppe gehören inzwischen etwa zwölf Personen, darunter Doktorandinnen und Doktoranden, Postdocs und Studierende. Ein Teil arbeitet weiterhin in Leipzig, in Senftenberg sind es derzeit sechs. Neben Worrich forscht am Institut für Biotechnologie in Senftenberg auch die Zellbiologin Prof. Dr. Kristin Schubert mit einer Emmy-Noether-Gruppe, sie untersucht Weichmacher im Fettgewebe. Mit dem Programm fördert die Deutsche Forschungsgemeinschaft junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die eine eigene Gruppe aufbauen.
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Ausschlaggebend für den Wechsel an die BTU war für Worrich die Möglichkeit, eine eigene Professur zu übernehmen und ihre Forschung langfristig weiterzuentwickeln. Dazu kommt ein persönlicher Grund. „Ich stamme ursprünglich aus der Region, sodass der Wechsel nach Senftenberg für mich auch ein Stück weit eine Rückkehr nach Hause ist“, sagt sie. Die Lausitz verändere sich gerade stark. Worrich sieht viele Möglichkeiten, ihre Forschung zu Antibiotika und Resistenzen mit Fragen aus der Region zu verbinden, etwa zu nachhaltiger Landwirtschaft, Bodengesundheit und dem Umgang mit Umweltbelastungen.
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Red. / Presseinformation











