Bestimmte Weichmacher können in Entzündungsprozesse im Fettgewebe eingreifen. Das zeigen Untersuchungen einer Forschungsgruppe der BTU Cottbus-Senftenberg in Senftenberg. Ihre Leiterin Prof. Dr. Kristin Schubert erklärt auf Anfrage von NIEDERLAUSITZ aktuell, was das für den Stoffwechsel bedeutet und was im Alltag hilft.
Fettgewebe ist mehr als ein passiver Energiespeicher
Kristin Schubert ist seit Oktober 2025 Professorin für Zellbiologie an der BTU und leitet seit April 2024 eine Emmy-Noether-Nachwuchsgruppe am Institut für Biotechnologie in Senftenberg. „Chemikalien begegnen uns überall im Alltag: in Lebensmittelverpackungen, Kosmetika, Kleidung, Möbeln oder elektronischen Geräten“, sagte Schubert auf Anfrage von NIEDERLAUSITZ aktuell. Viele dieser Stoffe erfüllten wichtige Funktionen, einige könnten jedoch auch die Gesundheit beeinträchtigen. Ihre Gruppe untersucht, wie Umweltchemikalien auf Zellen wirken und den Stoffwechsel beeinflussen. „Besonders interessieren uns dabei Weichmacher, Bisphenole, sogenannte Ewigkeitschemikalien (PFAS) und Mikroplastik.“
Ein Schwerpunkt ist das Fettgewebe. Es kann nach Angaben der Forscherin bestimmte Umweltchemikalien speichern und ist zugleich selbst ein mögliches Ziel ihrer Wirkung. „Fettgewebe ist nämlich weit mehr als ein passiver Energiespeicher: Es steht in engem Austausch mit unserem Immunsystem und beeinflusst zahlreiche Prozesse im Körper“, sagte Schubert. „Wird dieses Zusammenspiel gestört, können chronische Entzündungen entstehen, die Stoffwechselerkrankungen wie Typ-2-Diabetes begünstigen. Unsere eigenen Untersuchungen zeigen, dass bestimmte Weichmacher in diese Prozesse eingreifen können.“ Auch Ersatzstoffe für bereits kritisch bewertete Weichmacher seien dabei nicht zwangsläufig gesundheitlich unbedenklich.
Warum bei Weichmachern die Dosis nicht alles erklärt
In der Toxikologie gilt der Grundsatz „Die Dosis macht das Gift“. Bei manchen Umweltchemikalien sei der Zusammenhang allerdings komplizierter, so Schubert. „Gerade bei hormonell wirksamen Stoffen nimmt die Wirkung nicht immer gleichmäßig mit der Dosis zu, weshalb wir auch mögliche Effekte niedriger Konzentrationen untersuchen.“ Hinzu komme, dass Menschen im Alltag vielen Chemikalien gleichzeitig und oft über Jahrzehnte ausgesetzt seien. Welche Folgen solche langfristigen Belastungen und Stoffgemische haben, sei bislang nur unvollständig verstanden.
Die Gruppe fragt deshalb nicht nur, ob Umweltchemikalien eine Gewichtszunahme begünstigen. „Denn für unsere Gesundheit ist nicht allein entscheidend, wie viel Fettgewebe wir haben, sondern auch, wie gut es funktioniert“, sagte die Zellbiologin. „Umweltchemikalien könnten Entzündungsprozesse fördern und die Kommunikation zwischen Fett- und Immunzellen stören, möglicherweise auch unabhängig von einer Gewichtszunahme.“ Langfristig wolle die Gruppe dazu beitragen, Stoffwechselerkrankungen vorzubeugen.
Was Verbraucher im Alltag gegen die Belastung tun können
„Ganz vermeiden lässt sich der Kontakt mit Umweltchemikalien nicht, denn sie begegnen uns praktisch überall im Alltag“, sagte Kristin Schubert. Es gebe aber einfache Möglichkeiten, die persönliche Belastung zu verringern. „Ich würde beispielsweise empfehlen, Lebensmittel möglichst nicht in Kunststoffbehältern zu erhitzen und für warme Speisen lieber Glas oder Porzellan zu verwenden. Auch frische, regionale und wenig verpackte Lebensmittel können helfen, den Kontakt mit bestimmten Chemikalien zu verringern.“
Wichtig sei ihr allerdings, die Verantwortung nicht allein auf die Verbraucherinnen und Verbraucher abzuwälzen. „Niemand kann im Alltag ständig überprüfen, welche Chemikalien in welchen Produkten enthalten sind“, sagte Schubert. Ziel ihrer Forschung und der Entwicklung neuer Bewertungsmethoden sei es, mögliche Gesundheitsrisiken von Chemikalien frühzeitig zu erkennen und wissenschaftlich fundierte Grundlagen für regulatorische Entscheidungen zu schaffen.
Wie die Emmy-Noether-Gruppe in Senftenberg arbeitet
Das Emmy Noether-Programm der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) ermöglicht Forschenden in einer frühen Karrierephase, bis zu sechs Jahre lang eigenverantwortlich eine Gruppe zu leiten und sich so für eine Professur zu qualifizieren. Das Projekt „MetaDisrupt“ ihrer Gruppe läuft nach Angaben der BTU von 2024 bis 2030 und wird mit rund zwei Millionen Euro gefördert. Im Jahresbericht 2025 der Universität beschreibt die Forscherin das Ziel so: „Unser Projekt soll dazu beitragen, das Verständnis der Auswirkungen von Chemikalien aus unserem täglichen Leben auf molekulare Prozesse zu vertiefen, Biomarker zu identifizieren und die tierversuchsfreie Risikobewertung zu verbessern.“
ZeitarbeitBewerbung bis 31.10.Bodenleger (m/w/d)ZAC Personalservice GmbH · CalauZur Stelle →Alle 277 Stellen in Südbrandenburg →Zur Gruppe gehören inzwischen vier Postdocs, drei Promovierende, ein Ingenieur und eine Teamassistenz, dazu Studierende mit Abschlussarbeiten oder als studentische Hilfskräfte. „Wir verbinden Zellbiologie, Immunologie, Biochemie und moderne Technologien wie die Massenspektrometrie, mit der wir Tausende Proteine gleichzeitig untersuchen können“, sagte Schubert.
Vor ihrem Wechsel an die BTU leitete sie am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Leipzig die Arbeitsgruppe Toxicoproteomics. Sie studierte Biologie in Halle-Wittenberg, promovierte in Leipzig und forschte als Postdoktorandin an der Universität Oxford. Am Institut für Biotechnologie werden laut Jahresbericht bis 2028 sieben Professuren neu besetzt, Schuberts Zellbiologie ist eine davon. Im August berichteten wir bereits über die Spirulina-Forschung in den Senftenberger Laboren.
„Mich hat vor allem die Möglichkeit gereizt, hier in Senftenberg etwas Neues aufzubauen und meine eigenen wissenschaftlichen Ideen langfristig und unabhängig zu verfolgen“, sagte Kristin Schubert zu ihrer Entscheidung für den Standort. An der BTU könne sie zudem Studierenden das Forschungsfeld der Toxikologie näherbringen. Weitere Informationen gibt es auf der Seite des Fachgebiets Zellbiologie.
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