An der BTU Cottbus-Senftenberg untersucht ein Forschungsteam, ob Inhaltsstoffe der Mikroalge Spirulina das Wachstum von Lebertumorzellen bremsen können. Das Vorhaben läuft bis 2027 und wird vom Bund gefördert. Das teilte die Universität mit.
Eine Alge aus dem Smoothie im Krebslabor
Spirulina kennen viele als Nahrungsergänzungsmittel. In den Laboren am Standort Senftenberg wächst sie in grünen Kulturbehältern, sogenannten Fotobioreaktoren. Als möglicher Wirkstoff gegen Krebs ist die Mikroalge bislang kaum erforscht.
Ausgangspunkt des Projekts mit dem Namen AVantiLT ist eine Beobachtung aus Zell- und Tierversuchen: Inhaltsstoffe aus Spirulina scheinen Krebszellen zu bremsen, gesunde Zellen dagegen zu verschonen. Systematisch geprüft wurde das nie.

Botanisch ist Spirulina keine echte Alge, sondern ein Cyanobakterium. Sie wächst in warmen, salzhaltigen Gewässern und wird seit Jahrzehnten als Nahrungsergänzung vermarktet, meist als grünes Pulver oder gepresst in Tablettenform.
Warum ausgerechnet die Leber
Das Team nimmt sich der Frage am Beispiel der Leber an. Leberkrebs zählt nach Angaben der Universität weltweit zu den Tumorerkrankungen mit der schlechtesten Prognose, die Fallzahlen nehmen zu.
Geleitet wird die Arbeit von Prof. Dr. Jan-Heiner Küpper vom Fachgebiet Molekulare Zellbiologie. Der Ansatz läuft zweigleisig: Dr. Steffen Braune sucht in der Alge nach möglichen Wirkstoffen, Dr. Sarah Kammerer testet diese an menschlichen Leberzellen. Kombiniert werden dabei naturstoffchemische Analysen mit Systembiologie und Bioinformatik.
Ein blauer Farbstoff als Kandidat
Untersucht wird der komplette Extrakt mit seinen wasserlöslichen Bestandteilen, nicht nur einzelne Substanzen. Denn welcher Stoff die Wirkung auslöst, ist offen. „Spirulina-Extrakte können Krebszellen hemmen, doch wir wissen noch nicht, welche Bestandteile dafür verantwortlich sind“, wird Küpper zitiert.
Als vielversprechender Kandidat gilt Phycocyanin, ein blauer Farbstoff der Alge. Belegt ist dessen Rolle bislang nicht.

Kein Ersatz für eine Behandlung
Auf einen Punkt weist die Universität ausdrücklich hin: Klinische Studien an Patientinnen und Patienten fehlen bislang. Handelsübliche Spirulina-Präparate aus dem Handel sind deshalb nicht als Krebsbehandlung geeignet.
Wer bereits erkrankt ist, sollte Therapieentscheidungen deshalb mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt besprechen. Es handelt sich um Grundlagenforschung. Bis aus den Ergebnissen ein Medikament werden könnte, wären weitere Entwicklungsschritte und klinische Prüfungen nötig.
1,85 Millionen Euro und 14 Abschlussarbeiten
Gefördert wird das Vorhaben vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt mit knapp 1,85 Millionen Euro über fünf Jahre bis 2027.
Eingebunden sind auch Studierende aus dem Bachelorstudiengang Biotechnologie und dem englischsprachigen Masterstudiengang Biotechnology. Nach Angaben der Universität sind aus dem Projekt bislang 14 wissenschaftliche Abschlussarbeiten entstanden oder in Arbeit, darunter drei Promotionen.
Perspektivisch soll das Start-up Carbon Biotech eine regionale Wertschöpfungskette aufbauen, von hochreiner Spirulina bis zu möglichen Arzneimitteln.
Foto: BTU, Ralf Schuster
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