Das Referenzkraftwerk Lausitz sollte im Industriepark Schwarze Pumpe zeigen, wie sich eine Region allein mit erneuerbaren Energien versorgen lässt. Dieses Ziel ist nach Einschätzung des Projektträgers Jülich vorerst nicht erreichbar. Die Gesellschafter wollen das Projekt neu aufstellen.
Was der Projektträger Jülich jetzt mitteilt
Der Projektträger Jülich betreut das Vorhaben im Auftrag des Bundes. Auf unsere Fragen nach Mittelabfluss, Verfahrensstand und Zukunft der Förderung antwortete er am 17. September knapp, aber deutlich: Das Konsortium habe erklärt, dass „derzeit keine Final Investment Decision (FID) am ursprünglich vorgesehenen Standort Industriepark Schwarze Pumpe möglich“ sei. „Somit ist davon auszugehen, dass die ursprüngliche Zielsetzung nicht erreicht werden kann.“
Zu Einzelheiten äußert sich der Projektträger nicht. Wegen des laufenden Verfahrens seien „derzeit keine darüber hinausgehenden Angaben“ möglich. Wie viel Geld bereits abgeflossen ist und was mit den bewilligten Mitteln geschieht, bleibt damit offen.
Ein Vorhaben mit 28,5 Millionen Euro Förderung
Begonnen hatte alles im Dezember 2019 mit einer Vereinbarung am Industriestandort. Im August 2021 beschlossen die Beteiligten das Reallabor, im Februar 2023 überreichte der damalige Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck den Förderbescheid über rund 28,5 Millionen Euro. Das Geld stammt aus dem Programm „Reallabore der Energiewende“, die Laufzeit reicht von Januar 2023 bis Dezember 2027.
Geplant waren eine Elektrolyse mit zehn Megawatt Leistung und eine Rückverstromung mit einem Megawatt, dazu Speicher für Wasserstoff und Strom. Die Anlage sollte eine zweiwöchige Dunkelflaute überbrücken und ein Netz nach einem Ausfall wieder anfahren können. Als Gesellschafter der Referenzkraftwerk Lausitz GmbH galten bisher die Unternehmen Energiequelle und Enertrag sowie der Zweckverband Industriepark Schwarze Pumpe. Enertrag spricht inzwischen von einem Gemeinschaftsunternehmen von Enertrag und Energiequelle, ob der Zweckverband noch beteiligt ist, ließ das Unternehmen offen. Wissenschaftlich begleitet wird das Vorhaben von Fraunhofer IEG, BTU und TU Dresden.
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Die Stadtwerke Spremberg korrigieren eine Angabe
In Veröffentlichungen der vergangenen Jahre tauchten die Städtischen Werke Spremberg als Gesellschafter mit 25,1 Prozent auf. Auf unsere Anfrage stellt Geschäftsführer Michael Schiemenz klar, dass sein Unternehmen an der Gesellschaft nicht beteiligt ist und es auch nie war. Als Auskunftsstelle verweist er auf den Zweckverband.
Woran es aus Sicht der Beteiligten scheitert
Schiemenz nennt einen Grund, der nichts mit der Technik zu tun hat: die Regulatorik. Entscheidend sei die räumliche Nähe zwischen Erzeugung und Entnahme – etwa viereinhalb bis fünf Kilometer oder dasselbe Betriebsgelände. Davon hängen Stromsteuerbefreiung, vermiedene Netzanschlusskosten und Netzentgelte ab. Fehle diese Nähe, werde ein Projekt „teurer und ggf. unwirtschaftlich“. Eine Änderung der Vorschriften sei „nicht erkennbar“.
Bereits im Mai hatte die Geschäftsführung erklärt, das Vorhaben müsse vertagt werden. Mehrere Führungskräfte verließen das Unternehmen. Auf der Internetseite des Projekts findet sich davon bis heute nichts; dort steht als jüngste Nachricht der Förderbescheid.
Welche Fragen jetzt unbeantwortet bleiben
Offen ist, was mit den bewilligten Millionen geschieht, ob ein anderer Standort geprüft wird und ob die Förderung verlängert, umgewidmet oder zurückgefordert wird. Enertrag und Energiequelle teilten auf unsere Anfrage in einem gemeinsamen Statement mit, das Projekt befinde sich „aktuell in der Restrukturierung“. Die Referenzkraftwerk Lausitz GmbH stehe dazu in engem Austausch mit dem Projektträger Jülich, die Möglichkeiten für den weiteren Fortgang würden geprüft. In welcher Form das Referenzkraftwerk umgesetzt werden kann, könne man derzeit nicht sagen. Sobald es konkrete Aussagen gebe, wolle man informieren. Der frühere Geschäftsführer Ben Schüppel darf sich nach eigenen Angaben nicht zum Projekt äußern. Das Referenzkraftwerk Lausitz galt über Jahre als eines der Vorzeigeprojekte des Strukturwandels in der Region – und als Beleg dafür, dass aus dem Kohlestandort Schwarze Pumpe ein Energiestandort neuer Art werden kann.
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Red.























