Die Krankenkasse BARMER sieht in der neuen Krankenhausplanung in Brandenburg eine Chance für eine zukunftsfähige Versorgung. Komplexe Eingriffe sollen sich auf spezialisierte Kliniken konzentrieren, die Grund- und Notfallversorgung aber wohnortnah bleiben. Das forderte Landeschefin Gabriela Leyh heute in Potsdam.
BARMER diskutiert mit Minister Wilke in Potsdam
Anlass war eine gesundheitspolitische Veranstaltung der BARMER Berlin/Brandenburg zur Zukunft der Krankenhausversorgung am Donnerstag in Potsdam. Gesundheitsminister René Wilke (SPD) richtete zu Beginn ein Grußwort an die Teilnehmer und diskutierte anschließend in einer Podiumsrunde über die Klinikreform.
Mit der Umsetzung der bundesweiten Krankenhausreform wird die Krankenhausplanung in Brandenburg auf Leistungsgruppen umgestellt. Für diese Gruppen müssen Kliniken bestimmte Voraussetzungen erfüllen und nachweisen, auch im Rahmen von Kooperationen. „Die aktuelle Krankenhausreform bietet die Möglichkeit, die notwendigen Entscheidungen gemeinsam zu treffen, um die ansonsten gefährdete Versorgung dauerhaft auf tragfähige Füße zu stellen. Entscheidend ist, dass die Menschen auch künftig die medizinische Hilfe erhalten, die sie benötigen, unabhängig davon, wo sie leben“, sagte Leyh, Landesgeschäftsführerin der BARMER in Berlin und Brandenburg.
Rund 850 Anträge für Leistungsgruppen liegen vor
Nach Angaben der Landesregierung arbeitet Brandenburg derzeit an seinem fünften Krankenhausplan. Demnach liegen bereits rund 850 Anträge für Leistungsgruppen vor, die geprüft und bewertet werden. Die Ergebnisse will das Gesundheitsministerium in mehreren Gebietskonferenzen vorstellen. Beteiligt werden sollen unter anderem Kommunen, Krankenhäuser, Kassen und weitere Akteure des Gesundheitswesens.
Die BARMER begrüßt diesen dialogorientierten Ansatz. Für die Krankenhausplanung in Brandenburg fordert die Kasse transparente Entscheidungen und eine konsequente Ausrichtung der Kapazitäten am tatsächlichen Bedarf. „Die Menschen erwarten eine hochwertige Versorgung. Dafür braucht es nachvollziehbare Entscheidungen, klare Kriterien und ein gutes Zusammenwirken“, sagte Leyh. Neben der Erreichbarkeit müssten insbesondere Qualität, Fachkräfteverfügbarkeit und die langfristige Stabilität der Standorte berücksichtigt werden.
Spezialisierung bei Herzinfarkt und Schlaganfall
Nach Auffassung der BARMER stehen eine flächendeckende Grund- und Notfallversorgung und die Stärkung der medizinischen Qualität nicht im Widerspruch. „Wer mit einem Herzinfarkt, einem Schlaganfall oder einem anderen akuten Notfall medizinische Hilfe braucht, muss diese schnell in dem dafür qualifizierten Krankenhaus erhalten“, sagte Leyh. Studien zeigten seit Jahren, dass die Behandlungsqualität häufig dort besonders hoch sei, wo Teams bestimmte Eingriffe regelmäßig und in größerer Zahl durchführen.
Um einen pauschalen Abbau von Krankenhausstandorten gehe es nicht, erklärte die Landeschefin. Vielmehr solle die Krankenhausplanung in Brandenburg eine qualitätsorientierte Aufgabenteilung zwischen den Standorten fördern. Zudem müsse die zunehmende Ambulantisierung berücksichtigt werden, viele Eingriffe könnten heute ambulant erfolgen. „Brandenburg braucht starke Krankenhäuser mit klaren Aufgaben und Planungssicherheit“, sagte Leyh.
Krankenhausreform beschäftigt auch Südbrandenburg
In der Region ist die Reform seit Längerem Thema. Im Landkreis Elbe-Elster verwies die Geschäftsführung des Elbe-Elster Klinikums im Juni 2025 in der Debatte um ein zentrales Klinikum auf die Mindestanforderungen der Leistungsgruppen, wie NIEDERLAUSITZ aktuell berichtete. In Luckau richtet das Evangelische Krankenhaus seine Intensivmedizin neu aus, die Rettungsstelle ist laut Landkreis derzeit nicht betroffen.
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