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Brandenburg Montag, 20 Januar 2020 von Redaktion

Stiller Reflux - oft unentdeckt und fehlbehandelt

Stiller Reflux - oft unentdeckt und fehlbehandelt

Sie leiden an ständigem Halskratzen und trockenem Husten? Dann könnte ein stiller Reflux dahinterstecken. Ein stiller Reflux ist nichts anderes als ein übersäuerter Magen. Er macht sich an hartnäckigen Halsbeschwerden, vermehrter Schleimbildung, Schluckstörungen und trockenem Reizhusten bemerkbar. Häufig bleiben die klassischen Beschwerden, wie Sodbrennen und ständiges Aufstoßen aus. Stiller Reflux kann auch als atypische Refluxkrankheit bezeichnet werden. Meist bringt eine Ernährungsumstellung bereits eine deutliche Linderung mit sich. Nicht selten sind Reizdarmpatienten von stillem Reflux betroffen.

Was passiert bei einem stillen Reflux genau?

Es gelangen kleine Mengen der Magensäure, über die Speiseröhre, in den Rachenbereich. Das Problem: Der Rachen kann sich nicht ausreichend vor der ätzenden Magensäure schützen. Magen und Speiseröhre verfügen über ein anderes Gewebe und sind dementsprechend besser geschützt. Durch eine permanente Reizung, kann es zu chronischen Entzündungen kommen. Die Folgen sind beispielsweise eine Schwellung der Stimmlippen. Die Schwellung kann die Stimme verändern. Auch Stimmlippenknoten, Granulome und Polypen sind keine Seltenheit. Die Säure bleibt unbemerkt, so kann es zu chronischen Schäden kommen. Aber auch zahlreiche weitere Erkrankungen können entstehen, zum Beispiel wiederkehrende Entzündungen der Nasennebenhöhlen, Zahnbeläge, Zahnfleischentzündungen oder allgemeine Zahnschäden.

Was sind die Gründe für einen stillen Reflux?

Wenn die Nahrung in den Magen gelangt, wird das Hormon Gastrin gebildet. Es sorgt für eine Stimulierung der Magensäure. Die aufgenommene Nahrung nimmt einen großen Einfluss darauf, ob viel Magensäure produziert wird.

Fettige Speisen, scharfe Gewürze, Kaffee, Alkohol, zuckerhaltige Getränke, Nikotin und Schokolade, sorgen für eine vermehrte Produktion der Magensäure. Auch Medikamente wie Blutdrucksenker und Antidepressiva nehmen Einfluss auf die Säureproduktion. Ein Verschlussmuskel der unteren Speiseröhre ist dafür verantwortlich, dass die Magensäure nicht nach oben gelangt. Es kann aber passieren, dass dieser Muskel nicht mehr vollständig schließt. Der Magensaft gelangt in die Speiseröhre, den Hals. Es kommt zu einem sauren, brennenden Gefühl. Ist die Schleimhaut der Speiseröhre noch nicht geschädigt, spüren betroffene meist nur ein Kratzen im Hals. Im Idealfall erkennt der Hals-Nasen-Ohrenarzt die Symptome für einen stillen Reflux möglichst bald so dass eine Endoskopie, auch Magenspiegelung genannt, durchgeführt werden kann. Auch Faktoren wie immer wiederkehrender Stress können die Säureproduktion vorantreiben.

Ist eine Ernährungsumstellung sinnvoll?

Wer an stillem Reflux leidet sollte in jedem Fall über eine Ernährungsumstellung nachdenken. In den meisten Fällen bringt diese bereits eine deutliche Linderung. Meist verschreiben Ärzte nach der Diagnose möglichst rasch Säureblocker. Diese bringen aber zahlreiche Nebenwirkungen mit sich und sollten in keinem Fall auf Dauer eingenommen werden. Sie überdecken die Ursache und bekämpfen diese nicht. Ein erster Versuch sollte in jedem Fall eine Ernährungsumstellung sein. Falls diese keine Linderung erbringt, kann man immer noch auf die Säureblocker zurückgreifen. Hier ein paar allgemeine Regeln:

• Der allgemeine Verzicht auf scharfe Gewürze
• Keine Süßigkeiten, in erster Linie Schokolade
• Keine heißen und fettigen Speisen
• Nahrungsmittel mit wenig Säure
• Nicht säurehaltige Getränke
• Kein Kaffee und schwarzer Tee
• Alkoholverzicht (zumindest vorübergehend)
• Nikotinverzicht(zumindest vorübergehend)
• Keine zu späten Mahlzeit(im Idealfall nicht nach 18 Uhr)
• Keine gegrillten und gebratenen Nahrungsmittel

Wenn die Maßnahmen nicht zu einer Linderung der Schmerzen führen, sollten Sie ihren Arzt aufsuchen und eine mögliche Medikation in Erwägung ziehen.

Wann zum Arzt?

Sie leiden an einer chronischen Beeinträchtigung der Atemwege? Ihnen ist die Ursache unklar? Dann sind Sie vielleicht an einem stillen Reflux erkrankt. Wenn Sie die Krankheit in Verdacht haben, suchen Sie in jedem Fall einen Arzt auf. Ein Hals-Nasen-Ohrenarzt wird sie gründlich untersuchen. Wenn Sie zusätzlich an einem Reizdarm leiden, kann die Behandlung zur Linderung der Beschwerden führen.

Was ist der Unterschied zwischen einem stillen und klassischen Reflux?

Menschen welche an einem klassischen Reflux leiden, haben starkes Sodbrennen. Man bezeichnet diese Krankheit auch als GERD. Hier ist in erster Linie die Speiseröhre betroffen, das ist bei stillem Reflux nicht der Fall. Ein stiller Reflux geht meist ohne Sodbrennen einher.

Ein typischer Reflux kann erfolgreich mit Magenschutzmittel, auch Protonenpumpenhemmer genannt (PPI), behandelt werden. Das Medikament reduziert die Produktion der Säure erfolgreich. Typische Refluxpatienten verspüren nach Einnahme eine rasche Besserung.
Aber Vorsicht: Protonenpumpenhemmer reduzieren lediglich den Säuregehalt. Der Reflux findet weiterhin statt. Man bezeichnet diese produzierten Stoffe auch als Pepsine. Sie werden bei stillem Reflux kontinuierlich in die Atemwege befördert. Durch gewisse säurehaltige Lebensmittel werden diese aktiviert.

Wer an einem stillen Reflux leidet, wird von der alleinigen Einnahme der Magenschutzmittel nicht profitieren. Das zeigt sich meist nach einer Einnahme von circa vier Wochen. Es muss in jedem Fall eine Umstellung der Ernährung erfolgen. Ansonsten macht sich meist keine Besserung bemerkbar. Sobald säurehaltige Lebensmittel zugeführt werden, sind Pepsine aktiv. Sie können Beschwerden trotz Magenschutz auslösen.

Ein wesentlicher Grund, welcher gegen die Einnahme von Magenschutzmittel spricht: Magenschutzmittel wirkt sich im Allgemeinen negativ auf die Verdauung aus. Es verlangsamt diese und kann den Reflux verstärken. Die Folge: Es gelangen noch mehr Pepsine in die Atemwege. Auch zu wenig Säure kann zu einer schlechten Verdauung führen. Die Verdauung wird verlangsamt und im gesamten beeinträchtigt. Nach Absetzen der Magenschutzmittel wird meist noch verstärkt Säure produziert. Man spricht dabei auch von einem Rebound-Effekt.
Wer an stillem Reflux leidet, sollte das Magenschutzmittel in jedem Fall über den Tag verteilt einnehmen. Es empfiehlt sich die Hälfte der Tagesdosis am Morgen und die andere Hälfte am Abend einzunehmen. Das ist ein wesentlicher Behandlungsunterschied zu Patienten mit tatsächlichem Reflux. Hier sollte die Magensäure auf null gefahren werden. Die Einnahme erfolgt morgens auf nüchternen Magen mindestens eine Stunde vor der ersten Mahlzeit.

Was tun, wenn man von stillem Reflux betroffen ist?

Häufig ist die Lebensqualität der Patienten deutlich beeinträchtigt. Man muss permanent darauf achten, säurehaltige Lebensmittel und Getränke zu meiden. Mit Freunden und Familie essen zu gehen, wird zur Herausforderung. Da kann es helfen sich mit anderen Betroffenen auszutauschen. Auf Refluxgate finden Sie beispielsweise Erfahrungsberichte. Möglicherweise können Sie sich mit dem einen oder anderen Bericht identifizieren.

Fazit

Stiller Reflux sollte in keinem Fall auf die leichte Schulter genommen werden. Bleibt dieser unentdeckt, kann es auf Dauer zu einer Reihe an chronischen Entzündungen kommen. Außerdem sollte man nicht blauäugig Magenschutzmittel einnehmen. Oftmals bringt eine Umstellung der Ernährung bereits eine Linderung mit sich. Auch stressreduzierende Tätigkeiten wie progressive Muskelentspannung und Yoga können sich positiv auf den stillen Reflux auswirken.

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