Nach dem geglückten Auftakt in die 2. Bundesliga steht für den FC Energie Cottbus die erste Auswärtsreise an – und die hat es gleich in sich: Am Sonntag (16. August, 13.30 Uhr, SchücoArena) gastiert der Aufsteiger bei Arminia Bielefeld. Trainer Claus-Dieter Wollitz warnt vor einem laufstarken Gegner und einer großen Kulisse, muss sein Team aber ohnehin umbauen: Torjäger Erik Engelhardt fällt nach seiner schweren Knieverletzung monatelang aus.
„In seiner Art nicht ersetzbar“
Die Diagnose fiel am Donnerstag und ist bitter: Kreuzband- und Meniskusschaden im linken Knie, mehrere Monate Pause. „Grundsätzlich ist jede Verletzung enttäuschend“, sagt Wollitz im Gespräch mit NL-Sportreporter Georg Zielonkowski. „Aber in diesem Fall ist es noch mal dramatischer, weil er für uns aus diesem Kader aktuell nicht ersetzbar ist.“
Engelhardt, im Verein „Panzer“ genannt, hatte in der Vorsaison mit 22 Toren maßgeblichen Anteil am Aufstieg. Für Wollitz zählt aber nicht nur die Torausbeute: „Seine Körperlichkeit, seine Intensität – er ist ein wichtiger Fixpunkt, ein wichtiger Anker.“ Der Ausfall treffe die Mannschaft auch emotional. „Das war gestern wirklich ein Schock und große Traurigkeit“, schildert der Trainer. Seine Botschaft ans Team fällt kämpferisch aus: „Lass uns doch für Panzer alles raushauen.“ Wenn Energie jetzt performe und enger zusammenwachse, „dann hat er nach seiner Verletzung etwas davon“. Schließlich sei es auch Engelhardts Verdienst, „dass wir überhaupt über zweite Liga reden“.

Suche nach gleich zwei Stürmern
Der Ausfall verschärft ein Problem, an dem Energie ohnehin arbeitet. Schon vorher war der Verein auf der Suche nach einem zweiten Stürmer – nun braucht es zwei. Wollitz macht kein Geheimnis aus den Schwierigkeiten: „Die Spieler, die wir haben wollten, wollten nicht – und den Spieler, der wollte, konnten wir nicht zahlen.“ Ob schnell Verstärkung kommt, ließ er offen: „Die nächsten Stunden werden es zeigen.“ Einen Königsweg über den ausländischen Markt sieht er nicht. Wenn es finanzierbare Spieler mit den nötigen Voraussetzungen gebe, verschließe man sich nicht – „aber wenn es diese Spieler nicht gibt, muss man auf den eigenen Markt gucken“.
Bielefeld als „andere Liga“
Sportlich wartet mit Arminia Bielefeld eine dicke Aufgabe. Wollitz beschreibt den Gegner mit Respekt: „eine gute Mannschaft, gutes 4-3-3-Spiel mit zwei guten Achtern, sehr gute Organisation, sehr gute Struktur“. Bielefeld schalte schnell um und laufe mit maximaler Intensität in die Tiefe. Personell muss Wollitz umbauen – neben Engelhardt plagen sich unter anderem Jannis Boziaris und King Manu mit Problemen. Dabei hätte er nach dem 3:1 gegen Hannover gern Kontinuität gehabt: „Ehrlich gesagt hätte ich gern mit der gleichen Mannschaft gespielt.“
Butler will nachlegen
Hoffnung macht ein Mann, der beim Auftakt den Schlusspunkt setzte: Justin Butler, nach seiner Einwechslung gegen Hannover gleich erfolgreich. „Es war sehr gut, dass ich mich selbst belohnen und der Mannschaft helfen konnte“, sagt der Angreifer. „Das gibt noch mal ein kleines Selbstbewusstsein.“
Auch Butler wird beim Thema Engelhardt ernst: „Das tut natürlich sehr, sehr weh, dass er sich so böse verletzt hat.“ Mit Engelhardt verliere man einen der wenigen echten Stürmer. Kompensieren lasse sich das nur gemeinsam: „Wir werden trotzdem unser Bestes geben, den Panzer so zu ersetzen, dass es unser Spiel weiterbringt.“ Vor dem Duell in Bielefeld, das er noch aus Drittliga-Zeiten kennt, warnt er: „Das ist nicht der einfachste Gegner, und es ist eine große Kulisse.“ Entscheidend werde die Intensität, die man gegen Hannover in Halbzeit eins vermissen ließ. Einfache Gegner gebe es in der 2. Liga ohnehin nicht: „Man darf keinen unterschätzen.“ Und die eigene Startelf-Frage? Butler lächelt: „Ich würde es mir wünschen. Aber die Entscheidung liegt beim Trainer – ich kann nur Leistung bringen.“
Erlein: Vorlagengeber mit großen Ambitionen
Einer, der beim Auftakt ebenfalls glänzte, war Leih-Neuzugang Luca Erlein – er bereitete Butlers Tor mit einem sehenswerten Hackentrick vor. „Das war mehr aus der Intuition heraus“, erzählt der 19-Jährige. „Ich hab im Augenwinkel Justin gesehen und gedacht: Aus dem Winkel wird’s schwer für mich, also leg ich ihn zurück. Was Justin daraus gemacht hat, war sehr gut.“
Dass er im ersten Pflichtspiel für Energie gleich in der Startelf stand, kam für den von Bayer Leverkusen ausgeliehenen Verteidiger nicht überraschend: „Ich bin mit dem Ziel hergekommen, viele Spiele zu machen. Ich bin sehr dankbar, das Vertrauen direkt bekommen zu haben, und versuche, es mit Leistung zurückzugeben.“ Den Wechsel in die Lausitz beschreibt er als bewussten Karriereschritt: Nach Gesprächen mit Leverkusen sei klar gewesen, dass es einen Schritt höher als die 3. Liga gehen solle. Unter mehreren Interessenten habe Cottbus die besten Gespräche geführt. Rückblickend bereut er nichts: „Stand heute war es ein sehr guter Schritt. Ich verstehe mich sehr gut mit der Mannschaft, kann mich hier gut entwickeln und habe vollen Fokus auf die Saison.“
Trotz aller Widrigkeiten bleibt der Anspruch bestehen. „Wir sind gekommen, um zu bleiben“, sagt Wollitz. „Und wenn man bleiben möchte, brauchen wir Ergebnisse.“ Für Sonntag gilt deshalb: erst ein besseres Spiel als beim Auftakt – und dann die Chance, in Bielefeld etwas mitzunehmen.
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Red. / [lb]



