Der Arbeitsweg der Beschäftigten im Landkreis Spree-Neiße ist binnen eines Jahres um einen ganzen Kilometer länger geworden. Unter den 400 Kreisen Deutschlands schafft das kein zweiter. Das zeigen die neuen Pendlerdaten des Bundes.
Ein Kilometer mehr – in einem einzigen Jahr
Im Schnitt legten Beschäftigte aus Spree-Neiße 2025 genau 22,7 Kilometer zwischen Wohnung und Arbeitsplatz zurück. Ein Jahr zuvor waren es 21,7 Kilometer. Dieses Plus von einem Kilometer ist der größte Zuwachs, den das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung überhaupt ausweist – Spree-Neiße ist der einzige Kreis, der diese Marke erreicht.
Zur Einordnung: Bundesweit wuchs die Entfernung im selben Zeitraum um durchschnittlich 0,09 Kilometer, also um weniger als hundert Meter. Der Kreis hinter Spree-Neiße, das bayerische Wunsiedel, kommt auf 0,6 Kilometer. Der Abstand nach oben ist also deutlich.
Auch die Nachbarkreise rücken auseinander
Der Trend endet nicht an der Kreisgrenze. In Oberspreewald-Lausitz stieg die mittlere Entfernung um 0,4 auf 23,2 Kilometer – das ist bundesweit der zehntgrößte Zuwachs. Elbe-Elster legte um 0,2 auf 24,7 Kilometer zu, Dahme-Spreewald um 0,1 auf 26,2 Kilometer.
Gemessen am reinen Abstand liegt der Arbeitsweg in der Lausitz damit deutlich über dem des übrigen Landes: Der bundesweite Durchschnitt beträgt 17,3 Kilometer. Dahme-Spreewald gehört mit seinen 26,2 Kilometern sogar zu den zehn Kreisen mit den längsten Wegen überhaupt.
Newsletter
Die Lausitz am Abend – in zwei Minuten
Jeden Abend das Wichtigste aus der Region – und donnerstags die Veranstaltungstipps fürs Wochenende. Kostenlos und jederzeit abbestellbar.
Brandenburg stellt vier der zehn längsten
Den Spitzenwert Deutschlands erreicht Märkisch-Oderland mit 27,4 Kilometern, dahinter folgt der Altmarkkreis Salzwedel mit 27,2. Unter den zehn Kreisen mit den weitesten Wegen liegen vier in Brandenburg, unter den ersten zwanzig sind es acht.
„Lange Arbeitswege haben regional unterschiedliche Gründe“, sagt BBSR-Experte Thomas Pütz. Im Münchner Umland seien es die Anziehungskraft des Arbeitsmarktes und der angespannte Wohnungsmarkt. „In dünn besiedelten Regionen sind die Entfernungen dagegen oft groß, weil attraktive Arbeitsmarktzentren weiter entfernt liegen.“
Anders gesagt: In Bayern zieht man weg, weil die Stadt zu teuer ist. Im Osten fährt man weit, weil die Arbeit weit weg ist. In der Statistik sieht beides gleich aus, dahinter stehen zwei völlig verschiedene Befunde.
In Cottbus ist der Arbeitsweg am kürzesten
Die Gegenbewegung liefert die Stadt selbst. Cottbuser Beschäftigte kommen auf 19,9 Kilometer und liegen damit auf Rang 132 von 400 – unter allen Brandenburger Kreisen hat nur Potsdam einen kürzeren Arbeitsweg.
Das passt zu dem, was die Pendlerrechnung des Amtes für Statistik Berlin-Brandenburg zeigt: 27.807 Beschäftigte kommen von außerhalb nach Cottbus, das zweitstärkste Pendlerziel des Landes nach Potsdam. Umgekehrt verlassen nur 32,2 Prozent der Cottbuser die Stadt zur Arbeit. Was das für die Region bedeutet, haben wir im Juli beschrieben: Cottbus-Sog: Wie die Lausitz-Stadt das Umland prägt.
Wer in Cottbus wohnt, hat die Arbeit meist vor der Haustür. Wer im Umland wohnt, fährt hinein – und offenbar Jahr für Jahr etwas weiter.
Was die Statistik nicht beantworten kann
Warum der Weg in Spree-Neiße länger wurde, geht aus den Daten nicht hervor. Sie erfassen nur, wo jemand am 30. Juni 2025 gemeldet war und wo er gearbeitet hat. Rechnerisch wächst die Entfernung auf zwei Wegen: wenn Menschen in der Nähe ihre Arbeit verlieren und weiter entfernt eine neue finden – oder wenn Zugezogene ihren bisherigen Arbeitsplatz behalten. Welcher der beiden Effekte hier stärker wirkt, lässt die Auswertung offen.
Ebenso wenig sagt sie, wie oft jemand tatsächlich fährt und womit. Wer im Homeoffice arbeiten kann, legt den Arbeitsweg nicht jeden Tag zurück; darauf weist das Bundesinstitut ausdrücklich hin. Bundesweit arbeiteten 2025 rund 20,64 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigte außerhalb ihres Wohnorts – 60 Prozent aller Beschäftigten.
Weitere aktuelle Meldungen aus der Region
Heute in der Lausitz – Unser täglicher Newsüberblick
Mehr Infos und News aus der Lausitzer und Südbrandenburger Region sowie Videos und Social-Media-Content von heute findet ihr in unserer Tagesübersicht –>> Hier zur Übersicht
Uns bei Google als bevorzugte Quelle festlegen
Wer etwas googelt, bekommt neben den normalen Treffern eine Box mit aktuellen
Nachrichten. Legen Sie NIEDERLAUSITZ aktuell als bevorzugte Quelle fest,
erscheinen unsere Beiträge dort häufiger für Sie – und in den KI-Übersichten
von Google. Ein Klick genügt, danach sind Sie sofort wieder hier.
Falls der Knopf nicht angezeigt wird: niederlausitz-aktuell.de bei Google als bevorzugte Quelle hinzufügen
Red. / Presseinformation







