Spree-Neiße und Oder-Spree gehören im IW-Regionalranking 2026 zu den Brandenburger Aufsteigern – Spree-Neiße bei der Steuerkraft sogar bundesweit auf Rang 4. Doch in beiden Kreisen entwickelt sich die Lebensqualität in die Gegenrichtung, und junge Erwachsene wandern in großer Zahl ab. Das geht aus den Sonderauswertungen der IW Consult hervor.
Serie: Das IW-Regionalranking 2026 und die Lausitz
Dieser Beitrag ist Teil 11 unserer 14-teiligen Serie, in der Niederlausitz aktuell das IW-Regionalranking 2026 für die Regionen Südbrandenburgs und der sächsischen Lausitz aufschlüsselt. Niederlausitz aktuell hat dafür Sonderauswertungen bei der IW Consult angefordert, mit Mit-Autorin Dr. Vanessa Hünnemeyer Rücksprache zur Methodik gehalten und die Daten mit eigenen Recherchen verknüpft. Bis zum Abschluss der Serie erscheinen neue Teile montags und donnerstags. Alle Teile sind in unserer Übersicht IW-Regionalranking 2026 versammelt.
Zwei Kreise, zwei Wirtschaftserfolge
Im Dynamikvergleich 2022–2024 des IW-Regionalrankings 2026 erreicht Spree-Neiße bei der gemeindlichen Steuerkraft einen Zuwachs von 352 Euro pro Einwohner. Das entspricht Rang 4 bundesweit – nur drei Regionen Deutschlands legen stärker zu. Spree-Neiße liegt damit sogar vor Cottbus (Rang 7, +316 Euro). Im Hintergrund steht die LEAG: Die Tagebaue Jänschwalde und Welzow-Süd liegen im Kreisgebiet, ebenso das Kraftwerk Jänschwalde. Die Gewerbesteuer fließt überwiegend an die Standortgemeinden.
Oder-Spree erreicht beim selben Indikator einen Zuwachs von 182 Euro pro Einwohner – Rang 35 bundesweit. Auch das ist deutlich überdurchschnittlich (Bundesschnitt: +70 Euro). Hier ist der wesentliche Treiber die Tesla-Gigafactory in Grünheide, die seit 2022 in Vollbetrieb ist und über Gewerbesteuer und Lohn- und Einkommensteuer-Anteile zur kommunalen Finanzkraft beiträgt. Beide Kreise haben damit in den vergangenen zwei Jahren wirtschaftliche Indikatoren gemessen, die weit über dem Bundesdurchschnitt liegen.
SPN: Niedrigste Arbeitslosenquote, höchste Kaufkraft der Region
Was im IW-Themenbereich Wirtschaftsstruktur sichtbar wird, bestätigt der Grundstücksmarktbericht 2024 des Gutachterausschusses für Grundstückswerte SPN-OSL: Spree-Neiße ist wirtschaftlich der stärkste Lausitz-Kreis – noch vor Oberspreewald-Lausitz und sogar vor Cottbus. Die Kaufkraft je Einwohner lag 2025 bei 28.302 Euro, das ergibt einen Kaufkraftindex von 92,6 gegenüber dem Bundesschnitt 100. OSL kommt auf 27.621 Euro (Index 90,4), Cottbus auf 25.476 Euro (Index 91,2). Die Arbeitslosenquote in Spree-Neiße ist von 8,7 Prozent (2015) auf 5,9 Prozent (2024) gesunken – das ist der niedrigste Wert in der Lausitz und besser als der Brandenburger Landesschnitt.
Hinter diesen Werten stehen mehrere Industrieansiedlungen, die der Grundstücksmarktbericht dokumentiert. Im Industriepark Schwarze Pumpe sind nach Angaben des Berichts neben der LEAG die Unternehmen Dunapack Spremberg, Hamburger Rieger und Siemens Mobility tätig. Der sächsische Teil des Industrieparks erhielt im Juni 2025 nach Angaben des sächsischen Wirtschaftsministeriums 28 Millionen Euro aus dem Investitionsgesetz Kohleregionen. Auf dem Gelände entsteht zudem mit CircEcon eine Forschungsfabrik mit 450 geplanten Jobs, getragen von TU Dresden, TU Chemnitz, TU Bergakademie Freiberg und Hochschule Zittau/Görlitz.
Guben entwickelt sich nach Darstellung des Gutachterausschusses zum Zentrum für Zukunftstechnologien: Rock Tech Lithium will dort die erste europäische Lithiumhydroxid-Anlage für die Elektromobilität bauen – ein EU-strategisches Projekt mit zuletzt auf 680 Millionen Euro reduzierter Investitionssumme und 160 geplanten Arbeitsplätzen. Der Baustart wurde nach Unternehmensangaben mehrfach verschoben und ist nun für 2026 vorgesehen. Hinzu kommen weitere Standorte wie die Gubener Plastinate (weltweit führend in der Plastination). Diese Industriebasis ist deutlich breiter als die der kreisfreien Stadt Cottbus, deren Wirtschaft zu 89,3 Prozent aus Dienstleistungsbereichen besteht.
Aber die Demografie zeigt das Gegenteil
Beim Wanderungssaldo der 25- bis 30-Jährigen entwickelt sich Oder-Spree zwischen 2022 und 2024 dramatisch: minus 93,0 pro 1.000 Einwohner dieser Altersgruppe. Das ist Rang 398 von 400 Regionen – damit verlieren nur zwei Kreise in ganz Deutschland mehr junge Erwachsene als Oder-Spree. In Spree-Neiße liegt der Wert bei minus 36,8 – Rang 358. Der Bundesdurchschnitt: minus 18,8. Beide Kreise verlieren also überdurchschnittlich viele junge Erwachsene.
Im Themenbereich Lebensqualität ist das Bild ähnlich. Oder-Spree erreicht hier im Dynamikvergleich Rang 381 von 400. Bei der Ärztedichte verliert der Kreis 5,1 Ärzte je 100.000 Einwohner – während der Bundesschnitt um 2,6 zulegt (Rang 361). Spree-Neiße kommt in der Lebensqualität-Dynamik auf Rang 216, schneidet im Einzelindikator Straftaten aber besonders schwach ab: Die Zahl der erfassten Fälle ist um 235 je 100.000 Einwohner gestiegen – während der Bundesschnitt um 374 zurückgeht. Das ergibt Rang 367 bundesweit.
Hinzu kommt die demografische Langzeitperspektive. Spree-Neiße hatte am 31. Dezember 1991 noch 150.875 Einwohner. Bis 2000 sank die Zahl moderat auf 148.700, bis 2024 dann deutlich auf 109.635 – ein Rückgang um 27 Prozent in 33 Jahren. Die Bevölkerungsdichte liegt mit 66 Einwohnern je Quadratkilometer mittlerweile bei einer der niedrigsten in Brandenburg. Der wirtschaftliche Erfolg der Industriestandorte konnte den Bevölkerungsschwund nicht stoppen.
Das Cottbus-Paradox in zwei Varianten
Beide Kreise zeigen damit ein Muster, das in der bisherigen Berichterstattung zum IW-Ranking nicht aufgegriffen wurde: Wirtschaftliche Einzelindikatoren ziehen kräftig an, demografische und Lebensqualität-Indikatoren entwickeln sich gegenläufig. Eine direkte Erklärung dafür liefert das IW-Modell nicht. Plausibel ist aber, dass beide Kreise Großinvestitionen erleben, die nicht in vollem Umfang vor Ort ankommen.
Für Spree-Neiße gilt: Die Stadt Cottbus, die der Kreis vollständig umschließt, zieht im selben Dynamikranking 2022–2024 als einzige Brandenburger Lausitz-Region junge Erwachsene aktiv an (Wanderungssaldo 25–30: +5,7, Rang 26). Wer im LEAG-Werk Jänschwalde oder in Schwarze Pumpe arbeitet, wohnt häufig in Cottbus – nicht im SPN-Kreisgebiet. Steuerkraft fließt in die LEAG-Standortgemeinden, Bevölkerung und Lebensqualität-Effekte aber in die kreisfreie Stadt. Die Details zur Cottbuser Entwicklung haben wir im Artikel LEAG und Bahnwerk treiben Cottbus‘ Steuerkraft aufgeschlüsselt.
Für Oder-Spree gilt: Die Tesla-Ansiedlung in Grünheide bringt Arbeitsplätze, treibt aber zugleich Mieten und Bodenpreise. Belastbare regionale Daten zu Tesla-Wohnort-Verteilung der Beschäftigten liegen nicht öffentlich vor. Klar ist: Der starke Steuerkraft-Effekt verbindet sich nicht mit einer Verbesserung bei Ärztedichte, Lebensqualität oder Zuzug Jüngerer.
Tourismus boomt – aber Lebensqualität misst etwas anderes
Auf den ersten Blick wirkt der IW-Befund zur Lebensqualität widersprüchlich zur Tourismuswirtschaft. Spreewald und Seenland Oder-Spree gehörten 2025 zu den beiden meistbesuchten Reiseregionen Brandenburgs – der Spreewald über viele Jahre regelmäßig auf Platz eins, das Seenland Oder-Spree 2025 erstmals knapp davor. Nach Angaben des Amtes für Statistik Berlin-Brandenburg verzeichnete das Seenland Oder-Spree 2025 rund 2,13 Millionen Übernachtungen (–0,4 Prozent gegenüber 2024), der Spreewald 2,10 Millionen (–5,5 Prozent). Jede dritte Brandenburger Übernachtung wurde in einer dieser beiden Regionen gebucht. Wirtschaftlich profitieren beide Kreise also messbar vom Tourismus – Spree-Neiße über den Spreewald, Oder-Spree über das Seenland Oder-Spree und den Scharmützelsee-Raum.
Der IW-Indikator Lebensqualität misst aber nicht touristische Attraktivität, sondern alltagsrelevante Kriterien für die ansässige Bevölkerung: Straftaten, private Überschuldung, naturnahe Flächen, Wanderungssalden, Ärztedichte und Baugenehmigungen. In genau diesen Bereichen schneiden Spree-Neiße und Oder-Spree in der Dynamik 2022 bis 2024 unterdurchschnittlich ab. Die Tourismuswirtschaft kann das Gesamtbild nicht drehen, weil sie nicht zu den IW-Indikatoren gehört. Das relativiert den Befund nicht, sondern präzisiert ihn: Beide Kreise sind attraktive Reiseziele, aber gemessen an Indikatoren für die Lebensqualität der Einwohner zeigen sich strukturelle Probleme.
Tesla bringt Pendler – aber kaum neue Einwohner
Wie groß der Sog der Tesla-Gigafactory ist, zeigt die Pendlerrechnung 2024 des Amtes für Statistik Berlin-Brandenburg. Nach Grünheide pendelten 15.931 Personen ein. Die Einpendelquote der Gemeinde lag bei 93,7 Prozent – damit gehört Grünheide zu den drei Brandenburger Gemeinden mit den höchsten Einpendelquoten überhaupt. Zum Vergleich: Cottbus erreichte als bedeutendster Arbeitsplatzstandort der Lausitz 27.807 Einpendler bei einer Auspendelquote von nur 32,2 Prozent.
Diese Zahlen erklären den Befund aus dem IW-Ranking. Tesla schafft Arbeitsplätze im Kreis Oder-Spree, aber die Beschäftigten wohnen ganz überwiegend nicht in Grünheide oder Umgebung. Sie pendeln aus Berlin, aus dem östlichen Speckgürtel und teilweise auch aus Polen ein. Im Wanderungssaldo des Kreises Oder-Spree taucht der Tesla-Boom damit nicht als Zuzug auf. Im Gegenteil: Steigende Immobilienpreise wirken offenbar abschreckend.
Ein zweiter Datenpunkt unterstreicht das. Der Grundstücksmarktbericht 2025 des Gutachterausschusses Oder-Spree dokumentiert für den berlinnahen Raum, zu dem auch Grünheide gehört, einen massiven Preisrückgang. Die Bodenpreis-Indexreihe für die Gemarkungen Schöneiche, Woltersdorf, Erkner, Gosen und Grünheide erreichte 2022 mit 112,4 Punkten ihren Höchstwert und fiel bis 2025 auf 81,2 Punkte – ein Rückgang um 27,8 Prozent. Der unmittelbare Tesla-Schock zwischen 2020 und 2022 hat die Preise im Berliner Umland in die Höhe getrieben, seither normalisieren sie sich auf einem deutlich niedrigeren Niveau.
Demografische Prognose: Lausitz schrumpft weiter
Die Bevölkerungsvorausberechnung 2024–2040 des Amtes für Statistik Berlin-Brandenburg, vorgestellt im September 2025, prognostiziert für drei der vier von uns betrachteten brandenburgischen Lausitz-Landkreise erhebliche Verluste bis 2040. Oberspreewald-Lausitz dürfte demnach rund 13 Prozent seiner Bevölkerung verlieren, Elbe-Elster und Spree-Neiße ähnlich. Im Jahr 2024 verloren die Kreise Elbe-Elster, Oberspreewald-Lausitz, Oder-Spree, Ostprignitz-Ruppin, Prignitz, Spree-Neiße und die Uckermark mehrere Hundert Bewohnerinnen und Bewohner. Cottbus dürfte bis 2040 nur 2,5 Prozent verlieren – also deutlich weniger als die umliegenden Landkreise.
Das passt zum Befund aus dem IW-Ranking: Während sich der Strukturwandel wirtschaftlich an einzelnen Standorten manifestiert – Tesla in Grünheide, LEAG in Spree-Neiße, BASF in Schwarzheide – läuft die demografische Entwicklung gegen den wirtschaftlichen Erfolg. Die jungen Erwachsenen ziehen in die Städte, vor allem nach Cottbus, Berlin und Leipzig. Die Landkreise selbst altern und schrumpfen.
Ärzteversorgung: Spree-Neiße steht vor einer großen Welle
Eine eigene Dimension der Strukturschwäche zeigt sich bei der ärztlichen Versorgung. Nach Daten der Landesärztekammer Brandenburg waren am 31. Dezember 2025 in Spree-Neiße 270 Ärztinnen und Ärzte berufstätig – 85 Personen davon waren 60 Jahre oder älter. Das entspricht 31,5 Prozent und liegt damit nach Elbe-Elster (32,9 Prozent) und Oberspreewald-Lausitz (30,0 Prozent) auf dem dritten Platz unter den von uns betrachteten Brandenburger Lausitz-Kreisen. In Oder-Spree liegt der Anteil mit 21,2 Prozent dagegen deutlich niedriger.
Beim IW-Indikator Ärztedichte erreicht Spree-Neiße im Niveau 132 Ärzte je 100.000 Einwohner (Rang 371, Bundesschnitt: 183). Wenn in den kommenden fünf bis zehn Jahren rund ein Drittel der heute aktiven Ärzteschaft altersbedingt ausscheidet, dürfte sich dieser Wert weiter verschlechtern. Bei nur 73 niedergelassenen Ärzten im Kreis fällt der Effekt umso stärker ins Gewicht. Oder-Spree steht mit 156 60+-Ärzten im absoluten Wert zwar vor einer größeren Welle, hat aber durch eine breitere Basis von 451 Krankenhausärzten – darunter Schwerpunktversorger wie das Helios-Klinikum in Bad Saarow – mehr Versorgungsstrukturen, die den Übergang abfedern können.
Die Medizinische Universität Lausitz – Carl Thiem in Cottbus, gegründet am 1. Juli 2024, soll die regionale Versorgungslücke mittelfristig schließen helfen. Erste Studierende beginnen ihr Studium im Oktober 2026, im Vollausbau sollen bis zu 200 Mediziner pro Jahrgang ausgebildet werden. Bis ausgebildete Ärzte aus dieser Universität in die Versorgung kommen, vergehen aber mindestens sechs Jahre. In der Zwischenzeit dürfte die Lücke zwischen Cottbus und den umliegenden Landkreisen weiter wachsen.
Beide Kreise: hohe Steuerkraft, aber unterdurchschnittliches Niveau
Im Niveauranking 2026 liegt Spree-Neiße auf Rang 262 von 400, Oder-Spree auf Rang 219. Damit gehören beide Kreise zum unteren Mittelfeld der 400 deutschen Regionen. Die positiven Dynamikwerte starten von einem niedrigen Niveau aus: Bei der Ärztedichte liegt Spree-Neiße im Niveau mit 132 Ärzten je 100.000 Einwohner auf Rang 371, Oder-Spree mit 151 auf Rang 279 (Bundesschnitt: 183). Beim Altersquotienten erreicht Spree-Neiße mit 1,0 sogar Rang 398 – die Region hat eine der ältesten Bevölkerungsstrukturen Deutschlands.
Hinzu kommt eine Sondersituation in Spree-Neiße: Die Gewerbesteuerhebesätze wurden zwischen 2022 und 2024 um 20 Prozentpunkte erhöht. Im Bundesschnitt liegt der Anstieg bei 4 Prozentpunkten. Damit gehört Spree-Neiße bei der Hebesatz-Erhöhung zu den Schlusslichtern Deutschlands (Rang 385). Ein möglicher Hintergrund: Kommunale Vorbereitung auf den Wegfall der Kohleabgaben nach 2038. Die IW Consult ordnet diese Bewegung in der Sonderauswertung für Spree-Neiße nicht weiter ein.
Methodischer Hinweis: Langzeit ≠ Dynamik
In früheren Veröffentlichungen wurde Spree-Neiße mit „+60 Plätzen seit 2016″ als Aufsteiger geführt. Dieser Befund stammt aus dem Vergleich der Niveau-Gesamtplatzierungen zwischen 2016 und 2026. Frau Dr. Vanessa Hünnemeyer, Senior Manager bei der IW Consult, weist in einer schriftlichen Stellungnahme gegenüber Niederlausitz aktuell darauf hin: Die IW hat für diesen Langzeitvergleich keine vertiefte Auswertung vorgenommen. „Von dem einen kann man nicht auf das andere schließen“, heißt es zu der Beziehung zwischen Langzeitvergleich und dem aktuellen Dynamikranking 2022–2024.
Im aktuellen Dynamikranking liegt Spree-Neiße auf Rang 258, Oder-Spree auf Rang 363. Oder-Spree gehört damit zu den 40 schwächsten Regionen Deutschlands in der jüngsten Entwicklung.
So funktioniert das IW-Ranking
Das IW-Regionalranking untersucht, warum manche Regionen erfolgreicher sind als andere. Berücksichtigt werden 14 Kriterien aus den Bereichen Wirtschaft, Arbeitsmarkt und Lebensqualität, die nach einer statistischen Vorab-Analyse Kaufkraft und Arbeitslosigkeit beeinflussen. Die 14 Indikatoren gehen nicht gleichgewichtet in die Berechnung ein. Die Themenbereiche werden unterschiedlich stark berücksichtigt – Lebensqualität mit 49 Prozent, Wirtschaftsstruktur mit 35 Prozent und Arbeitsmarkt mit 16 Prozent.
Indikator im Fokus: Wanderungssaldo der 25- bis 30-Jährigen
Der Wanderungssaldo erfasst die Differenz zwischen Zuzügen und Fortzügen pro 1.000 Einwohner einer Altersgruppe. Bei den 25- bis 30-Jährigen liegt der Bundesdurchschnitt im Dynamikvergleich 2022–2024 bei minus 18,8 – also Abwanderung über alle Regionen hinweg. Oder-Spree erreicht hier minus 93,0 (Rang 398), Spree-Neiße minus 36,8 (Rang 358). Im selben Zeitraum verzeichnet die Stadt Cottbus einen Zuwachs von 5,7 und liegt damit auf Rang 26 bundesweit.
FAQ zum IW-Regionalranking 2026
Wenn die Steuerkraft so stark wächst, warum ist das Ranking dann nicht besser?
Die gemeindliche Steuerkraft fließt in den Themenbereich Wirtschaftsstruktur ein, der mit 35 Prozent gewichtet wird. Der Themenbereich Lebensqualität, der demografische und soziale Indikatoren enthält, geht mit 49 Prozent in das Gesamtranking ein. Schwache Werte bei Wanderung, Ärztedichte und Straftaten kompensieren in beiden Kreisen die starken Steuerkraft-Werte.
Warum verliert Oder-Spree so viele 25- bis 30-Jährige?
Eine konkrete Erklärung liefert das IW-Ranking nicht. Der Befund ist allerdings deutlich: Mit minus 93,0 je 1.000 Einwohner liegt Oder-Spree bundesweit auf Rang 398. Ergänzende Daten zeigen, dass Tesla zwar 15.931 Pendler nach Grünheide bringt (Einpendelquote 93,7 Prozent), die Beschäftigten aber überwiegend nicht im Kreis wohnen. Steigende Immobilienpreise im Berliner Umland 2020–2022 dürften zudem viele jüngere Wohnungssuchende abgeschreckt haben. Die Bodenpreise dort sind inzwischen wieder um 27,8 Prozent gesunken.
Was bedeutet das für die Lausitz-Strategie?
Wir berichten ausführlicher über das Verhältnis zwischen Cottbus und den umliegenden Kreisen im Übersichtsartikel zum Brandenburger Lausitz-Vergleich. Die Sonderauswertungen aller fünf Brandenburger Lausitz-Kreise zeigen ein konsistentes Muster: Nur Cottbus zieht junge Erwachsene an, die Umlandkreise verlieren – jeder in seiner eigenen Konstellation.
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