Cottbus hat zwischen 2022 und 2024 seine gemeindliche Steuerkraft um 316 Euro pro Einwohner gesteigert. Damit liegt die Stadt im Dynamikvergleich des IW-Regionalrankings 2026 bundesweit auf Rang 7 von 400 Regionen. Das geht aus der Sonderauswertung der IW Consult für Cottbus hervor.
Serie: Das IW-Regionalranking 2026 und die Lausitz
Dieser Beitrag ist Teil 2 unserer 14-teiligen Serie, in der Niederlausitz aktuell das IW-Regionalranking 2026 für die Regionen Südbrandenburgs und der sächsischen Lausitz aufschlüsselt. Niederlausitz aktuell hat dafür Sonderauswertungen bei der IW Consult angefordert, mit Mit-Autorin Dr. Vanessa Hünnemeyer Rücksprache zur Methodik gehalten und die Daten mit eigenen Recherchen verknüpft. Bis zum Abschluss der Serie erscheinen neue Teile montags und donnerstags. Alle Teile sind in unserer Übersicht IW-Regionalranking 2026 versammelt.
Plus 316 Euro pro Einwohner in zwei Jahren
Im aktuellen Niveauranking liegt die gemeindliche Steuerkraft in Cottbus bei 1.125 Euro pro Einwohner – knapp unter dem Bundesdurchschnitt von 1.172 Euro. Im Niveauvergleich erreicht die Stadt damit Rang 202 von 400. Deutlich kraftvoller ist die Bewegung in der Dynamik: Der bundesweite Durchschnitt verbesserte sich zwischen 2022 und 2024 um 70 Euro pro Einwohner, Cottbus legte um 316 Euro zu. Damit erreicht die Stadt im Dynamikvergleich Rang 7 und gehört zu den zehn Regionen Deutschlands mit dem stärksten Steuerkraft-Zuwachs.
Drei der vier Brandenburger Lausitz-Regionen schaffen es in die bundesweite Top 10 bei der Steuerkraft-Dynamik. Cottbus liegt zwischen Spree-Neiße auf Rang 4 und Dahme-Spreewald auf Rang 8.
| Rang | Region | Dynamik 2022–24 |
|---|---|---|
| 1 | LK Tirschenreuth | +1.204 € |
| 4 | LK Spree-Neiße | +352 € |
| 7 | Cottbus | +316 € |
| 8 | LK Dahme-Spreewald | +311 € |
| 35 | LK Oder-Spree | +182 € |
| 129 | LK Elbe-Elster | +102 € |
| 141 | LK Oberspreewald-Lausitz | +98 € |
| – | Bundesdurchschnitt | +70 € |
Gemeindliche Steuerkraft-Dynamik 2022–2024 in Euro pro Einwohner. Quelle: IW-Sonderauswertungen für die Brandenburger Lausitz-Regionen, IW Consult 2026.
Die gemeindliche Steuerkraft erfasst die Summe aus Grundsteuer A und B, Gewerbesteuer und kommunalem Anteil an Einkommen- und Umsatzsteuer, abzüglich der Gewerbesteuerumlage, pro Einwohner. Sie ist nach Angaben der IW Consult einer der zentralen Erfolgsindikatoren im Themenbereich Wirtschaftsstruktur – Gewerbesteuer ist grundsätzlich die wichtigste kommunale Einnahmequelle.
LEAG bleibt zentraler Faktor – Bahnwerk noch im Aufbau
Die hohe Bedeutung der LEAG für Cottbus‘ Steuerkraft entstammt nach Angaben von Dr. Vanessa Hünnemeyer, Senior Manager bei der IW Consult, einer Einschätzung der örtlichen Wirtschaftsförderung, mit der die IW Consult die Datenlage vor Veröffentlichung der Studie diskutiert hat. Detaillierte Informationen zu konkreten Gewerbesteuerzahlungen einzelner Unternehmen liegen der IW Consult nicht vor – diese sind in der amtlichen Statistik nicht öffentlich aufgeschlüsselt.
Klar ist nach Selbstdarstellung der Stadt Cottbus, dass das Bahn-Instandhaltungswerk im Aufbau über Lohn- und Einkommensteuer-Anteile zusätzlich zur kommunalen Finanzkraft beiträgt. Projektleiter Carsten Burmeister hat im NL-Videotalk vom 25. Februar 2026 den Zeitplan konkretisiert: Die bauliche Gesamtfertigstellung der 526 Meter langen Revisionshalle 1 ist für Ende 2026 vorgesehen, im Januar 2027 folgt ein Testbetrieb, ab Februar 2027 läuft der reguläre Revisionsbetrieb für ICE-4-Züge. Die volle Wirkung auf die Steuerkraft dürfte sich daher erst in der IW-Erhebung 2028 zeigen, wenn alle bis zu 1.200 Arbeitsplätze besetzt sind.
Themenbereich Wirtschaftsstruktur: Rang 6 in der Dynamik
Über den Einzelindikator hinaus zeigt sich auch im gesamten Themenbereich Wirtschaftsstruktur ein starkes Bild für Cottbus. Im Dynamikvergleich erreicht die Stadt hier Rang 6 von 400 Vergleichsregionen. Neben der Steuerkraft tragen vor allem die wissensintensiven Dienstleistungen zu diesem Wert bei: Ihr Anteil ist um 2,1 Prozentpunkte auf 51,5 Prozent gestiegen – nahezu doppelt so hoch wie der Bundesdurchschnitt von 33,6 Prozent. Auch der Anteil hochqualifizierter Beschäftigter ist mit einem Plus von 1,7 Prozentpunkten überdurchschnittlich gewachsen.
Kaufkraft und Wirtschaftsstruktur bestätigen das Bild
Eine zweite, unabhängige Datenquelle untermauert den IW-Befund. Der Grundstücksmarktbericht 2024 des Gutachterausschusses für Grundstückswerte in der Stadt Cottbus weist die Kaufkraft je Einwohner für 2024 mit 25.476 Euro aus – das entspricht einem Kaufkraftindex von 91,2 gegenüber dem Bundesschnitt von 100. Cottbus liegt damit zwar weiterhin unter dem deutschen Durchschnitt, holt aber gegenüber dem Vorjahr mit einer Wachstumsrate von 3,4 Prozent pro Kopf deutlich auf. Die Gesamtkaufkraft der Stadt erreichte 2,53 Milliarden Euro. Der Wert basiert auf Erhebungen der Michael Bauer Research GmbH und ist eine andere Methodik als die im IW-Modell verwendete Steuerkraft, zeigt aber in eine vergleichbare Richtung: Die wirtschaftliche Substanz der Stadt nimmt zu.
Auch die Wirtschaftsstruktur in den amtlichen Daten passt zum IW-Befund einer wissensintensiven Dienstleistungsstadt. Nach Daten der Bundesagentur für Arbeit, ausgewertet im Grundstücksmarktbericht, entfallen 89,3 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Cottbus auf Dienstleistungsbereiche – darunter 45,8 Prozent auf öffentliche und private Dienstleister, 22,7 Prozent auf Unternehmensdienstleister und 20,8 Prozent auf Handel, Verkehr und Gastgewerbe. Das Produzierende Gewerbe macht nur 10,6 Prozent aus. Die LEAG und das geplante Bahnwerk gehören damit zu einer eher schmalen industriellen Basis, deren Steuerwirkung allerdings überproportional ausfällt.
Dr. Vanessa Hünnemeyer von der IW Consult ordnet ein, dass sich Cottbus im Strukturaufbauprozess befinde. Eine konkrete Quantifizierung, welchen Anteil einzelne Unternehmen wie LEAG oder einzelne Einrichtungen wie das Bahnwerk an den Indikator-Werten haben, sei aus der Statistik nicht ableitbar.
Cottbus‘ Bürgermeisterin Doreen Mohaupt verweist im Video-Interview mit Niederlausitz aktuell auf die Wirkung der gestiegenen Steuerkraft: „Das hat unter anderem natürlich auch mit zur Entlastung auch im kommunalen Haushalt geführt.“
So funktioniert das IW-Ranking
Das IW-Regionalranking untersucht, warum manche Regionen erfolgreicher sind als andere. Berücksichtigt werden 14 Kriterien aus den Bereichen Wirtschaft, Arbeitsmarkt und Lebensqualität, die Kaufkraft und Arbeitslosigkeit beeinflussen. Wichtig: Die Indikatoren gehen nicht gleichgewichtet in die Berechnung ein. Die Themenbereiche werden auf Basis statistischer Analyse unterschiedlich stark berücksichtigt – Lebensqualität mit 49 Prozent, Wirtschaftsstruktur mit 35 Prozent und Arbeitsmarkt mit 16 Prozent.
Indikator im Fokus: Gemeindliche Steuerkraft
Die gemeindliche Steuerkraft erfasst die Summe aus Grundsteuer, Gewerbesteuer und kommunalem Anteil an Einkommen- und Umsatzsteuer pro Einwohner. Cottbus liegt im Niveauranking 2026 mit 1.125 Euro pro Einwohner knapp unter dem Bundesdurchschnitt, hat aber in zwei Jahren um 316 Euro zugelegt – Rang 7 bundesweit im Dynamikvergleich. Bestwert in Deutschland: der Landkreis Tirschenreuth mit einem Plus von 1.204 Euro.
FAQ zum IW-Regionalranking 2026
Was bedeutet gemeindliche Steuerkraft?
Sie zeigt, wie viel eine Kommune pro Einwohner an wesentlichen Steuern erzielt – darunter Gewerbesteuer, Grundsteuer und Anteile an Einkommen- und Umsatzsteuer. Eine hohe Steuerkraft erweitert die finanziellen Spielräume für Investitionen.
Welche Rolle spielt die LEAG für Cottbus?
Die hohe Bedeutung der LEAG für die Cottbuser Steuerkraft entstammt einer Einschätzung der örtlichen Wirtschaftsförderung. Die IW Consult hat ihre Datenlage vor Veröffentlichung der Studie mit ihren Gesprächspartnern in Cottbus abgestimmt. Detaillierte Zahlen zu Gewerbesteuerzahlungen einzelner Unternehmen liegen nicht öffentlich vor.
Wann zeigt sich die Wirkung des Bahn-Instandhaltungswerks?
Projektleiter Carsten Burmeister nennt im NL-Videotalk Ende 2026 als geplante bauliche Gesamtfertigstellung von Halle 1. Im Januar 2027 folgt ein Testbetrieb, ab Februar 2027 läuft der reguläre Revisionsbetrieb. Voll wirksam wird die Beschäftigung – und damit die Lohn- und Einkommensteuer-Anteile für die Stadt – nach Besetzung aller geplanten 1.200 Arbeitsplätze. Effekte in der nächsten IW-Erhebung 2028 sind nach Einschätzung der IW Consult zu erwarten.
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Quellen: Ewald/Hünnemeyer/Kempermann (2026): Zwischen Krisen und Chancen. Ergebnisse des IW-Regionalrankings 2026. IW-Report 23/2026, Köln. Sonderauswertung für Cottbus, Kreisfreie Stadt. Gutachterausschuss für Grundstückswerte in der Stadt Cottbus/Chóśebuz (2025): Grundstücksmarktbericht 2024, Cottbus. Niederlausitz aktuell (2026): NL-Videotalk mit Projektleiter Carsten Burmeister zum ICE-Instandhaltungswerk Cottbus, 25. Februar 2026.
Red. / Presseinformation






