In Brandenburg wären im vergangenen Jahr rund 21,4 Prozent der vollstationären Krankenhausfälle grundsätzlich auch ambulant behandelbar gewesen. Das sind etwa 126.000 Fälle. Das geht aus dem erweiterten Versorgungskompass der BARMER hervor, den die Krankenkasse am 2. November vorgestellt hat.
Der Anteil zählt nach Angaben der BARMER zu den höchsten Werten in Deutschland. In Berlin lag er bei 19,8 Prozent oder rund 136.000 Fällen. Bundesweit wären knapp 3,5 Millionen Krankenhausfälle ambulant möglich gewesen, der Bundesschnitt liegt bei 20,2 Prozent. 2019 waren es noch 24 Prozent oder gut 4,5 Millionen Fälle. Den höchsten Anteil unter den Ländern haben Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern mit jeweils rund 21,9 Prozent.
Elbe-Elster mit geringem Anteil im Land Brandenburg
Für Brandenburg reichen die Daten bis auf die Ebene der Landkreise und kreisfreien Städte. Den geringsten Anteil ambulant behandelbarer Krankenhausfälle haben demnach Potsdam mit 19,7 Prozent und der Landkreis Elbe-Elster mit 19,9 Prozent. Den höchsten Wert im Land weist Oberhavel mit 23,5 Prozent aus. Werte für die übrigen Lausitzer Landkreise und Cottbus nennt die Mitteilung nicht.
„Die Zahlen für Berlin und Brandenburg machen deutlich, dass wir bei der Umsetzung des Prinzips ‚ambulant vor stationär‘ noch längst nicht am Ziel sind“, sagt Gabriela Leyh, Landesgeschäftsführerin der BARMER in Berlin und Brandenburg. Als ambulantisierbar gelten Eingriffe, die häufig stationär erfolgen, aber auch ambulant möglich wären, etwa bestimmte Eingriffe am Grauen Star, Arthroskopien oder kleinere chirurgische Maßnahmen. Voraussetzung ist, dass keine medizinischen Gründe wie Gebrechlichkeit oder komplexe Begleiterkrankungen dagegen sprechen.
Brandenburg über dem Bundesschnitt bei vermeidbaren Fällen
Der Versorgungskompass erfasst zudem sogenannte ambulant-sensitive Krankenhausfälle. Das sind Klinikaufenthalte, die bei rechtzeitiger ambulanter Versorgung oder besserer Vorbeugung möglicherweise vermeidbar gewesen wären, etwa bei Diabetes, Herzschwäche, schwerem Bluthochdruck oder Asthma. In Brandenburg wurden 2025 rund 6.103 solcher Fälle je 100.000 Einwohner gezählt, in Berlin 4.763. Der Bundesschnitt liegt bei 5.596 Fällen.
VollzeitOberarzt (m/w/d) interventionelle KardiologieMedizinische Universität Lausitz – Carl Thiem · CottbusZur Stelle →Alle 398 Stellen in Südbrandenburg →Leyh verweist auf die längeren Wege im Flächenland. „Ambulantisierung darf nicht bedeuten, Leistungen lediglich aus dem Krankenhaus zu verlagern. Patientinnen und Patienten müssen auch tatsächlich Zugang zu einer leistungsfähigen ambulanten Versorgung haben“, sagt sie. Die BARMER fordert unter anderem eine faire Vergütung und eine engere Zusammenarbeit von Kliniken und Praxen. Zuletzt hatte die Kasse gefordert, die Krankenhausplanung im Land stärker an der Qualität auszurichten (wir berichteten). Die Daten sind im Versorgungskompass der BARMER abrufbar.
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Red. / Presseinformation










