Wenn Beschäftigte psychisch erkranken, sind viele Arbeitgeber in der Lausitz unsicher. Das berichtet der Integrationsfachdienst in Cottbus. Gleichzeitig wächst in den Betrieben das Bewusstsein für seelische Gesundheit, die Nachfrage nach Schulungen und Beratung steigt.
Ausfälle, Unsicherheit und mehr Aufwand
„Psychische Erkrankungen stellen für viele Arbeitgeber in unserer Region nach wie vor eine besondere Herausforderung dar“, sagt Marion Haufe, Geschäftsführerin des Cottbuser Vereins Macht los, der den Integrationsfachdienst betreibt. „Hinzu kommt bei vielen Arbeitgebern, Führungskräften und Vorgesetzten eine gewisse Unsicherheit im Umgang mit betroffenen Beschäftigten.“
Integrationsfachdienst wird deutlich mehr genutzt
Zugleich beobachtet Haufe einen Wandel. „Das Bewusstsein für psychische Gesundheit am Arbeitsplatz wächst, ebenso die Bereitschaft, geeignete Unterstützungs- und Hilfsangebote in Anspruch zu nehmen. Entsprechend steigt die Nachfrage nach Schulungen, Weiterbildungsmaßnahmen und fachlicher Beratung.“ Die Beratung des Integrationsfachdienstes werde deutlich mehr genutzt. Anders als manche andere Hilfe ist sie nach Angaben von Haufe uneingeschränkt finanziert, die Grundlage ist das Sozialgesetzbuch.
Was das Trainingszentrum Arbeitgebern rät
Das SRH Berufliche Trainingszentrum in Cottbus, das Menschen nach psychischer Erkrankung auf den Beruf vorbereitet, empfiehlt Arbeitgebern klare Absprachen, eine verlässliche Ansprechperson und regelmäßige Gespräche. Beraten werden Arbeitgeber dort auch zu Eingliederungszuschüssen. „Eine psychische Erkrankung sagt allein wenig darüber aus, welche Fähigkeiten und beruflichen Erfahrungen ein Mensch mitbringt“, heißt es dort.
Unternehmen beim Gesundheitsmanagement gespalten
Wie Unternehmen das Thema sehen, zeigt eine Blitzumfrage der Industrie- und Handelskammern in Berlin und Brandenburg von Ende Juli zur Gesundheitspolitik, die nicht speziell nach seelischer Gesundheit fragte. Von 96 Unternehmen, darunter 40 aus dem Bezirk der IHK Cottbus, sehen 38 Prozent beim betrieblichen Gesundheitsmanagement keinen zusätzlichen Unterstützungsbedarf, 32 Prozent wünschen sich vor allem mehr Präventionsangebote. Anfang 2027 will die IHK Cottbus eine Webinarreihe „Gesunde Mitarbeitende“ anbieten, gemeinsam mit Rentenversicherung, Berufsgenossenschaft, Krankenkasse und Unternehmen. Wer akut Hilfe braucht, erreicht die Telefonseelsorge rund um die Uhr, anonym und kostenfrei unter 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222. Im Notfall gilt die 112.
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