Keine Gemeinde in Brandenburg verlangt bei der Grundsteuer B einen höheren Hebesatz als Lübbenau/Spreewald. 610 Prozent stehen dort seit der Reform zu Buche. Vier der zehn höchsten Sätze im Land liegen in der Lausitz.
610 Prozent: Spitzenwert unter 413 Gemeinden
Das Amt für Statistik Berlin-Brandenburg hat den Realsteuervergleich für das Jahr 2025 vorgelegt – die jährliche Aufstellung, in der für jede der 413 Brandenburger Gemeinden Hebesätze und Steueraufkommen stehen. Wir haben die Tabelle für die Region ausgewertet.
An der Spitze steht Lübbenau/Spreewald mit 610 Prozent. Dahinter folgen Frankfurt (Oder) mit 608 und Jüterbog mit 590 Prozent. Auf Rang vier liegt bereits wieder eine Stadt aus der Region: Elsterwerda mit 580 Prozent. Cottbus kommt auf 540, Guben auf 530, Bad Liebenwerda auf 520 und Doberlug-Kirchhain auf 510 Prozent.

Warum der Hebesatz allein nichts aussagt
2025 war das erste Jahr, in dem die reformierte Grundsteuer galt. Die Finanzämter haben dabei sämtliche Grundstücke neu bewertet und die Messbeträge neu berechnet. Weil diese Messbeträge in Brandenburg im Schnitt deutlich gestiegen sind, mussten die Gemeinden ihre Hebesätze senken, wenn sie am Ende dasselbe einnehmen wollten.
Genau das zeigt der Landeswert: Der gewogene Durchschnittshebesatz in Brandenburg fiel von 417 auf 318 Prozent. Ein Hebesatzvergleich über die Reform hinweg führt deshalb in die Irre – aussagekräftig ist nur, was am Ende tatsächlich in die Kassen fließt.
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Landesweit blieb das Aufkommen fast gleich
Dieser Wert ist bemerkenswert unauffällig. Brandenburgweit nahmen die Gemeinden 2025 bei der Grundsteuer B 281,8 Millionen Euro ein, umgerechnet 110 Euro je Einwohner. Im Jahr zuvor waren es 112 Euro. Macht ein Minus von 1,8 Prozent – die Reform war unter dem Strich also etwa aufkommensneutral, so wie es angekündigt worden war.
In Cottbus stieg der Hebesatz von 500 auf 540 Prozent, das Aufkommen je Einwohner sank trotzdem leicht von 140 auf 136 Euro. In Forst (Lausitz) ging es beim Hebesatz von 405 auf 460 Prozent hinauf, bei den Einnahmen je Einwohner dagegen hinunter.
In Lübbenau stieg die Belastung wirklich
Eine Gemeinde fällt aus diesem Muster deutlich heraus. In Lübbenau kletterte das Grundsteuer-B-Aufkommen von 122 auf 165 Euro je Einwohner – ein Plus von knapp 35 Prozent und der stärkste Zuwachs unter allen Gemeinden der Region. Der Hebesatz stieg dort zugleich von 460 auf 610 Prozent. Hier hat die Stadt die Reform also nicht nur nachvollzogen, sondern zusätzlich zugelangt.
Deutlich nach oben ging es beim Aufkommen je Einwohner auch in Hohenbucko und Lauchhammer mit jeweils gut 23 Prozent. In die andere Richtung liefen Tschernitz, Grünewald und Ruhland, wo die Einnahmen um mehr als ein Drittel schrumpften.
Am günstigsten wohnt es sich in Kolkwitz
Am unteren Ende der regionalen Tabelle steht Kolkwitz mit 330 Prozent, gefolgt von Schipkau mit 350, Drebkau mit 380, Vetschau/Spreewald mit 383 und Senftenberg mit 385 Prozent. Zwischen Kolkwitz und Lübbenau liegen damit 280 Prozentpunkte – bei zwei Orten, die keine 30 Kilometer trennen.
Auf Kreisebene verlangt Elbe-Elster im gewogenen Durchschnitt 436 Prozent, Oberspreewald-Lausitz 435 und Spree-Neiße 403 Prozent. Dahme-Spreewald kommt auf 248 Prozent – ein Wert, den der Berliner Speckgürtel drückt: In Königs Wusterhausen fiel der Hebesatz von 415 auf 210 Prozent, in Bestensee von 420 auf 200, in Schulzendorf sogar von 340 auf 154.
Bei der Grundsteuer A geht es ums Ackerland
Die zweite, kleinere Schwester wird auf land- und forstwirtschaftliche Flächen erhoben und bringt landesweit 17,6 Millionen Euro. Hier sind die Ausschläge noch größer: Guteborn verlangt 1473 Prozent, Ruhland 1300 Prozent, Teupitz 1005 Prozent. Am anderen Ende steht Heinersbrück mit 150 Prozent.
Über die Höhe entscheidet in jedem Fall die Gemeindevertretung, nicht das Land und nicht das Finanzamt. Die Grundsteuer gehört zu den wenigen Einnahmen, über die eine Kommune selbst bestimmen kann – und sie trifft über die Nebenkosten auch Mieterinnen und Mieter.
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Red. / Presseinformation
Foto: Rheinlausitzer, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0 – Grafik: NIEDERLAUSITZ aktuell








