Wir alle haben uns diese Frage mindestens einmal gestellt, während wir die Speisekarte in der Hand hielten: Ist die römische Pinsa wirklich leichter als Pizza oder haben wir uns einfach von ihrem Namen überzeugen lassen? Die Frage ist mehr als berechtigt. In den vergangenen Jahren hat sich die Pinsa praktisch überall verbreitet, und wenn etwas so schnell an Beliebtheit gewinnt, fragt man sich ganz automatisch, wie viel Wahrheit tatsächlich dahintersteckt – leider ein echter Klassiker.
Die kurze Antwort lautet: Ja. Allerdings mit einer wichtigen Einschränkung, die einiges verändert. Entscheidend ist nämlich nicht nur der Vergleich der Kalorien, sondern auch der Teig, die Wassermenge, die er aufnehmen kann, und die vielen Stunden, die er vor dem Backen ruhen und aufgehen darf.

Der Kalorienvergleich zwischen Pinsa und Pizza
Wie viele Kalorien hat eine Pinsa wirklich? Die Werte variieren von Lokal zu Lokal, denn kein Teig ist mit einem anderen identisch und jede Pinseria arbeitet nach ihrem eigenen Rezept.
Ein unbelegter Pinsa-Boden enthält ungefähr 250 bis 270 kcal pro 100 Gramm. Ein klassischer Pizzaboden kommt bei derselben Menge auf etwa 270 bis 300 kcal. Der Unterschied ist also vorhanden, doch wirklich bemerkbar macht er sich bei der Portion, die schließlich auf unserem Teller liegt. Pinsa-Teig wird mit einem sehr hohen Wasseranteil zubereitet. Das bedeutet, dass sich in dem ovalen Teigfladen bei gleichem Volumen deutlich mehr Wasser und weniger Mehl befinden. Wir essen eine ähnlich große Portion, nehmen dabei aber weniger Stärke zu uns. Und genau diesen Unterschied spüren wir, wenn wir nach dem Essen vom Tisch aufstehen.
Hinzu kommen die Mehlsorten, denn für Pinsa wird normalerweise nicht nur eine einzige verwendet. Die traditionelle Mischung besteht aus Weizen-, Reis- und Sojamehl. Das Reismehl macht den Teig leichter und sorgt für die typische knusprige Kruste, das Sojamehl liefert Struktur und Proteine, während das Weizenmehl alles zusammenhält. So entsteht ein Teig, der beim Backen weniger Öl aufnimmt und dennoch luftig bleibt.
Es gibt allerdings einen Faktor, den keine Mehlsorte ausgleichen kann: den Belag. Ein hervorragend zubereiteter Boden mit mehreren Käsesorten und reichlich Wurstwaren verändert die Kalorienbilanz innerhalb weniger Minuten. Das gilt für Pinsa genauso wie für Pizza. Die Leichtigkeit entsteht im Teig, muss aber beim Belegen bewahrt werden.
Warum die lange Gehzeit die Pinsa bekömmlicher macht
Eine römische Pinsa wird nicht innerhalb eines einzigen Tages zubereitet. Ihre Gehzeit wird vielmehr in Tagen gemessen: Die Rede ist von bis zu 72 Stunden. Während dieser Zeit beginnen Hefen und Enzyme damit, die Stärke aufzuspalten und das Glutennetz zu entspannen, noch bevor der Teig überhaupt in den Ofen kommt. Vereinfacht gesagt ist ein Teil der Verdauungsarbeit bereits erledigt.
Dazu kommt der hohe Wasseranteil, der für große Poren und eine dünne, luftige Krume sorgt. Das Ergebnis ist jenes Gefühl, nach dem Essen nicht beschwert zu sein – und genau darin liegt eines der wichtigsten Merkmale der Pinsa.
Es gibt außerdem einen ganz praktischen Grund: Wenn der Teig lange reift, nimmt er beim Backen weniger Fett auf und speichert die Feuchtigkeit besser. Dadurch kommt er außen knusprig aus dem Ofen, ohne fettig zu wirken. Wer schon einmal eine hastig zubereitete Pizza gegessen hat, deren Teig nur wenige Stunden gehen durfte, kennt den Unterschied. Das schwere Gefühl, das uns bis spät am Abend begleitet, hängt nur selten allein von den Zutaten ab, sondern häufig von der Zeit, die dem Teig gefehlt hat.
Eine notwendige Klarstellung, denn gerade bei diesem Punkt herrscht viel Verwirrung: Bekömmlicher bedeutet nicht glutenfrei. Eine lange Gehzeit kann die Verdaulichkeit verbessern, entfernt aber nicht die im Weizen enthaltenen Proteine.
So lässt sich Pinsa in eine ausgewogene Ernährung integrieren
Als Erstes sollte man die Beläge im Blick behalten, denn sie haben den größten Einfluss auf die endgültige Kalorienmenge. Saisonales Gemüse, eine gute Tomatensauce und sorgfältig abgetropfter Mozzarella: Pinsa eignet sich hervorragend für einfache Kombinationen und bringt sie besonders gut zur Geltung, weil ihr aromatischer Boden nicht von zu vielen Zutaten überdeckt werden muss. Reichhaltigere Varianten bleiben natürlich ein Genuss, sollten aber auch als das betrachtet werden, was sie sind.
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Eine Pinsa ist eine vollständige Mahlzeit mit Kohlenhydraten, Proteinen und Fetten und lässt sich problemlos in einen normalen, ausgewogenen Wochenplan einbauen. Wird sie zum Abendessen gewählt und beispielsweise mit einem Salat statt mit einer Vorspeise kombiniert, ist die Mahlzeit bereits recht ausgewogen.
Zum Schluss noch ein wichtiger Hinweis: Nährwerttabellen liefern eine Orientierung, aber keine allgemeingültige Lebensregel. Jeder Körper hat seine eigene Geschichte, seinen eigenen Stoffwechsel und individuelle Bedürfnisse, die kein Artikel vollständig berücksichtigen kann. Wer einen bestimmten Ernährungsplan verfolgt oder unsicher ist, wie Mahlzeiten zusammengestellt werden sollten, sollte daher in erster Linie den Rat einer Ernährungsfachkraft einholen.




