Sachsen ist im IW-Regionalranking 2026 das einzige Flächenland ohne eine einzige Verliererregion. Die beiden sächsischen Lausitz-Kreise Bautzen und Görlitz entwickeln sich dabei sehr unterschiedlich. Das geht aus den Rohdaten der IW Consult hervor.
Serie: Das IW-Regionalranking 2026 und die Lausitz
Dieser Beitrag ist Teil 14 unserer 14-teiligen Serie, in der Niederlausitz aktuell das IW-Regionalranking 2026 für die Regionen Südbrandenburgs und der sächsischen Lausitz aufschlüsselt. Niederlausitz aktuell hat dafür Sonderauswertungen bei der IW Consult angefordert, mit Mit-Autorin Dr. Vanessa Hünnemeyer Rücksprache zur Methodik gehalten und die Daten mit eigenen Recherchen verknüpft. Bis zum Abschluss der Serie erscheinen neue Teile montags und donnerstags. Alle Teile sind in unserer Übersicht IW-Regionalranking 2026 versammelt.
Bautzen als Aufsteiger, Görlitz als Konstante
Der Landkreis Bautzen liegt im Niveauranking 2026 auf Rang 227, im Dynamikranking auf Rang 119. Seit 2016 hat der Kreis 28 Plätze gewonnen und zählt damit nach IW-Definition zu den Gewinnerregionen. Bautzen profitiert nach öffentlich dokumentierten Entwicklungen sowohl vom Dresdner Speckgürtel im Westen als auch vom Alstom-Schienenfahrzeugbau in der Kreisstadt. Eine ausführliche Darstellung dazu im Artikel Bautzen mit Dresden im Rücken und Alstom als Motor.
Der Landkreis Görlitz dagegen kommt im Zehnjahresvergleich auf nur zwei zusätzliche Plätze und gilt damit als Konstante. Im aktuellen Niveauranking liegt er auf Rang 351 und damit unter den 50 schwächsten Regionen Deutschlands. Im Dynamikranking erreicht er Rang 257. Der Alstom-Standort wird zurückgefahren, der Rüstungskonzern KNDS übernimmt Teile des Werks. Details dazu im Artikel Görlitz: Stagnation auf niedrigem Niveau.
Sachsen ohne Verlierer – aber auch ohne Spitzenwerte
Sachsen ist nach Angaben der IW Consult das einzige Flächenland, das im Zehnjahresvergleich keine einzige Verliererregion aufweist. 76,9 Prozent der sächsischen Kreise gelten als Konstante, 23,1 Prozent als Gewinner. Damit unterscheidet sich Sachsen deutlich von Baden-Württemberg, das mit 61,4 Prozent den höchsten Anteil an Verliererregionen hat, und auch von Brandenburg, das zwar mit 77,8 Prozent den höchsten Gewinneranteil verzeichnet, gleichzeitig aber zwei Verliererregionen aufweist.
Spitzenwerte bei den Aufsteigern fehlen Sachsen dagegen. Im IW-Bundesvergleich der Top-20-Aufsteiger steht keine sächsische Region. Brandenburg ist mit Cottbus (Platz 4), Elbe-Elster (Platz 7) und Frankfurt (Oder) (Platz 9) gleich dreimal vertreten. Die sächsische Bewegung ist also breit und ausgleichend, aber wenig spektakulär.
Standort-Verschiebung im Schienenfahrzeugbau
Eine besondere Beobachtung verbindet beide sächsischen Lausitz-Kreise: Bautzen wächst in Teilen auf Kosten von Görlitz. Der Alstom-Konzern verlagert seit 2017 schrittweise Rohbau- und Endmontage-Arbeiten vom Görlitzer Werk nach Bautzen. Die Wertschöpfung im Schienenfahrzeugbau bleibt damit in der sächsischen Lausitz, verschiebt sich aber innerhalb der Region. Für Bautzen wirkt das wachstumsfördernd, für Görlitz hingegen verstärkt es den Bevölkerungsverlust und die industrielle Schwäche.
Die Forschungseinrichtungen in Görlitz – darunter das Deutsche Zentrum für Astrophysik (DZA), CASUS und Senckenberg-Standorte – sollen perspektivisch ein neues Standbein aufbauen. Wirkung in den IW-Indikatoren werden diese Ansiedlungen aber erst in den kommenden Jahren entfalten.
So funktioniert das IW-Ranking
Das IW-Regionalranking untersucht, warum manche Regionen erfolgreicher sind als andere. Berücksichtigt werden 14 Kriterien aus den Bereichen Wirtschaft, Arbeitsmarkt und Lebensqualität, die nach einer statistischen Vorab-Analyse Kaufkraft und Arbeitslosigkeit beeinflussen. Die 14 Indikatoren gehen nicht gleichgewichtet in die Berechnung ein. Die Themenbereiche werden unterschiedlich stark berücksichtigt – Lebensqualität mit 49 Prozent, Wirtschaftsstruktur mit 35 Prozent und Arbeitsmarkt mit 16 Prozent.
Indikator im Fokus: Kaufkraft und Arbeitslosigkeit als Erfolgsindex
Das IW-Regionalranking misst Erfolg über zwei Zielvariablen: möglichst hohe Kaufkraft und möglichst geringe Arbeitslosigkeit. Beide Werte fließen gleichgewichtet in den Erfolgsindex ein. In Sachsen wirken sich Industrieansiedlungen wie Alstom Bautzen positiv auf die Beschäftigung aus, der Bevölkerungsverlust im Landkreis Görlitz dagegen reduziert das Kaufkraft-Potenzial.
FAQ zum IW-Regionalranking 2026
Warum hat Sachsen keine Verliererregion?
Die IW Consult dokumentiert nur das Ergebnis, nicht die Ursachen. Faktoren dürften sich aus dem Zusammenspiel von Industrieansiedlungen wie Alstom Bautzen, der Chipindustrie rund um Dresden, neuen Forschungseinrichtungen sowie Strukturwandel-Mitteln im Zuge des Kohleausstiegs ergeben. Eine fundierte Einzelanalyse pro Landkreis liefert der Bericht nicht.
Wie unterscheiden sich die beiden sächsischen Lausitz-Kreise?
Bautzen ist Aufsteiger mit Plus 28 Rängen seit 2016, Görlitz Konstante mit Plus zwei Rängen. Bautzen profitiert vom Dresdner Speckgürtel und vom Alstom-Werk. In Görlitz wird der Schienenfahrzeugbau dagegen zurückgefahren, was die Bilanz belastet.
Was bedeutet die Verschiebung im Alstom-Konzern für die Region?
Alstom verlagert seit 2017 schrittweise Rohbau- und Endmontage-Arbeiten von Görlitz nach Bautzen. Die Wertschöpfung bleibt in der sächsischen Lausitz, verschiebt sich aber zwischen den Kreisen. Für die regionale Statistik bedeutet das: Bautzen gewinnt, Görlitz verliert.
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