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Welzow Sonntag, 29 August 2021 von Redaktion

Vergifteter Seeadler auf Tagebaugelände Welzow-Süd gerettet

Vergifteter Seeadler auf Tagebaugelände Welzow-Süd gerettet

Tier-, Natur- und Artenschutz greifen im Lausitzer Revier ineinander, vor allem wenn es um Notfälle und schnelle Hilfe geht. Wie so ein Seeadler gerettet werden konnte und was eine Auffangstation in Reddern damit zu tun hat, erfahren Sie in diesem Artikel.

LEAG teilte dazu mit:

„Wenn ein Adler nicht wegfliegt, obwohl sich Menschen nähern, ist irgendwas faul“, sagt Gernod Heindel, Gründer und Leiter der „Auffang- und Pflegestation für verletzte und geschützte Wildtiere“ in Reddern, einem Ortsteil von Altdöbern. Vor 33 Jahren hat er aus persönlichem Interesse angefangen, in Not geratenen Tieren zu helfen, seit über 30 Jahren betreibt er seine Pflegestation offiziell mit behördlicher Genehmigung – zusammen mit seiner Familie. Der hauptberufliche Revierförster wurde eingeschaltet als Matthias Uhlmann, ein Mitarbeiter der LEAG, im Frühling auf einer Fahrt durch das Revier des Tagebaus Welzow-Süd einen apathischen Seeadler fand.

„Der Vogel konnte sich nicht koordinieren und litt unter Krämpfen. Wir haben gleich eine Bleivergiftung vermutet“, erklärt Heindel, dem das Krankheitsbild nicht unbekannt ist. Seitdem die Seeadlerpopulation sich erhole, träten solche Fälle immer häufiger auf.

Bleimunition, in Brandenburg zwischenzeitlich verboten, wird bei der Enten- und Gänsejagd sowie bei der Jagd auf Rehe und Wildschweine verwendet. Die Adler haben sich regelrecht darauf spezialisiert, abgeschossene Tiere zu fressen, die nicht gefunden und mitgenommen wurden. So nehmen sie das Blei auf, das durch die scharfe Magensäure seine giftigen Inhaltsstoffe freisetzt. Diese gelangen dann in den Blutkreislauf des Tiers. Wir werden häufiger mit solchen Fällen konfrontiert, aber oft ist die Vergiftung zu stark oder das Tier wird zu spät gefunden.

Dann kann man nicht mehr helfen“, meint der Tierschützer betreten. „Allerdings hatte dieses mindestens fünf Jahre alte Seeadlerweibchen Glück. Sie ist eine von wenigen, die wir trotz der Bleivergiftung retten konnten.“

Ein Krankenlager für den Seeadler

Dank der eingebundenen Fachleute und der Naturschutzabteilung der LEAG konnte die Rettung schnell und professionell anlaufen. Das Tier wurde gefangen und zur Behandlung bei Tierarzt Dr. Jähde in Großräschen erst einmal geröntgt, was den Anfangsverdacht bestätigte. Im Verdauungstrakt waren die verräterischen Metallteilchen zu sehen. „Zwölf Tage lang musste das Weibchen mit Dimaval behandelt werden, einem Mittel gegen Vergiftungen mit Schwermetallen wie Blei und Quecksilber. Unser finanzieller Rahmen ist eng, weshalb wir froh waren, dass die LEAG die Arztkosten übernommen hat.

Der Seeadler kam in meiner Pflegestation in ein Einzelgehege und musste anfangs über eine Magensonde ernährt werden. Als das Tier wieder begann selbst zu fressen und zu fliegen, wussten wir, dass sie über den Berg war.“ 27 Tage nachdem Heindel und Uhlmann den Seeadler eingefangen hatten, konnte er wieder gesund und munter im Bereich des ehemaligen - namentlich passenden - Tagebaus Greifenhain ausgewildert werden. Mittlerweile, so Uhlmann, sei das Tier wahrscheinlich in ein anderes Revier weitergezogen.

Retten, Pflegen, Auswildern

„Das ist eine Erfolgsgeschichte und am Ende auch immer das Ziel: Die Tiere wieder auszuwildern“, sagt Heindel. „Es geht auch gar nicht anders! Der Platz ist begrenzt. Allein dieses Jahr haben wir 172 Tiere aufgenommen, bis zum Ende des Jahres werden es bestimmt über 300 werden. Insgesamt haben schon 4.250 Tiere die Station durchlaufen.

Vom Seeadler bis zum Zaunkönig haben wir eigentlich alles gesehen. Natürlich auch Säugetiere. Sie werden zu uns gebracht, weil sie verletzt sind, oder wenn Jungtiere allein und verwaist aufgefunden werden. Auch Alttiere, die nicht mehr können, kommen zu uns. Kurz: Alles was Hilfe und Unterstützung braucht. Nur wenn Behinderungen und Verletzungen zu so starken Einschränkungen führen, dass die Tiere weiter auf Hilfe angewiesen sind, bleiben sie in Reddern. Ein Storch zum Beispiel, der nicht mehr fliegen oder ein Seeadler, der nicht mehr jagen kann“, beschreibt der Förster.

„Zwar hat alles ganz klein mit einem Mäusebussard, einem Kolkraben und einer Waldohreule begonnen“, erinnert sich Heindel, „aber das ist lange her und inzwischen hat sich der gute Ruf der Auffangstation rumgesprochen.“ Ordnungsämter und Naturschutzbehörden, sowie Feuerwehr, Polizei und Tierheime kennen und schätzen Heindels Arbeit. Selbst über die angrenzenden Kreise hinaus sind er und seine Arbeit bekannt geworden. Berlin, Bayern, Sachsen - aus vielen Orten der Republik hat er schon Hilferufe erhalten.

Kontakt und Unterstützung für die Auffangstation

Wer den Helfern helfen will, kann laut Gernod Heindel jederzeit anrufen. Unterstützung sei immer erwünscht und jeder könne etwas beitragen, ist er überzeugt.

Die einen Hektar große „Auffang- und Pflegestation für verletzte und geschützte Wildtiere" Reddern ist in Altdöbern, Hauptstraße 3 im Schlosspark zu finden. Telefonisch kann man sich unter der Nummer 03543 4898 melden.

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Red. / Presseinfo 

Foto: Matthias Uhlmann

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