Kolkwitzer Sportplatz wird zum Forschungsprojekt
Am 20. August 2026 wurde auf dem Kolkwitzer Sportplatz Richtfest für ein neues Vereinsgebäude gefeiert. Neben dem zweigeschossigen Gebäude mit Lager- und Vereinsräumen entstehen dort auch Garagen für zwei Kleinbusse sowie ein Tickethaus. Das Besondere an dem Bau ist die Wiederverwendung von Betonfertigteilen aus ehemaligen DDR-Plattenbauten. Insgesamt wurden 80 Betonplatten aus Großräschen für das Gebäude verwendet. Die Platten sind laut Gemeinde bis zu sechs Meter lang und wiegen bis zu sechs Tonnen.
Peter Jähne von einem Cottbuser Ingenieurbüro, das sich seit 25 Jahren mit dem Rückbau und der Wiederverwendung von DDR-Platten beschäftigt, bezeichnet den Bau in Kolkwitz als Neuland. Bei dem Projekt werden unter anderem Bauteile anders eingesetzt als ursprünglich vorgesehen. So wurden Innenteile zu Außenteilen. Die heutige Galerie besteht laut Jähne aus Bauteilen, die ursprünglich als Stützen eines Mittelganges verwendet wurden. Auch die bisherigen Vereinsräume des Kolkwitzer SV waren bereits durch die Wiederverwendung von Betonteilen aus Cottbuser DDR-Plattenbauten entstanden. Diese wurden im Jahr 2009 errichtet.
BTU begleitet Pilotprojekt mit europäischer Forschung
Das Cottbuser Ingenieurbüro arbeitet bei dem aktuellen Bau mit der BTU Cottbus-Senftenberg und Prof. Dr.-Ing. Angelika Mettke zusammen. Sie beschäftigt sich nach Angaben der Gemeinde seit mehr als 30 Jahren mit der Frage, wie Bauteile aus abgerissenen Gebäuden weiterverwendet werden können. Mettke und ihr BTU-Team sind nach Angaben der Gemeinde Teil des europäischen Forschungsprojektes „Re-create“. Dabei entwickeln europäische Wissenschaftler Verfahren, Standards und digitale Werkzeuge, mit denen gebrauchte Betonfertigteile künftig systematisch in neuen Bauprojekten eingesetzt werden können. Das neue Kolkwitzer Vereinsgebäude ist dabei laut Gemeinde das erste komplette Gebäude, das im Rahmen des Forschungsprojektes entstanden ist. Es soll den Forschern zeigen, dass die Wiederverwendung gebrauchter Betonfertigteile auch bei einem vollständigen Neubau umgesetzt werden kann.

Alte Betonplatten müssen heutige Normen erfüllen
Die Wiederverwendung der Betonplatten bringt allerdings auch besondere Anforderungen mit sich. Peter Jähne verwies beim Richtfest auf die bürokratischen Vorgaben. Jede der 80 verwendeten Platten muss beim Einbau europäische Normen erfüllen. Diese Normen gab es zur Zeit der DDR noch nicht. Laut Jähne verlängert das die Planung und verteuert die Zulassung. Er hofft deshalb auf vereinfachte Zulassungsverfahren. Auch der Lausitzbeauftragte der Landesregierung, Dr. Klaus Freytag, war beim Richtfest dabei. Er erklärte laut Gemeinde, dass viele Lausitzer Vereine auf Container angewiesen seien, weil geeignete Räumlichkeiten fehlten. Diese Vereine würden deshalb auf das Projekt in Kolkwitz schauen. Freytag bezeichnete die Arbeit von Planern und Verwaltung im Zusammenhang mit der Förderung als gut und erklärte, dass man auf das Projekt stolz sein dürfe.
Bürgermeister hält besonderen Zimmermannsspruch
Auch beim Richtfest selbst gab es eine Besonderheit. Den traditionellen Zimmermannsspruch hielt nicht ein Zimmermann, sondern Bürgermeister Karsten Schreiber. Der Grund dafür liegt in der Bauweise des neuen Gebäudes. Es besitzt kein Dach mit Balken, in den ein Nagel hätte eingeschlagen werden können. Deshalb übernahm der Bürgermeister diese Aufgabe selbst.
Schreiber zeigte sich laut Gemeinde erfreut darüber, dass die Betonteile nicht im Schredder landeten, sondern nun am Sportplatz für den Kolkwitzer SV und weitere Vereine der Gemeinde genutzt werden. Sein Dank galt den Fördermittelgebern, Planern, beteiligten Firmen und dem Verein, die an dem Bau mitgewirkt haben und weiter daran beteiligt sind. Gleichzeitig äußerte Schreiber den Wunsch, dass die Menschen in den neuen Räumen künftig gemeinsam lachen, feiern und etwas bewegen können.
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Red. / Presseinformation
Bild: Mathias Klinkmüller, Gemeinde Kolkwitz




