Eine Studie der Medizinischen Universität Lausitz – Carl Thiem (MUL-CT) ist bei den Herztagen der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) in Hamburg ausgezeichnet worden. Oberärztin Dr. Jelena Zickwolf erhielt den Sven-Effert-Posterpreis. Die Cottbuser Kardiologen haben untersucht, ob sich ein kleines Loch in der Herzscheidewand auch ohne zusätzlichen Ultraschall über die Speiseröhre sicher verschließen lässt. Am 3. November stellt Zickwolf die Ergebnisse beim internationalen TCT-Kongress in San Diego (USA) vor.
Was ein offenes Foramen ovale ist
Bei manchen Menschen bleibt nach der Geburt eine kleine Öffnung in der Wand zwischen den beiden Herzvorhöfen bestehen. Mediziner sprechen von einem persistierenden Foramen ovale, kurz PFO. Es gilt als eine mögliche Ursache für Schlaganfälle.
Behandelt wird ein PFO mit einem dünnen Katheter, über den ein kleines Verschlussimplantat eingesetzt wird. In den meisten Kliniken läuft dabei zeitgleich eine Ultraschalluntersuchung über die Speiseröhre mit. Sie hilft, den Eingriff zu kontrollieren, erfordert aber eine zusätzliche Kurznarkose und mehr Personal.
Zwei Verfahren im Vergleich
Für die Studie, die vollständig an der MUL-CT durchgeführt wurde, wertete die Arbeitsgruppe Interventionelle Kardiologie um Prof. Dr. Wolfgang Bocksch die Daten von 180 Patientinnen und Patienten aus. Verglichen wurden Eingriffe mit zusätzlichem Ultraschall über die Speiseröhre aus den Jahren 2005 bis 2021 und Eingriffe, die allein mithilfe von Röntgen- und Kontrastbildgebung erfolgten, aus den Jahren 2021 bis 2026.
Beide Methoden erwiesen sich als ähnlich wirksam. Mit Ultraschall war der Eingriff in 98 Prozent der Fälle erfolgreich, ohne Ultraschall in 99 Prozent. Auch das Ergebnis nach sechs Monaten war vergleichbar: Ein vollständiger Verschluss des Defekts gelang bei 92,8 Prozent mit und bei 95,0 Prozent ohne Ultraschall.
Schneller, aber mehr Strahlung und Kontrastmittel
Deutliche Unterschiede gab es bei der Dauer: Mit Ultraschall dauerte der Eingriff im Schnitt 43,5 Minuten, ohne nur 26 Minuten. Dafür waren Strahlenbelastung und Kontrastmittelmenge in der Gruppe ohne Ultraschall höher. Das sogenannte Dosisflächenprodukt lag bei 1.354 statt 746 cGy·cm², die Kontrastmittelmenge bei 100 statt 20 Millilitern.
„Unsere Ergebnisse zeigen, dass sich der Verschluss eines offenen Foramen ovale auch ohne routinemäßige Ultraschallkontrolle über die Speiseröhre mit vergleichbar guten Ergebnissen durchführen lässt“, sagt Bocksch, Chefarzt der Interventionellen Kardiologie und Angiologie. Der Eingriff werde dadurch deutlich schneller und ohne Kurznarkose weniger belastend für die Patienten. „Gleichzeitig müssen Faktoren wie Strahlenbelastung und Kontrastmittelbedarf berücksichtigt werden. Entscheidend ist deshalb, für jede Patientin und jeden Patienten das geeignete Verfahren individuell abzuwägen.“
Präsentation in San Diego
Der TCT-Kongress (Transcatheter Cardiovascular Therapeutics) gehört zu den weltweit führenden Fachkongressen für Herzkatheter-Medizin. Für MUL-CT-Vorstandschef Prof. Dr. Eckhard Nagel ist die Auszeichnung „ein herausragender Erfolg“ und zeige, dass wissenschaftliche Spitzenleistungen auch in Cottbus entstehen. Neue Erkenntnisse wie diese kämen ganz konkret der Versorgung der Menschen in der Lausitz zugute.
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