Die SIK Peitz GmbH hat an ihrem Standort in Teichland einen 33 Tonnen schweren Latentwärmespeicher fertig montiert. Im November soll das Modul per Schwerlasttransport zu einem Kraftwerk von Progroup nach Eisenhüttenstadt gebracht werden und dort künftig überschüssige Wärme speichern.
Salzmischung speichert ungenutzte Wärme der Industrie
Der Speicher entsteht im Forschungsprojekt MoWiE. Der Name steht für „Modulare Hochtemperatur-Wärmespeichersysteme für den industriellen Einsatz“. Ziel ist eine skalierbare und energieeffiziente Speicherlösung, die industrielle Abwärme nutzt. Das soll den Energieverbrauch und den CO2-Ausstoß senken und Unternehmen bei einer ressourcenschonenden Produktion unterstützen.
Als Speichermedium dient im Latentwärmespeicher eine Salzmischung, ein sogenanntes Phase Change Material (PCM). Beim Wechsel vom festen in den flüssigen Zustand nimmt sie viel Wärme als latente Wärme auf. So lässt sich Wärme, die sonst ungenutzt bliebe, speichern und später bei Bedarf wieder abgeben.
Zwölf Megawatt Leistung und rund zwei Megawattstunden
Nach Angaben von SIK handelt es sich um den bisher leistungsstärksten Hochtemperatur-Latentwärmespeicher im industriellen Einsatz. Er hat eine Leistung von 12 Megawatt und eine Kapazität von etwa 2 Megawattstunden und lässt sich an unterschiedliche Industrieprozesse anpassen.
SIK führt das Projekt an. Partner sind das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und die Progroup Power 1 GmbH, assoziierter Partner ist die Knauf Interfer Aluminium GmbH & Co. KG. Gefördert wird MoWiE vom Bundeswirtschaftsministerium. Das Projekt läuft drei Jahre, vom 1. Juni 2024 bis zum 31. Mai 2027. Bei SIK arbeiten im Schnitt 30 Beschäftigte aus verschiedenen Fachabteilungen daran mit, je nachdem, welches Fachwissen gerade gebraucht wird.
1.080 berippte Rohre stecken im Speicherbehälter
2025 hat SIK die verfahrenstechnische Auslegung sowie die Detailplanung und Konstruktion abgeschlossen. Dabei entstanden die Werkstattzeichnungen mit Stücklisten, Schweiß- und Montageplänen für das Speichermodul sowie die Rohrleitungsisometrien für die Einbindung des Speichers in das System von Progroup. In diesem Jahr folgten die Materialbeschaffung und die Fertigung von Speicherbehälter und Heizflächen. Inzwischen sind auch die Komplettierungs- und Schweißarbeiten abgeschlossen. Insgesamt 18 Heizflächen mit Sammlern, bestehend aus 1.080 berippten Rohren, werden in den Speicherbehälter integriert. Das gesamte Speichermodul wiegt 33 Tonnen.
Großkrane setzen den Latentwärmespeicher aufs Fundament
Bestimmungsort ist ein Waste-to-Energy-Kraftwerk von Progroup in Eisenhüttenstadt. Für das Anliefern und Aufstellen am 3. und 4. November sind Großkrane an beiden Standorten im Einsatz, die den Speicher auf ein Fundament heben. Von Oktober bis Dezember wird der Latentwärmespeicher in das Dampfsystem von Progroup eingebunden. Dazu werden verbindende Rohrleitungen und weitere Bauteile montiert, die für den Betrieb nötig sind. Im Januar 2027 sind die heiße Inbetriebnahme und die Befüllung mit der Salzmischung geplant. Von Februar bis Mai 2027 soll ein Versuchsbetrieb unter realen Bedingungen zeigen, wie stabil die Leistung ist.
Anlagenbauer aus Teichland erschließt neues Geschäftsfeld
Bislang war SIK auf Kohlekraftwerke spezialisiert. Mit dem Projekt erschließt sich der Anlagenbauer ein neues Kompetenzfeld und will damit zum Wandel weg von fossilen Energieträgern beitragen. Läuft der Speicher in Eisenhüttenstadt erfolgreich, sind nach Angaben des Unternehmens wichtige Grundlagen für ein marktfähiges Produkt gelegt. Innerhalb von drei Jahren nach Projektende will SIK erste weitere Speichermodule international in unterschiedliche Produktionsprozesse einbauen.
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