Nur rund 28 Prozent der über 60-Jährigen in Brandenburg sind vollständig gegen Gürtelrose geimpft. Das geht aus dem Arzneimittelreport der BARMER hervor. Die Kasse sieht die Hausarztpraxen stärker in der Verantwortung.
Eine Kassenleistung, die kaum genutzt wird
Die Ständige Impfkommission empfiehlt die Impfung gegen Herpes zoster ausdrücklich für ältere Menschen. Seit 2019 übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten. Genutzt wird das Angebot in Brandenburg bislang selten.
„Die Impfung gegen Herpes zoster bietet einen nachweislich wirksamen Schutz vor Gürtelrose und kann das Risiko einer Erkrankung deutlich senken“, sagt Gabriela Leyh, BARMER-Landesgeschäftsführerin in Berlin und Brandenburg. Versicherte hätten einen klaren Anspruch darauf und sollten aktiv darüber aufgeklärt werden.

Wie oft die Krankheit tatsächlich auftritt
Der Report zeigt, dass Gürtelrose für ältere Menschen ein relevantes Risiko ist. Im Jahr 2023 erkrankten in Brandenburg von 1.000 Versicherten ab 60 Jahren rund 10,5 Personen. Bei 0,6 von 1.000 Patientinnen und Patienten trat die Erkrankung im Gesichtsbereich auf.
Gürtelrose wird durch dasselbe Virus ausgelöst, das Windpocken verursacht. Es verbleibt nach einer Infektion im Körper und kann Jahrzehnte später wieder aktiv werden – meist dann, wenn das Immunsystem nachlässt.
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Große Unterschiede zwischen den Praxen
Auffällig ist der bundesweite Vergleich der Hausarztpraxen. In den Jahren 2019 bis 2023 haben 17,9 Prozent der Praxen höchstens zehn Prozent der anspruchsberechtigten Patientinnen und Patienten gegen Gürtelrose geimpft. Ob jemand die Impfung erhält, hängt damit auch davon ab, in welcher Praxis er sitzt.
Nur 4,5 Prozent der Praxen erreichten eine Impfquote von mindestens 50 Prozent. „Ob Patientinnen und Patienten gegen Gürtelrose geimpft werden, hängt stark davon ab, welche Hausarztpraxis sie besuchen“, sagt Leyh. „Hier besteht offenkundig Nachholbedarf.“
Die BARMER fordert deshalb mehr Schulungen für Praxisteams und Praxisverwaltungssysteme mit automatischer Erinnerungsfunktion. Wer anspruchsberechtigt ist, würde dann beim nächsten Termin von selbst angesprochen.
Mit dem Alter steigt das Risiko deutlich
Die Auswertung zeigt, wie stark das Alter durchschlägt. Menschen zwischen 60 und 69 Jahren erkranken in Brandenburg 40 Prozent häufiger als 18- bis 59-Jährige. Ab 80 Jahren ist das Risiko mehr als doppelt so hoch. Diese Altersgruppe trifft es zudem dreimal so oft mit Beteiligung der Augen.
Die möglichen Folgen einer Erkrankung im Gesicht sind erheblich: Gesichtslähmungen, Hörverlust, dauerhafte Sehstörungen bis hin zur Erblindung. Hinzu kommen langanhaltende Nervenschmerzen – 1,8 von 1.000 Versicherten in Brandenburg waren davon betroffen. Nach Angaben der Kasse ließen sich durch die Impfung zwei von drei Erkrankungen verhindern.
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Red. / Presseinformation
Symbolfoto: Whispyhistory / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0








