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Cottbus Mittwoch, 27 September 2017 von Anja Schmidt

33. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Limnologie an der BTU Cottbus-Senftenberg

33. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Limnologie an der BTU Cottbus-Senftenberg

HALT! Wenn bei der Überschrift der Gedanke kommt, hier wird ein Thema aufgegriffen, mit dem der "normale" Mensch nichts anfangen kann – bei dieser Tagung geht es unter anderem um die Verockerung der Spree und den Ostsee. Beides Themen die fast jeden hier in der Lausitz betreffen. 

Die Deutsche Gesellschaft für Limnologie (DGL) e.V. vereint Forschung und Praxis im Bereich der Lehre für Binnengewässer und hat 1100 Mitglieder. Seit Montag tagen rund 300 Wissenschaftler, Vertreter von Behörden und Umweltbüros an der BTU Cottbus-Senftenberg. Unter der Leitung von Frau Prof. Nixdorf, Lehrstuhl Gewässerschutz, werden bis Freitag, den 29. Septmeber, Arbeiten und Projekte v.orgestellt und angewandte Aspekte des Gewässerschutzes, der Gewässerbewirtschaftung als auch neueste Ergebnisse aus der Grundlagenforschung diskutiert. Hauptthema der Tagung sind die künstlich erschaffenen Tagebauseen und die Verockerung der Spree.  

Im Gespräch mit Frau Prof. Nixdorf und Herr Dr. Sommerhäuser, Präsident der DGL, haben wir die Frage nach der Spreeverockerung gestellt. 

Von großem Interesse in der Region ist, was mit dem ausgehobenen verunreinigten Eisenoxid geschieht. Bis jetzt wird es einfach gelagert. Frau Prof. Nixdorf schien von der jetzigen Lösung nicht begeistert zu sein. Sie erklärte, dass es Forschung in Richtung Versenkung des Eisenoxids in andere Seen gibt. Hier müssen aber Tiefe, Strömungen, Wasserqualität und vieles mehr stimmen, damit es z.B. nicht zu gefährlichen Ausfällungen kommt. Zudem darf der Gewässerschutz nicht außer Acht gelassen werden. Die Idee von Dr. Sommerhäuser, das Eisenoxid für die Abwasseraufbereitung zu nutzen wurde nach einer kurzen Diskussion wieder fallen gelassen. Auf die Frage, ob die Verockerung der Spree nicht vorhersehbar war, sagte Frau Prof. Nixdorf: "Natürlich war das absehbar nach der Grundwassersenkung und der Abschaltung der Absetzbecken. Wer lesen kann, hätte die Verockerung vorhersehen müssen."  

Die Tagebauseen an und für sich sind für die Wissenschaftler ein Forschungsparadies. Nach dem Aushub können sie "Wasserarchäologie" betreiben. Die Sedimente, welche freigelegt werden, sind eine wahre Quelle der Entstehungsgeschichte. In wenigen Jahren können die Limnologen die Entstehung eines Sees nachvollziehen, von der Eiszeit bis in die Gegenwart. Vor allem da es sich um nicht natürliche Gegebenheiten handelt. In der Lausitz kann Grundlagenforschung betrieben werden. Bei der Frage an Frau prof. Nixdorf und Dr. Sommerhäuser, ob sie mit den Forschungsergebnissen und ihren Empfehlungen auch Einfluss auf die Behörden und die Politik nehmen können, verneinen beide. Nicht deshalb, weil sie nicht könnten, aber der schmale Grat zwischen Wissenschaft und Politik sollte eingehalten werden. Dr. Sommerhäuser bestätigt zwar, dass in einigen Fällen die DGL Ausnahmen macht und sich positioniert, wenn z.B. der Gewässerschutz gefährdet ist, aber der Forschungsbetrieb an sich neutral bleiben sollte. Frau Prof. Nixdorf führte dazu an, dass über fachliche Empfehlungen in eine Richtung gestoßen kann. Wissenschaft und Forschung ist immer abhängig von Geldern. Es ist aus ökonomischer Sicht empfehlenswert die Balance zu halten. 

Auf die Frage, ob sie immer noch ein "Kribbeln", den Forscherdrang, fühlen, fangen beide an, aufgeregt zu lächeln. Dr. Sommerhäuser hat seinen "See", den Phoenix-See in Dortmund. Künstlich angelegt, befindet er sich auf dem Gelände des ehemaligen Stahlwerksareal Phoenix-Ost und gehört zum Renaturierungsgebiet des Flusses Emscher. "Wir konnten den See mitgestalten, haben ihn bepflanzt und können ihn in seiner Entwicklung beforschen. Ich gehe so oft wie möglich hin und ärgere mich über die Gänse, die wieder irgendwelche Pflanzen abgefressen haben. Ja, das ist mein See!" Bei Frau Prof. Nixdorf ist es eine ganz besondere Alge. Und diese Alge ist auch für die Lausitz etwas ganz Besonderes und Einzigartiges. "Im Halbendorfer See wächst eine Alge, die nirgendwo sonst vorkommt. Wir wissen nicht, wie sie dahin gekommen ist. Im See wächst nichts anderes. Diese Alge stellt viele bisherig gedachte Zusammenhänge auf den Kopf." Und der Name der Alge? Autumnella lusatia – die Lausitzer Herbst- und Winteralge 

Wer sich die einzigartige Alge ansehen und mehr über das Thema Binnengewässer erfahren möchte ist herzlich zu den öffentlichen Veranstaltungen eingeladen. Kinder, natürlich auch Erwachsene, können die Ausstellung der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe im Seminarraum 2 (Ebene 1 im Zentralen Hörsaalgebäude) besuchen. Spannende Fragen rund um das Thema Wasser werden behandelt, zum Beispiel „Warum ist die Spree braun?“, „Die Krebsschere – eine getunte Kombizange?“ oder „Warum ist Froschlaich innen eckig?“. Interaktive, anschauliche Stände laden zum Mitmachen und Selbst-Ausprobieren ein. Einen thematischen Aspekt wird die Einwanderung invasiver Arten bilden. So kann der Kalikokrebs, ein Neubürger aus der Rheinebene, aus nächster Nähe begutachtet werden. 

Im selben Raum zeigt das Museum der DGL historische Gerätschaften und Exponate der Gewässerforschung. Die Öffnungszeiten von Aktionstheke und Museum sind noch heute 11:30 – 18:00 Uhr und Do. 10:00 – 12:00 Uhr. 

 

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