Die Brandenburger Bundestagsabgeordnete Dr. Andrea Lübcke (Bündnis 90/Die Grünen) sieht im Einstein Telescope eine große Chance für die Lausitz. Die Physikerin diskutierte am Montag, 2. November, beim Forum Einstein Telescope Lausitz im Berliner Futurium über das europäische Großforschungsprojekt.
Das Forum fand im Rahmen der Berlin Science Week statt. „Mit dem Einstein Telescope könnten wir Antworten auf einige der größten Fragen der Physik finden: Wie hat sich unser Universum entwickelt? Gab es Schwarze Löcher schon kurz nach dem Urknall? Was verbirgt sich hinter der Dunklen Energie? Und die Lausitz könnte ein Ort sein, an dem wir diesen Rätseln auf die Spur kommen. Das begeistert mich als Physikerin ungemein“, sagt Lübcke.
Lausitz bewirbt sich gemeinsam mit Sardinien
Die Lausitz bewirbt sich zusammen mit Sardinien um das europäische Gravitationswellenobservatorium. Vorgesehen sind zwei unterirdische Messanlagen mit jeweils 15 Kilometer langen Armen. In der sächsischen Lausitz wird das Gebiet zwischen Kamenz, Hoyerswerda und Bautzen untersucht. Nach Angaben der Abgeordneten sind die ersten Untersuchungen des Untergrunds vielversprechend, ein massiver Granodioritkörper biete gute Voraussetzungen für die extrem empfindlichen Messungen. Eine weitere Bewerbung kommt aus der Euregio Maas-Rhein im Grenzgebiet von Deutschland, Belgien und den Niederlanden. Entschieden wird in einem europäischen, wissenschaftsbasierten Verfahren, die Standortentscheidung wird für 2027 erwartet. Neben der geologischen und technischen Eignung zählen dabei auch die langfristige Realisierbarkeit und die Finanzierung.
Im Landkreis Bautzen haben sich alle 57 Städte und Gemeinden hinter die Lausitzer Bewerbung gestellt (wir berichteten). Für Lübcke ist das ein starkes Signal.
Physikerin erwartet einen Innovationsschub für die Region
„Das Einstein Telescope könnte für die Lausitz ein gewaltiger Innovationsbooster werden. Schon heute gibt es hier ein starkes Netzwerk aus Wissenschaft, Industrie und mittelständischen Unternehmen“, sagt Lübcke. Eine solche Forschungsanlage würde aus ihrer Sicht neue Kooperationen ermöglichen und Forschende aus aller Welt in die Region bringen. „Die Lausitz könnte zu einem international sichtbaren Zentrum der Astrophysik werden.“
Das Projekt erfordert technologische Entwicklungen, die auch außerhalb der Astrophysik genutzt werden könnten, etwa bei hochpräziser Messtechnik, optischen Technologien oder vibrationsarmen Kühlsystemen. An solchen Kühlsystemen arbeiten bereits Unternehmen in den Niederlanden, die Technik könnte künftig zum Beispiel auch in der Medizintechnik eingesetzt werden. Lübcke sieht deshalb auch die Bundespolitik in der Pflicht: „Wir müssen die Rahmenbedingungen für Innovationen in Deutschland deutlich verbessern.“ Dazu zählt sie schnellere Wege für den Transfer von Forschungsergebnissen in die Praxis und bessere Bedingungen für Ausgründungen. „Ich werde mich auf Bundesebene dafür einsetzen, dass die Lausitz diese große Chance nutzen kann“, kündigt sie an.
Was das Einstein Telescope künftig messen soll
Das Einstein Telescope ist ein geplantes europäisches Observatorium zur Messung von Gravitationswellen. Sie entstehen zum Beispiel, wenn Schwarze Löcher miteinander verschmelzen, und verursachen winzige Veränderungen der Raumzeit. Diese sollen mit hochempfindlichen Laserinterferometern gemessen werden. Die Anlage soll mehrere hundert Meter unter der Erde entstehen, damit Erschütterungen die Messungen möglichst wenig stören. Weitere Informationen zum Forum gibt es auf der Seite des Einstein Telescope Lausitz.
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