Sorbisch/Wendisch-Lehrkräfte für die Grundschule werden seit Oktober in der Lausitz selbst ausgebildet. Darüber haben die Sorbenbeauftragten von Brandenburg und Sachsen mit der Domowina beraten. Weitere Themen waren die Europäische Sprachencharta und Niedersorbisch in der digitalen Verwaltung.
Fünf Studierende im Lehramt Sorbisch/Wendisch
Anfang Oktober sind an der BTU Cottbus-Senftenberg die Studiengänge Deutsch-Sorbisch/Wendisch und Mathematik-Sorbisch/Wendisch für die Primarstufe gestartet. Fünf Studierende haben ihre Studienplätze angenommen. Das Angebot ist nach Angaben der beiden Länder auf die sechsjährige Grundschule in Brandenburg zugeschnitten und wird im sorbischen/wendischen Siedlungsgebiet selbst unterbreitet. Für die Lehre hat die BTU eine Mitarbeiterin gewonnen, die umfangreiche Erfahrungen in Wissenschaft und Schulpraxis mitbringt.
NIEDERLAUSITZ aktuell hatte über den Studienstart der ersten Sorbisch/Wendisch-Lehrkräfte in Senftenberg berichtet. Dort wurden die Erstsemester am Campus Senftenberg begrüßt, ihre Dozentin Julia Běrink war vom Sorbischen Institut an die BTU gewechselt. An der Ausbildung in Leipzig hält Brandenburg fest. Das Land beteiligt sich weiter an der Finanzierung des Instituts für Sorabistik der Universität Leipzig, das Angebot der BTU ergänzt die Leipziger Sorabistik.
„Dass Niedersorbisch nun direkt an der BTU im Rahmen des Lehramtsstudiums studiert werden kann, stärkt die Ausbildung künftiger Lehrkräfte und bringt uns unserem Ziel ein gutes Stück näher. Das begrüßen wir ausdrücklich“, sagt Domowina-Vorsitzender Dawid Statnik. Das Ziel des Dachverbands nennt er ebenfalls: „Im Jahr 2100 sprechen 100.000 Menschen die sorbische Sprache.“
Niedersorbisch als Kriterium für den KI-Assistenten
Bei der Auswahl eines KI-Assistenten für die Landesverwaltung hat Brandenburg die niedersorbische Sprache zu einem Kriterium gemacht. Seit dem 7. September läuft in der Landesregierung ein Pilotbetrieb mit LLMoin, einem Sprachmodell-Angebot des IT-Dienstleisters Dataport. Perspektivisch können auch Kommunen das Angebot nutzen. Im Siedlungsgebiet wäre ein verlässliches Übersetzungswerkzeug deshalb besonders hilfreich, heißt es in der Mitteilung. Allgemeine Sprachmodelle antworten zwar auf niedersorbische Eingaben, die Qualität ist aber nicht geprüft.
Ein eigenes Übersetzungsprogramm für beide sorbischen Sprachen gibt es bereits. Das Programm sotra betreibt die Domowina über ihr WITAJ-Sprachzentrum, für das Niedersorbische auf einer Grundlage von rund 270.000 zweisprachigen Satzpaaren. Brandenburg und Sachsen wollen diese Datenbasis gemeinsam verbreitern, vor allem um Texte aus der Verwaltung, und dabei zwischen Ober- und Niedersorbisch unterscheiden.
„Verwaltung wird digital, und wer sie digital baut, entscheidet mit, welche Sprachen darin vorkommen“, sagt Tobias Dünow, Beauftragter des Landes Brandenburg für die Angelegenheiten der Sorben/Wenden. Ausgewählte Verwaltungsleistungen stehen auf dem Landesserviceportal service.brandenburg.de auch auf Niedersorbisch zur Verfügung. „Sprachrechte, die nur auf Papier gelten, laufen aus, sobald das Papier verschwindet“, so Dünow.
Franziska Brech, Sorbenbeauftragte der Sächsischen Staatsregierung, nennt die Digitalisierung der sorbischen Sprachen „eine der wesentlichen Zukunftsaufgaben im sorbischen Bereich“.
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In Brandenburg gelten unter anderem die Attraktivität sorbisch/wendischer pädagogischer Berufe, die Sprache beim Aufbau des E-Governments und der Gebrauch sorbischer/wendischer Ortsnamen als vorrangig. Mit dem Abschluss der meisten Siedlungsgebietsverfahren ist der Geltungsbereich für Maßnahmen nun rechtssicher geklärt.
Nach Teil III der Europäischen Sprachencharta übernimmt ein Staat verbindliche Verpflichtungen, eine Minderheitensprache etwa im Unterricht, vor Gericht, bei Behörden und in den Medien zu ermöglichen. Brandenburg will für das Niedersorbische weitere solcher Verpflichtungen zeichnen, Sachsen für das Obersorbische. Weil das über eine Rechtsverordnung des Bundes geschieht, stimmen beide Länder ihr Vorgehen ab.
Bewerbung für den Mina-Witkojc-Preis bis 31. Oktober
Noch bis zum 31. Oktober läuft die Ausschreibung für den Mina-Witkojc-Preis. Mit ihm zeichnet das Land Brandenburg alle zwei Jahre herausragendes Engagement für die Anwendung, Vermittlung und Weiterentwicklung der niedersorbischen Sprache aus. In Sachsen hatte Kulturministerin Barbara Klepsch am 9. September in Kamenz den mit 5.000 Euro dotierten Zejler-Preis 2026 an Theresia Schön / Rejza Šěnowa überreicht.
Die Sorben/Wenden sind seit rund 1.500 Jahren in der Lausitz ansässig. Das Obersorbische wird vor allem in der sächsischen Oberlausitz gesprochen, das Niedersorbische in der brandenburgischen Niederlausitz. Beide sind in Deutschland anerkannte Minderheitensprachen und in den Landesverfassungen geschützt.
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