In Brandenburg bildet sich seit Jahrzehnten immer weniger Grundwasser neu. Das zeigt eine Studie der Universität Potsdam. Die Flüsse in fünf untersuchten Regionen führen seit 1980 zwischen 40 und 46 Prozent weniger Wasser. Als Hauptursachen sehen die Forscher die Klimaerwärmung sowie mehr solare Einstrahlung und mehr Vegetation.
Flüsse zeigen, wie viel Grundwasser nachkommt
Die Hydrologen Till Francke und Maik Heistermann vom Institut für Umweltwissenschaften und Geographie der Universität Potsdam haben ihre Ergebnisse in der Fachzeitschrift Natural Hazards and Earth System Sciences veröffentlicht. Sie untersuchten fünf Flussgebiete, in denen der Mensch nur wenig in den Wasserhaushalt eingreift: Ucker und Welse, Stepenitz und Löcknitz, Plane, Buckau und Temnitz, die Nuthe sowie die Obere Dahme in Dahme-Spreewald.
Die Flüsse in Brandenburg werden fast ausschließlich aus Grundwasser gespeist. Wenn sie weniger Wasser führen, ist das deshalb ein Zeichen dafür, dass weniger Grundwasser neu gebildet wird. Seit 1980 ist der Abfluss in allen untersuchten Gebieten deutlich gesunken, je nach Gebiet um 40 bis 46 Prozent im Zeitraum von 1980 bis 2023. Auch die Grundwasserstände in den Gebieten, in denen sich neues Grundwasser bildet, gehen laut Studie langfristig zurück.
Klimaerwärmung und Vegetation lassen Grundwasser schrumpfen
Um die Ursachen zu finden, haben die Forscher die Grundwasserneubildung mit einem Bodenmodell in 262 Durchläufen simuliert. Grundlage waren unter anderem die Wetterdaten der Stationen Potsdam, Lindenberg, Angermünde und Marnitz. Drei Faktoren verringern danach das Grundwasser: steigende Lufttemperaturen, mehr Sonneneinstrahlung und eine größere Blattfläche der Pflanzen. Wärmer, sonniger und grüner bedeutet, dass mehr Wasser verdunstet, bevor es versickern kann.
Beim Niederschlag fanden die Forscher keinen eindeutigen Trend. In Brandenburg fallen im Jahr meist nur 500 bis 700 Millimeter, das Land gehört zu den trockensten in Deutschland. Kleine Veränderungen beim Regen können die Ergebnisse nach Angaben der Autoren trotzdem stark beeinflussen. In vier der fünf Gebiete ist der tatsächliche Rückgang zudem größer, als die Modelle erklären können. Als mögliche Gründe nennen die Autoren Unsicherheiten in den Daten, veränderte Landnutzung und die Lage des Grundwasserspiegels. Besonders wichtig sind Flächen, auf denen das Grundwasser höchstens drei Meter unter der Oberfläche liegt. Sie tragen mindestens 70 Prozent zum Rückgang bei.
Bewässerung erklärt den Rückgang beim Grundwasser nicht
Die Landwirtschaft scheidet als Hauptursache laut Studie aus. Die beregnete Fläche in Brandenburg ist nach 1989 stark geschrumpft, von 1.206 auf 200 Quadratkilometer im Jahr 1990, und lag 2022 bei 309 Quadratkilometern. Auf ganz Brandenburg umgerechnet entspricht der Wasserverbrauch für die Bewässerung nur etwa einem Millimeter im Jahr.
Hoffnung auf Entlastung machen die Forscher nicht. Manche Klimamodelle sagen mehr Niederschlag im Winter voraus, der das Grundwasser auffüllen könnte. Darauf solle man sich nicht verlassen, schreiben Francke und Heistermann. Die Wasserwirtschaft müsse damit rechnen, dass die Grundwasserneubildung weiter sinkt. „Wenn Winterniederschläge in Zukunft deutlich zunehmen würden, könnte dies zur Entspannung der Grundwassersituation beitragen. Ich würde aber nicht darauf wetten“, sagt Maik Heistermann auf Anfrage von NIEDERLAUSITZ aktuell. Die Klimamodelle seien bei der künftigen Entwicklung des Niederschlags, anders als beim recht zuverlässigen Temperatursignal, immer noch recht unsicher.
Lausitzer Flüsse mit Tagebau blieben außen vor
Die Flussgebiete von Spree und Schwarzer Elster haben die Forscher bewusst nicht untersucht, weil der Braunkohlebergbau dort stark in den Wasserhaushalt eingreift. Zuverlässige Aussagen für die Lausitz könne die Studie deshalb nicht treffen, sagt Heistermann. Die Region ähnle bei Klima, Böden und Landschaft aber weiten Teilen Brandenburgs, ähnliche Veränderungen seien daher plausibel.
VollzeitBewerbung bis 25.10.Facharzt (m/w/d) für Orthopädie und UnfallchirurgieMedizinische Universität Lausitz – Carl Thiem · CottbusZur Stelle →Alle 411 Stellen in Südbrandenburg →Hinzu kommt der Bergbau. Für die aktiven Tagebaue wurde und wird in großem Umfang Grundwasser abgepumpt. Dieses Sümpfungswasser hat laut Heistermann den Abfluss vor allem der Spree maßgeblich gestützt. „Nicht nur fällt dieser Teil des Abflusses weg, wenn der Tagebau eingestellt wird, sondern das Füllen des über Jahrzehnte akkumulierten Wasserdefizits wird ebenfalls auf Kosten des Abflusses der Spree gehen“, sagt er. An der Schwarzen Elster sei die Lage ähnlich, dort falle der Fluss in Dürrephasen schon heute trocken. Der Abfluss der Flüsse sei aber nur ein Teil des Gesamtsystems, betont Heistermann, und der Ausstieg aus der Braunkohle alternativlos, weil nur weniger Emissionen den Klimawandel abschwächen könnten.
Niedrigwasser an der Dahme 2026 länger als in Dürrejahren
Ob sich der Rückgang seit 2023 fortgesetzt hat, lässt sich laut Heistermann mit zwei weiteren Jahren noch nicht belastbar sagen, denn er verlaufe nicht gleichmäßig. Für die Obere Dahme am Pegel Märkisch-Buchholz gebe es aber eine Auffälligkeit: Die sommerliche Niedrigwasserphase 2026 war dort sogar ausgeprägter als in den Dürrejahren 2018 bis 2020 und 2022, vor allem in ihrer Dauer. Sie begann bereits Anfang Juni.
Die Trinkwasserversorgung sieht der Forscher nicht gefährdet. Die Region müsse sich aber darauf einstellen, dass in Zukunft weniger Wasser zur Verfügung steht und die Konkurrenz zwischen den Nutzern zunimmt. Ein Beispiel sei die Landwirtschaft, die bei häufigeren Dürren mehr bewässern müsse, oft mit Grundwasser. Landwirte bräuchten Planungssicherheit durch langfristige Entnahmerechte, die Allgemeinheit dagegen die Möglichkeit, flexibel zu reagieren, wenn Wasser knapp wird. „Ich beneide niemanden, der in diesem Konfliktfeld Entscheidungen treffen muss“, sagt Heistermann.
Wassermangel auch in Südbrandenburg spürbar
Wie knapp das Wasser werden kann, hat der vergangene Sommer gezeigt. Im August galt im Spreewald ein Wasserentnahmeverbot. Wegen der niedrigen Abflüsse in der Spree hatte das Landesamt für Umwelt zuvor eine gemeinsame Arbeitsgruppe mit Berlin und Sachsen einberufen. Der Märkische Abwasser- und Wasserzweckverband hatte bereits im Juni seine Trinkwasserampel auf Rot gestellt und dringend zum Wassersparen aufgerufen.
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Red. / Presseinformation











