Etwa 130 Vertreterinnen und Vertreter von Museen, Stiftungen und Kulturinstitutionen haben bei der KNK-Tagung in Halle über die Rolle der Kultur in der Demokratie diskutiert. Einer der beiden Sprecher der Konferenz ist Dr. Stefan Körner, Vorstand der Stiftung Fürst-Pückler-Museum Park und Schloss Branitz in Cottbus.
Zwei Tage Debatte über Kultur in polarisierten Zeiten
Die KNK-Tagung „Progressive Traditionen? Ideen für polarisierte Zeiten“ der Konferenz nationaler Kultureinrichtungen fand am 5. und 6. Oktober 2026 in Halle statt. Zwei Tage lang ging es um die Rolle der Kulturinstitutionen in der demokratischen Gesellschaft. Eröffnet wurde die Tagung mit einem Grußwort von Staatsministerin Elisabeth Kaiser, der Beauftragten der Bundesregierung für Ostdeutschland. Moderiert wurde sie von der Journalistin und Kunsthistorikerin Dr. Sarah Alberti.
„Sehr intensive und erhellende Tage liegen hinter uns. Wir haben Herausforderungen analysiert, Erfahrungen ausgetauscht und Perspektiven für die Zukunft entwickelt“, erklärten die KNK-Sprecher Dr. Stefan Körner aus Branitz und Dr. Tobias Pfeifer-Helke, Direktor der Friedenstein Stiftung Gotha. Tradition sei etwas, das ausgehandelt werde. „Kulturelles Erbe wird nicht bewahrt, um eine homogene Vergangenheit festzuhalten, sondern um deutungsoffene Zukunftsräume zu eröffnen.“ Dabei sollten gesellschaftlicher Zusammenhalt und zivilgesellschaftliche Freiräume gestärkt werden. „Das haben wir auf der KNK-Tagung gemeinsam getan.“
Museen als Orte der Begegnung und des Vertrauens
Durch die drei Panels der KNK-Tagung zog sich laut Nachlese ein Gedanke: Kulturinstitutionen besitzen laut Institut für Museumsforschung einen großen Vertrauensvorschuss, ihnen wird besondere Glaubwürdigkeit zugeschrieben. Deshalb könnten sie gemeinsame Räume schaffen und offenhalten, kuratiert, als offener Impuls oder als Ort des Zusammenkommens. Genannt wurden Museen als Begegnungsorte mit haptischer Dimension, als sichere Orte, wenn es anderswo unsicher wird, und als entlastende Orte in krisenhaften und fordernden Zeiten.
„Kulturinstitutionen haben eine besondere Funktion. Sie sind nicht unmittelbar politisch, sie heben das Erbe auf und bieten Raum für alternatives, radikales Denken“, sagte Dr. Raj Kollmorgen, Professor für Management sozialen Wandels an der Hochschule Zittau/Görlitz. In seiner Zeitdiagnose betonte er, dass Phasen der Transformation bereits in der Vergangenheit mit Polarisierung einhergingen.
Maja Göpel ruft zum Training des Demokratiemuskels auf
Die Politökonomin Prof. Dr. Maja Göpel beschrieb in ihrem Impulsbeitrag den Kern der rechtspopulistischen, autoritär orientierten Strategie: „Misstrauen zu säen in die Institutionen, die für Weltaneignungskompetenz in Demokratien geschaffen wurden“. Deshalb würden Bildungsinstitutionen, Kulturinstitutionen und Medien neben den Gerichten als Erstes angegriffen und ihnen werde unterstellt, sie seien nicht neutral. „Weil Weltaneignungskompetenz gegen Tyrannei hilft“, begründete Göpel. Sie rief dazu auf, „den Demokratiemuskel zu trainieren“.
Sonja Ludwig, Director bei der Kommunikationsberatung 365 Sherpas BPI, riet Kulturinstitutionen, auf Polarisierung in sozialen Medien und Massenmedien nicht nur zu reagieren. Ihre Empfehlung: „Weg vom reaktiven, isolierten Silo, hin zur offenen, vorausschauenden Plattform, die das physische Kulturerlebnis im Museum oder Theater als Kern begreift und diesen medial sinnvoll und weitreichend ergänzt“.
Debattiert wurde auch, wie politisch Kultureinrichtungen sein dürfen. Konsens schien laut Nachlese, dass sie mit gemeinsamen Denkräumen oder als Orte mit Weltaneignungskompetenz einen wichtigen Beitrag zum politischen Diskurs einer demokratischen Gesellschaft leisten können. Dafür benötigten sie Zukunft, Schutz und Besonnenheit.
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Finanziert wurde die Tagung mit Unterstützung des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien. Kooperationspartner waren die Franckeschen Stiftungen sowie das Zukunftszentrum für Deutsche Einheit und Europäische Transformation.
Die Konferenz nationaler Kultureinrichtungen ist eine Interessengemeinschaft von derzeit 24 national bedeutsamen kulturellen Institutionen unterschiedlicher Größe und Ausrichtung in Ostdeutschland. Sie dient als Plattform für gemeinsame Interessen und Ziele und wird vom Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien unterstützt.
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