Für den FC Energie Cottbus geht es mit Rückenwind ins nächste Heimspiel: Nach dem klaren 3:0 beim Karlsruher SC empfängt der Aufsteiger am Sonntag um 13:30 Uhr den FC St. Pauli. Der Bundesliga-Absteiger kommt als Gegner mit großem Namen, und der FCE kann dabei auf stimmgewaltige Unterstützung vor großer Kulisse im fast ausverkauften LEAG Energie Stadion bauen. Zuletzt drehten die Cottbuser in Wolfsburg einen 0:3-Rückstand zum 4:4 und blieben in Karlsruhe erstmals ohne Gegentor. Trainer Claus-Dieter Wollitz warnt im NL-Kurztalk trotzdem vor einer völlig anderen Aufgabe als beim KSC ->> Hier anschauen.
Wollitz sieht Gegner mit „unfassbar viel Speed“
In Karlsruhe brachte Lukas Michelbrink die Lausitzer in der 45.+2 Minute in Führung, nach der Pause erhöhten der eingewechselte Dominik Pelivan und Justin Butler. Wollitz sah darin eine saubere Spielanlage mit einer klaren Mehrzahl an Chancen und einem sehr guten Positionsspiel. Am Sonntag stellt sich seiner Mannschaft eine andere Frage. St. Pauli spiele sehr variabel und habe „unfassbar viel Speed in der gegnerischen Hälfte“, den die Hamburger auch konsequent bespielten, so der Trainer. Zwei Dinge sind für ihn deshalb zentral: das Publikum zu nutzen und die Fehlerquote weiter zu senken. „Wir reden hier vom Bundesligaabsteiger, der einige Topspieler in seinen Reihen hat.“ Eine Garantie leitet Wollitz daraus nicht ab: „Selbst wenn wir am Sonntag alles machen und über unsere Grenzen gehen, kann es sein, dass es nicht reicht.“ Dass die Startelf erneut anders aussehen könnte, kündigt der Trainer an. Die Aufstellung entstehe aus der Analyse des jeweiligen Gegners, deshalb sei sie nicht jede Woche dieselbe. Auch die Lösung mit Butler im Sturmzentrum ist damit nicht gesetzt: Es handele sich um ein anderes Spiel, einen anderen Gegner und ein Heimspiel.
Pelivan trifft als Joker und warnt vor St. Paulis Tempo
Verlassen kann sich Energie zuletzt auf die Wechselspieler. In Wolfsburg traf der eingewechselte Dmytro Bogdanov zum 4:4, in Karlsruhe erzielte Pelivan nach seiner Hereinnahme das 2:0 und rückte damit in die Elf des 5. Spieltages beim kicker. Der Angreifer, in der Vorsaison gesetzt, geht mit der veränderten Rolle offensiv um. „Wenn man spielt, kann man immer groß reden und sagen, alle Spieler sind wichtig. Aber wenn man selber in der Situation ist, tut man gut daran, einfach weiterzuarbeiten“, sagt er. Energie habe in den vergangenen Jahren mehrfach Spieler von der Bank gebracht, die einen Unterschied ausmachten. Vom Gegner hat Pelivan aus der laufenden Analyse ein klares Bild. St. Pauli belaufe sehr viel die Tiefe und spiele mit Energie und Wucht, „so ein bisschen Vollgasfußball“. Respekt vor dem Namen des Absteigers hat er, Ehrfurcht aber nicht. Entschieden werde die Partie auf dem Rasen, und davon, jedem Gegner wehtun zu können, sei Energie überzeugt. Tabellarisch sind die Hamburger nach fünf Spieltagen im Mittelfeld der 2. Bundesliga zu finden. Den ersten Sieg der Saison feierte St. Pauli ausgerechnet gegen den Mitabsteiger aus Wolfsburg, es war zugleich der erste Erfolg nach über einem halben Jahr.
Michelbrink: „Wir haben Qualität“
Für Michelbrink war das 1:0 in Karlsruhe der erste Treffer nach längerer Zeit. „Es hat sich gut angefühlt, nach so langer Zeit wieder zu treffen, und dann noch so ein wichtiges Tor“, sagt der Mittelfeldspieler. Die Entwicklung seiner Mannschaft beschreibt er als Anpassungsprozess. Zusammengewachsen sei das Team bereits in der vergangenen Saison, inzwischen habe es sich an das Niveau der 2. Bundesliga gewöhnt. „Wir haben auch gelernt, dass wir nicht vor jedem Gegner diesen riesen Respekt haben müssen, sondern dass wir selber Qualität haben.“ Ablesbar sei das an den Toren und den herausgespielten Chancen der vergangenen Wochen. „Wenn wir die Qualität auf den Platz bringen, dann können wir eine schöne Zeit haben in dieser Liga.“ Das Timing hält Michelbrink für günstig, um mit einem positiven Gefühl in die Länderspielpause zu gehen. Für ihn selbst bringt die rund dreiwöchige Unterbrechung allerdings keine Ruhe: Er reist am Montag zur litauischen Nationalmannschaft, auf dem Programm stehen vier Länderspiele in der Nations League, das erste am Donnerstag in Liechtenstein. „Ich kann weiter Spielpraxis sammeln“, sagt er und verweist darauf, dass sein Team anders als die DFB-Auswahl nur mit einem Kader anreist.
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Personal und Kulisse
Personell ist die Lage klar: Erik Engelhardt fehlt weiterhin langzeitverletzt, dazu steht Julian Guttau verletzungsbedingt nicht zur Verfügung. Weitere Ausfälle gibt es nicht, der übrige Kader ist einsatzbereit. Auf den Rängen zeichnet sich eine der größten Kulissen der bisherigen Saison ab. Etwas mehr als 18.500 Tickets sind verkauft, am Spieltag selbst kommen noch personalisierte Restkarten in den Verkauf. Wollitz setzt ausdrücklich darauf: „In meiner Welt müsste eigentlich jede Woche das Heimspiel ausverkauft sein, weil es ein Geschenk ist, dass Energie Cottbus mit diesen Voraussetzungen zweite Bundesliga spielt“, sagt er. Am Sonntag gehe es darum, gemeinsam mit dem Publikum mehr herauszuholen, als vielleicht möglich sei. Pelivan verweist auf dieselbe Wirkung, gerade in Phasen, in denen es ruckele. Die Verbindung zu den Fans sei in den vergangenen Jahren ein Faustpfand geworden, zuletzt auch bei den Auswärtsfahrten nach Wolfsburg und Karlsruhe.
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