Zwei Tage vor der großen Katastrophenschutzübung „Spree – FLUT 2026″ haben sich am Mittwoch mehr als 100 Einsatzkräfte auf dem Verkehrslandeplatz Cottbus/Neuhausen versammelt. Die komplette Brandschutzeinheit des Landkreises Spree-Neiße kam mit allen Modulen zusammen – Kräfte aus zahlreichen Ortswehren des Kreises füllten unter anderem Sandsäcke, wie sie im Ernstfall zur Deichsicherung gebraucht werden. Auch das Technische Hilfswerk (THW) und die Bundeswehr waren dabei. Am 18. und 19. September proben Katastrophenschutzbehörden und Einsatzkräfte aus der Lausitz die Bewältigung einer großflächigen, mehrtägigen Hochwasserlage. Beteiligt sind die Stadt Cottbus sowie die Landkreise Spree-Neiße, Oberspreewald-Lausitz, Elbe-Elster und Dahme-Spreewald. Im Mittelpunkt stehen die Zusammenarbeit über Kreisgrenzen hinweg, belastbare Führungsstrukturen, die Kommunikation zwischen den Stellen sowie der Schichtwechsel über mehrere Tage.
Die Rolle der Bundeswehr: „Wir übersetzen es in militärischen Sprech“
Eingebunden ist die Bundeswehr über das Kreisverbindungskommando Cottbus. Dessen stellvertretender Leiter, Major der Reserve Marcel Altenburg, erklärt die Aufgabe: „Wir beraten den Hauptverwaltungsbeamten, also einen Oberbürgermeister oder einen Landrat, in dieser Situation.“ Genau diese Zusammenarbeit mit den Krisenstäben werde bei der Übung trainiert. „Der Oberbürgermeister sagt: Ich brauche die und die Fähigkeiten. Dann wird das von uns in einen Hilfeleistungsantrag umformuliert. Wir übersetzen es in militärischen Sprech, schicken den Antrag zu unserer zuständigen Stelle, und die entscheidet dann, was wer wie unterstützen kann.“
Bei früheren Hochwassern sei die Bundeswehr vor allem als „helfende Hände“ gefragt gewesen. „Viele Soldaten haben mit körperlicher Unterstützung Sandsäcke gefüllt, geschleppt, die Versorgung sichergestellt und tatsächlich auch am Deich unterstützt“, berichtet Altenburg, der selbst 2002 beim Elbehochwasser im Einsatz war. Damals habe er mit seinen Soldaten im Schichtbetrieb Sandsäcke gestapelt und Hubschrauber eingewiesen. Seit dem Aussetzen der Wehrpflicht sei dieser Personalpool allerdings kleiner geworden: „Dadurch wird die Manpower mittlerweile mehr durch Technik- und Logistikmöglichkeiten unterstützt.“

Hilfe nur nachrangig – das Subsidiaritätsprinzip
Dabei gilt ein wichtiger Grundsatz: Die Bundeswehr hilft im Inland immer nur nachrangig. „Erst wenn die zivilen Kräfte aufgrund der Dauer und der Intensität des Einsatzes erschöpft sind, greift die Bundeswehr helfend ein“, so Altenburg. „Wenn Polizei, Feuerwehr und THW nicht mehr können oder es vom Umfang her nicht leistbar ist, dann hilft die Bundeswehr.“
Warum solche Übungen wichtig sind
Wie entscheidend eingespielte Abläufe im Ernstfall sind, hat die Flutkatastrophe im Ahrtal im Juli 2021 gezeigt: Dort kamen mehr als 130 Menschen ums Leben. Später wurde unter anderem kritisiert, dass Warnungen die Bevölkerung zu spät erreichten und die Krisenstäbe überfordert waren. Nach Einschätzung von Klimaforschern werden extreme Wetterlagen mit Starkregen durch die Erderwärmung häufiger und heftiger. Auch der Landkreis Spree-Neiße war in der Vergangenheit bereits zweimal von Hochwasserlagen betroffen – ein Grund mehr, den Ernstfall gemeinsam zu proben.
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Red.




