Für den FC Energie Cottbus steht am 4. Spieltag der 2. Bundesliga die vielleicht dickste Aufgabe der bisherigen Saison an: Der Aufsteiger gastiert am Samstag (5. September, 13 Uhr, Volkswagen Arena) beim Bundesliga-Absteiger VfL Wolfsburg. Nach dem bitteren 3:4 gegen Fürth und einem Transferfenster, das ohne weiteren Zugang endete, geht die Mannschaft von Trainer Claus-Dieter Wollitz als klarer Außenseiter in die Partie – und sieht genau darin ihre Chance.
Zum Transferschluss: „Der Verein war bereit, großes Risiko zu gehen“
Bevor es um das Spiel ging, kam Wollitz auf das am Montag beendete Transferfenster zu sprechen, das Energie ohne weiteren Zugang abgeschlossen hatte. Den Frust darüber wollte er gar nicht erst aufkommen lassen: „Wir haben ein Dach über dem Kopf, sind gesund und dürfen unserem Hobby nachgehen. Das darf schon genug Freude geben.“ In der Sache verwies er auf die Vereinsmitteilung der vergangenen Tage – und bestätigte, dass Energie durchaus zu viel bereit gewesen wäre. „Fakt ist, dass der Verein bereit war, großes Risiko zu gehen. Dennoch konnten wir das, was wir wollten, nicht bekommen.“ Die Wunschspieler hätten sich anders entschieden oder seien bei ihren Vereinen geblieben.
Eine kleine Tür bleibt offen: Auf die Möglichkeit, noch einen vertragslosen Spieler zu verpflichten, wollte sich Wollitz nicht festnageln lassen, verschloss sie aber auch nicht – solche Wechsel sind auch nach dem Deadline Day möglich. Entscheidend sei ohnehin etwas anderes: „Es geht darum, unsere Mannschaft stark zu machen und sie dort weiterzuentwickeln, wo wir letzte Woche ein sehr gutes Spiel gemacht haben.“ Die vorhandenen Spieler hätten das Potenzial, sich zu entwickeln – „das sehe ich absolut“. Damit schlägt der Trainer denselben Ton an wie der Verein, der den Verzicht auf weitere Zugänge mit „Geschlossenheit und Zusammenhalt“ begründet hatte.

Fortschritte trotz Niederlage: Wollitz sieht die Mannschaft auf dem Weg
Sportlich sieht der Trainer sein Team trotz des 3:4 gegen Fürth auf dem richtigen Weg. Die Niederlage habe mehr mit fehlender Effizienz als mit schwachem Spiel zu tun gehabt: Nach der von ihm angeführten Chancen-Statistik hätte Cottbus „drei Punkte holen können müssen“. Wäre das gelungen, „wäre die Situation in der einen oder anderen Diskussion vielleicht anders“. Man habe sich spielerisch verbessert und intensiver gespielt – „dennoch, das haben wir immer gesagt, wird das noch nicht ausreichen. Wir können noch ein Stück draufpacken.“ Es brauche mehr Hingabe und Konzentration, gerade gegen die höhere individuelle Qualität, Handlungsschnelligkeit und Erfahrung der Zweitliga-Gegner.
Dass die Eingewöhnung in die Liga Zeit braucht, sieht Wollitz dabei als normalen Prozess – wenn auch als einen, der länger dauert als erhofft. „Das war klar, dass das ein bisschen braucht – vielleicht auch ein bisschen länger, als ich selbst erwartet habe“, räumte er ein und verwies darauf, das schon in der Vorbereitung so angekündigt zu haben. In den vergangenen beiden Jahren – gemeint sind die Aufstiegssaisons – habe die Mannschaft anfangs ebenfalls Zeit gebraucht, „um uns an dieses Tempo und diese Wertigkeiten in den Spielen zu gewöhnen“. Wichtig sei nun, in der Entwicklung „mal das eine oder andere Ergebnis“ mitzunehmen.
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Wollitz bleibt offensiv – trotz des großen Gegners
Trotz der Übermacht des Gegners will Wollitz seiner offensiven Grundhaltung treu bleiben. „Eine Stärke von mir ist, sich nicht beirren zu lassen – und eine Stärke von mir ist, gerade jetzt noch offensiver zu spielen“, sagte er, hörbar auch als Antwort auf Kritiker, die nach dem Fürth-Spiel mehr defensive Stabilität gefordert hatten. Das bedeute aber nicht, dass man hinten „solche Fehler machen“ dürfe wie zuletzt. „Wir brauchen eine Balance, eine Ausgewogenheit – aber trotzdem diesen Mut und diese Überzeugung, offensive Akzente zu setzen, mit einem außergewöhnlich guten Gegenpressing.“
Copado: „Wir können nicht verlieren“
Diese Außenseiter-Mentalität teilt Stürmer Lucas Copado. „Jeder, der die zweite Liga kennt, weiß, dass jeder jeden schlagen kann“, sagt er. „Wir wissen, dass wir der klare Underdog sind – aber genau da sehen wir die Chance. Du kannst in dem Spiel nicht verlieren.“ Den ausgebliebenen Transfers gewinnt er sogar etwas ab: Dass keine zusätzliche Konkurrenz gekommen sei, sei „für andere vielleicht die Chance, wieder mehr zu spielen“. Was Energie ausmache, sei ohnehin die Geschlossenheit: „Jeder kämpft für jeden.“
Copado, der beim 3:4 gegen Fürth früh das 1:0 erzielt hatte, hofft, dass für ihn „der Knoten endgültig geplatzt ist“. Ganz sicher dabei ist er allerdings noch nicht: Wegen Problemen am Oberschenkel trainierte er zuletzt nur reduziert. „Wir hoffen, dass alles fürs Wochenende klappt“, so der Angreifer.
Zwei Personalfragen offen
Neben Copado steht auch der Einsatz von Luca Erlein auf der Kippe. Der Neuzugang war zuletzt mit einem grippalen Infekt ausgefallen und stand erst am Donnerstag wieder auf dem Trainingsplatz. Wollitz gab sich bei beiden vorsichtig optimistisch: „Ich gehe davon aus, dass es bis Samstag klappt.“ Der übrige Kader sei fit. Wichtig sei vor allem, „dass die Mannschaft in dieser Geschlossenheit auftritt“.
Videointerviews: Georg Zielonkowski
Die Saison 2026/2027 des FCE – Spielberichte im Überblick
1. Spieltag: FC Energie Cottbus 3:1 Hannover 96 ->> Spielbericht & Bilder
2. Spieltag: Arminia Bielefeld 3:0 FC Energie Cottbus ->> Spielbericht & Bilder
1. Runde DFB-Pokal: FC Energie Cottbus 0:2 FC Augsburg ->> Spielbericht & Bilder
3. Spieltag: FC Energie Cottbus 3:4 Greuther Fürth ->> Spielbericht & Bilder
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