1,5 Kilometer Schwimmen im eiskalten Bergsee, 28 Kilometer mit dem Rad auf 1.850 Meter Höhe, dann noch 6,5 Kilometer Laufen: Der Cottbuser Reinhard Drogla hat den Alpe d’Huez-Triathlon gemeistert – mit 76 Jahren und nach einer Herzoperation. In seiner Altersklasse wurde er Dritter. Unser Sportreporter Georg Zielonkowski hat mit ihm telefoniert.
Es ist derselbe Anstieg, an dem sich im Juli die Radprofis der Tour de France abgearbeitet haben. 35 Minuten und 27 Sekunden brauchte Tadej Pogačar für die 14 Kilometer hinauf zum Alpe d’Huez. Drogla nahm die Auffahrt Wochen später – als Teil eines Dreikampfs und ohne jeden Vergleich im Kopf.
„Habe ich mich gefragt, ob ich bekloppt bin“
Es ist nicht nur meine Chronistenpflicht, dir zu dieser Leistung voller Respekt zu gratulieren. Als ich das Foto von deinem Lauf ins Ziel gesehen habe, war ich zutiefst beeindruckt – zumal ich deine Vorgeschichte recht gut kenne. Wie sehr hast du diesen Erfolg genossen?
Es ist schon so, wie du sagst. Nach den wirklich harten Monaten, nach der Herz-OP und den vielen Folgebehandlungen habe ich mir bei diesem Wettbewerb nicht nur einmal die Frage gestellt, ob ich eigentlich bekloppt bin, mich auf ein solches Abenteuer überhaupt einzulassen. Aber ich hatte schon lange von diesem Wettkampf gehört und meinte, dass es vielleicht eine gute Möglichkeit wäre, mich von der Krankengeschichte zu befreien und sie hinter mir zu lassen. Natürlich habe ich mich beraten und sehr gründlich untersuchen lassen, Leistungsdiagnostik eingeschlossen.
Du kennst diesen brutalen Dreikampf von deinen Starts auf Hawaii, in Lahti oder in Kroatien. Allein der Wettbewerb ist schon schlimm genug. Diesmal aber war es keine Radprüfung auf gerader Strecke – diesmal waren Höhenmeter zu meistern. Für einen gerade erst Genesenen ist das etwas ganz Besonderes.
Ja, das stimmt schon. Aber ich wollte einfach wissen, inwieweit ich trotz Alter und meiner Vorgeschichte noch fähig bin, Dinge zu meistern, die früher eher selbstverständlich waren. Am Ende kann ich für mich feststellen: Ich komme noch ganz gut zurecht, aber ich muss mich eben sehr, sehr gut kontrollieren.
Vom Wattmesser zum Herzrhythmus
Wie stellt man sich das vor?
Bevor es auf den eineinhalb Kilometer langen Schwimmkurs im eiskalten Stausee eines Wasserkraftwerkes ging, standen wir mit unseren Neoprenanzügen in der prallen Sonne, gefühlt weit über 30 Grad. Da war die Aufnahme von Getränken eminent wichtig. Danach, beim 28 Kilometer langen Weg mit dem Rad hinauf zum Alpe d’Huez, hatte ich mich zunächst an der Wattzahl orientiert. Aber dann habe ich mehr auf meinen Herzrhythmus geachtet, weil mir das deutlich wichtiger erschien. Am Ende war diese Änderung der Taktik genau die sinnvolle.

Tage zuvor hast du die Bergmaschine Tadej Pogačar am Bildschirm zum Alpe d’Huez hinaufspurten sehen. Hast du während deiner eigenen Auffahrt an den Slowenen gedacht – nach dem Motto, dass er es ja schließlich auch geschafft hat, wenn auch deutlich schneller?
Also, ich habe daran nicht gedacht, auch wenn ich den Meister sehr bewundere. Ich wollte nichts wissen, ich war nur auf mich selbst fokussiert. Ich habe darauf geachtet, dass das Ganze mit dem Herz und dem eigenen Kreislauf problemlos klappt.
Dritter in der Altersklasse – und das nebenbei
Am Ende gibt es noch ein großartiges Resultat zu vermelden. Das hat für dich aber nicht die erste Geige gespielt, oder?
Das stimmt. Wie ich später in den Protokollen gelesen habe, bin ich in der Gruppe Mitteldistanz Dritter in meiner Altersklasse geworden. Das ist aber völlig egal, ich habe es für mich gemacht. Es waren ja insgesamt rund 5.000 Leute vor Ort, gestartet sind auf der Mitteldistanz 1.800 „Verrückte“. Da waren diese einzelnen Etappen zu meistern: 1,5 Kilometer schwimmen, 28 Kilometer mit dem Rad und 6,5 Kilometer laufen.
„Jetzt bin ich frei von Zielen“
Was nimmst du mit von diesem außergewöhnlichen Event?
Zuerst eine riesige Dankbarkeit gegenüber allen, die mir auf diesem Weg geholfen haben. Besonders danke ich meiner Familie – für die war es weder einfach noch selbstverständlich, meinen Weg da hoch zu begleiten. Und: Der vierfache Olympiasieger Emil Zátopek, der legendäre tschechische Ausdauerläufer, hat einmal empfohlen: „Trainiere in deinem Leben den Marathon, aber laufe ihn nicht!“ Ob ich dem folgen kann, will ich in diesem Moment überhaupt nicht sagen. Es war total anstrengend, und deshalb bin ich so glücklich, dass ich gut angekommen bin und das Ziel erreicht habe. Jetzt bin ich frei von Zielen, und das ist wunderbar.
Der Alpe d’Huez-Triathlon wurde in diesem Jahr zum 20. Mal ausgetragen.
Interview: Georg Zielonkowski / Fotos: privat
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