Wer auf dem Land in der Lausitz psychisch erkrankt, hat es oft schwerer, Hilfe zu finden. Die Landkreise nennen Ärztemangel und lange Wege, Selbsthilfegruppen berichten von Scham. Mit Gesundheitsbus und Außenberatungen versuchen die Ämter, näher an die Menschen zu kommen.
Ärztemangel und lange Wege in Elbe-Elster
„Es ergeben sich also Ärztemangel insbesondere im fachärztlichen Bereich durch Überalterung und Nachwuchsprobleme, lange Anfahrtswege und erhebliche Wartezeiten. Digitale Lösungen sind nur bedingt etabliert“, heißt es aus dem Landkreis Elbe-Elster. Weil die Bevölkerung älter werde, steige die Zahl der Kranken, während die Mobilität abnehme. Die psychiatrische Versorgung übernimmt das Elbe-Elster-Klinikum mit seiner Klinik in Finsterwalde. Kontakt- und Beratungsstellen betreibt der Verein Lebenswert in Herzberg, Finsterwalde und Elsterwerda, an denselben Orten gibt es seit 2021 eine Selbsthilfekontaktstelle. Seit 2023 steigen nach Angaben des Landkreises die Beratungszahlen des Sozialpsychiatrischen Dienstes deutlich.
Elbe-Elster Klinikum stockt seine Betten deutlich auf
Wie lange Patientinnen und Patienten warten, hat das Elbe-Elster Klinikum auf Nachfrage von NIEDERLAUSITZ aktuell in Absprache mit dem Chefarzt der Psychiatrie mitgeteilt. In der Tagesklinik in Elsterwerda sind Vorgespräche jederzeit möglich, aufgenommen wird nach etwa zwei bis drei Monaten. In der Tagesklinik in Finsterwalde gibt es Vorgespräche nach rund zwei Wochen, die Aufnahme folgt nach etwa vier bis sechs Wochen. In einer akuten seelischen Krise können sich Betroffene jederzeit in den Notaufnahmen des Klinikums melden, auch nachts und am Wochenende. Ist ein Bett frei, werden sie sofort stationär aufgenommen, sonst gibt es einen Termin, wenn eine Wartezeit vertretbar ist.
Die Behandlungszahlen haben sich nach Angaben des Klinikums über die Jahre fast verdreifacht. Im Oktober und November erweitert es deshalb von drei auf vier psychiatrische Stationen und von 53 auf 70 Betten. In der Tagesklinik Finsterwalde steigt die Zahl der Behandlungsplätze von 10 auf 14. Die Entfernungen im Landkreis sieht das Klinikum dagegen nicht als großes Problem. Bei Notfällen sei es mit seinen drei Standorten gut aufgestellt, und auch zur geplanten Behandlung kämen die Patienten gut.
Mit dem Gesundheitsbus durch Luckau und Heideblick
Im Landkreis Dahme-Spreewald fährt der Sozialpsychiatrische Dienst an zwei Tagen in der Woche mit dem Gesundheitsbus durch die Gemeinden Luckau und Heideblick. „Gerade im ländlichen Raum mit unzureichender Infrastruktur werden verlässliche Angebote, um die Möglichkeit, sich mal austauschen zu können, zunehmend gebraucht“, teilt der Landkreis mit. In Oberspreewald-Lausitz bietet der Sozialpsychiatrische Dienst neben seinen Sprechzeiten in Senftenberg monatliche Außenberatungen in Lübbenau, Vetschau, Calau, Großräschen, Lauchhammer und Großkmehlen an, in Ruhland nach Vereinbarung.
VollzeitBewerbung bis 25.10.Gesundheits- und Krankenpfleger (m/w/d) oder Altenpfleger (m/w/d) für die GeriatrieMedizinische Universität Lausitz – Carl Thiem · CottbusZur Stelle →Alle 417 Stellen in Südbrandenburg →Lieber lange Wege als erkannt zu werden
Neben der Entfernung bremst auf dem Land oft die Angst, erkannt zu werden. „Im ländlichen Raum sind lange Wege, eingeschränkte Verkehrsanbindung und das Gefühl der fehlenden Anonymität zentrale Hürden“, sagt Carolin Zegenhagen von der Selbsthilfekontaktstelle KiSS Spremberg. Gruppen im Umland hätten sich deshalb nicht bewährt, viele nähmen lieber lange Wege in die Stadt auf sich, teils in Fahrgemeinschaften. In Oberspreewald-Lausitz gibt es Selbsthilfegruppen zu Depressionen in Vetschau und Lauchhammer. Mehr zu Wartezeiten auf Therapie und Klinik steht in diesem Beitrag unserer Reihe. Wer akut Hilfe braucht, erreicht die Telefonseelsorge rund um die Uhr, anonym und kostenfrei unter 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222. Im Notfall gilt die 112.
Red.












