Der Bund zahlt die Hülle, das Land den Inhalt: Kulturstaatssekretär Tobias Dünow hat sich in Forst angesehen, wie weit das neue Museum für Textil- und Industriegeschichte ist. Die vollständige Eröffnung ist für das Frühjahr 2027 geplant.

„Eines der wichtigsten Projekte im Land“
Gemeinsam mit Bürgermeisterin Simone Taubenek hat Dünow am Mittwoch den künftigen Ausstellungsbereich und die Schauwerkstatt in der Sorauer Straße besichtigt. Sein Fazit fällt deutlich aus: „Das Forster Projekt ist derzeit eines der wichtigsten und spannendsten Projekte im Museumsbereich in Brandenburg.“
Was im Forster Museum entsteht, beschreibt der Staatssekretär als deutlich mehr als Textilgeschichte: „Es geht nicht nur um Stoffproduktion und Webstühle – es geht auch um Industrialisierung, Industriekultur und Strukturwandel, um Beziehungen in der deutsch-polnischen Grenzregion und die Kultur der Sorben/Wenden.“
Vom Anschauen zum Mitmachen
Künftig sollen im Haus Zeitzeugen zu Wort kommen, Projekte für Kinder angeboten und der Innenhof für Veranstaltungen geöffnet werden. „Aus einem Museum zum Anschauen wird ein Kulturzentrum zum Mitmachen – für die Menschen in Forst und der Lausitz, in Brandenburg, Sachsen und Polen“, so Dünow.
Dass der Innenhof des Forster Museums bespielt werden kann, hat sich in diesem Sommer bereits gezeigt: Im August gastierte dort das Rumpel Pumpel Theater, aktuell läuft im Haus die Sonderausstellung zur ersten openart Lausitz Biennale für zeitgenössische Kunst. Dünow hat sie im Anschluss an den Rundgang besichtigt.
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Wer was bezahlt
Die Finanzierung ist zweigeteilt. Den Umbau des Gebäudes fördert der Bund im Programm „Nationale Projekte des Städtebaus“ mit rund 7,4 Millionen Euro. Die konzeptionelle Entwicklung der neuen Dauerausstellung unterstützt das Kulturministerium seit 2021 im Museumsstrukturprogramm mit jährlich rund 50.000 Euro.
Der Neuaufstellungsprozess läuft seit 2021. Im November 2025 wurden das Gebäude übergeben und der erste Ausstellungsabschnitt eröffnet. Bis zur vollständigen Eröffnung im Frühjahr 2027 fehlt also noch der größere Teil der Dauerausstellung.
288 Tuchfabriken in einer Stadt
Der Ort für ein solches Museum ist nicht zufällig gewählt. Das Tuchmacherhandwerk war seit dem 15. Jahrhundert die Haupterwerbsquelle der Menschen in Forst. 1925 arbeiteten in der Stadt 288 Tuchfabriken – eine Zahl, die heute kaum vorstellbar ist.
Nach 1989/90 folgte die fast vollständige Abwicklung des Industriezweigs. Das Forster Museum wurde 1995 in einer stillgelegten Tuchfabrik eröffnet; das denkmalgeschützte Fabrikgebäude stammt aus dem Jahr 1892.
Genau darin liegt der Anspruch des Projekts: Eine Stadt, die ihre prägende Industrie verloren hat, erzählt diese Geschichte in einem Gebäude, das selbst Teil davon war – und verbindet sie mit dem Strukturwandel, den die Lausitz gerade durchläuft.
Titelbild: © Friederike Kalz
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Red. / Presseinformation








