Es ist ein historischer Moment und der Beginn eines neuen Kapitels für die Lausitz: Erstmals werden in Cottbus Medizinerinnen und Mediziner an einer eigenen Universität ausgebildet. An der Medizinischen Universität Lausitz – Carl Thiem (MUL – CT) startet am heutigen Montag (12. Oktober) der erste Modellstudiengang Humanmedizin. Die ersten 38 Medizinstudierenden wurden am gestrigen Sonntag im Staatstheater Cottbus feierlich immatrikuliert. Damit wird rund zwei Jahre nach der Gründung der Universität ein weiteres zentrales Vorhaben des Strukturwandels in der Lausitz Wirklichkeit. Der erste Jahrgang besteht aus 26 Frauen und zwölf Männern, elf von ihnen kommen aus Brandenburg.
Erste 38 Medizinstudierende starten in Cottbus
Mit der feierlichen Immatrikulation am gestrigen Sonntag wurde der erste Studienjahrgang der Medizinischen Universität Lausitz – Carl Thiem offiziell begrüßt. Seit dem heutigen Montag läuft nun der Studienbetrieb im Wintersemester 2026/2027. Die 38 Studierenden kommen aus nahezu dem gesamten Bundesgebiet. Neben elf Studierenden aus Brandenburg stammen jeweils sieben aus Berlin und Nordrhein-Westfalen, jeweils vier aus Sachsen und Niedersachsen sowie zwei aus Bayern. Jeweils eine Person kommt aus Baden-Württemberg, Mecklenburg-Vorpommern und Rheinland-Pfalz. 34 Studierende besitzen die deutsche Staatsangehörigkeit, vier haben nach Angaben der Universität einen internationalen Hintergrund. Das Durchschnittsalter des ersten Jahrgangs beträgt 24,4 Jahre.
Von der ersten Idee bis zum Studienbeginn
In mehreren Redebeiträgen während des Festaktes wurde der Aufbau der neuen Universitätsmedizin hervorgehoben. Die Vorbereitungen reichen bis in das Jahr 2020 zurück, als eine Expertenkommission ihre Arbeit aufnahm. Bereits 2021 lag ein erstes Konzept vor. Im Jahr 2023 gab der Wissenschaftsrat grünes Licht für die Gründung. Mit dem Gründungsgesetz im Juni 2024 und der Überführung des damaligen Carl-Thiem-Klinikums in die Trägerschaft des Landes Brandenburg wurden die rechtlichen Grundlagen geschaffen. Anschließend mussten innerhalb von rund zwei Jahren die Voraussetzungen für den Studienbetrieb entstehen.
Dazu gehörten unter anderem der Aufbau der Studienverwaltung, die Einrichtung digitaler Lehrinfrastrukturen und die Herrichtung von Lehrgebäuden. Zudem haben inzwischen mehr als 20 neu berufene Professorinnen und Professoren ihre Arbeit an der Universität aufgenommen. Prof. Dr. Adelheid Kuhlmey, Gründungsvorständin Wissenschaft und verantwortlich für den Aufbau von Forschung und Lehre, erklärte während des Festaktes: „Wir haben in kurzer Zeit die Voraussetzungen für unseren Modellstudiengang geschaffen – mit einer modernen Studiumsadministration, digitalen Lehreinfrastrukturen, mehr als 20 Neuberufungen, hergerichteten Lehrgebäuden und einem hochmotivierten Lehrekollegium.“
Neuer Modellstudiengang verbindet Theorie und Praxis
Der Modellstudiengang Humanmedizin setzt besondere Schwerpunkte bei der Digitalisierung und Gesundheitssystemforschung. Nach Angaben der Universität sollen medizinische Ausbildung, Forschung und praktische Versorgung von Beginn an eng miteinander verbunden werden. Dabei spielt die unmittelbare Verbindung von theoretischen Studieninhalten und praktischer medizinischer Arbeit eine wichtige Rolle. Vorgesehen ist, die Studierenden frühzeitig an den medizinischen Alltag heranzuführen.
Eine Besonderheit des ersten Jahrgangs ist die vergleichsweise kleine Studiengruppe mit 38 Teilnehmern. Dadurch soll eine intensive und persönliche Betreuung ermöglicht werden. Hinzu kommt ein Mentoringprogramm: Jede Studentin und jeder Student erhält bereits zum Studienbeginn eine Patin oder einen Paten aus der Ärzteschaft. Diese sollen den Einstieg in den medizinischen Alltag begleiten und beim Aufbau eines beruflichen Netzwerks unterstützen. Kuhlmey betonte dazu: „Mit dem Modellstudiengang Humanmedizin beschreitet die MUL – CT neue Wege in der medizinischen Ausbildung und verbindet Studium, Forschung und Versorgung von Beginn an eng miteinander.“
Ministerpräsident Woidke spricht von historischem Moment
Zu den Gästen der Immatrikulationsfeier im Staatstheater gehörten neben Vertretern der Universität auch Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke, Wissenschaftsministerin Manja Schüle und Gesundheitsminister René Wilke. Woidke bezeichnete den Studienbeginn als historischen Moment für das Land Brandenburg und die Lausitz. „Sie erleben heute einen echten historischen Moment! Sie sind unser allererster Jahrgang von künftigen Medizinerinnen und Medizinern ‚Made in Cottbus‘! Darauf dürfen Sie stolz sein, und darauf sind wir als Land stolz.“ Der Ministerpräsident verwies zugleich auf den Strukturwandel der Lausitz. Die Medizinische Universität sei das größte Strukturwandelprojekt der Region. Mit der Gesundheitssystemforschung und der Digitalisierung des Gesundheitswesens setze sie nach seinen Worten bundesweit besondere Schwerpunkte.
Wissenschaftsministerin Manja Schüle stellte in ihrer Rede eine Verbindung zur Geschichte des Mediziners Carl Thiem her. Dieser hatte sich vor mehr als 100 Jahren insbesondere mit der Versorgung verunglückter Arbeiter in der damals industriell geprägten Region beschäftigt. Heute stehe die Lausitz erneut vor Veränderungen. Schüle verwies dabei auf die Herausforderungen der medizinischen Versorgung älterer Menschen, langer Wege und dünn besiedelter Landkreise. Die neuen Studierenden könnten künftig an entsprechenden Lösungen mitarbeiten.
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Auch Gesundheitsminister René Wilke hob die Bedeutung des neuen Studiengangs für die medizinische Versorgung hervor. „Erstmalig bilden wir auch an einer staatlichen Medizinfakultät den ärztlichen Nachwuchs aus, den wir nicht zuletzt in ländlichen Regionen so dringend benötigen.“ Nach seinen Worten soll die MUL – CT durch die Verbindung von Forschung, modernen Behandlungsmethoden und Kooperationen mit Krankenhäusern und Arztpraxen zur künftigen Gesundheitsversorgung beitragen.
Prof. Dr. mult. Eckhard Nagel, Vorstandsvorsitzender der MUL – CT, dankte während der Veranstaltung den zahlreichen Beteiligten am Gründungsprozess. Er verwies unter anderem auf die Arbeit der Experten- und Gründungskommissionen, die Berufungsverfahren sowie den Aufbau von Forschung und Lehre. „Denn eine Universität gründet man nicht jeden Tag und niemals allein. Viele Menschen haben an die Idee dieser Universität geglaubt, lange bevor sicher war, dass sie Wirklichkeit werden würde.“ Nagel betonte zudem, dass der Aufbau der Universität weiterhin Kraft, Ausdauer und Zuversicht erfordere.
Studium beginnt heute mit zweiwöchigem Einführungsmodul
Am heutigen Montag beginnt für die 38 Studierenden der Lehrbetrieb im Wintersemester 2026/2027. Zum Auftakt steht das zweiwöchige Modul „Einführung in das Studium der Humanmedizin“ auf dem Programm. Dabei werden zunächst organisatorische und fachliche Grundlagen vermittelt. Im Mittelpunkt stehen insbesondere die ärztliche Rolle sowie die Forschungsschwerpunkte der Medizinischen Universität Lausitz. Ergänzend organisiert die Universität verschiedene Veranstaltungen für die neuen Studierenden. Dazu gehört unter anderem eine Fahrt mit der historischen Straßenbahn durch das Cottbuser Stadtzentrum.
Bereits der Festakt am gestrigen Sonntag wurde durch eine Schlagzeuggruppe des Staatsorchesters Cottbus musikalisch begleitet. Anschließend fand im Foyer des Staatstheaters ein Empfang für die Studierenden und ihre Angehörigen statt. Ein medizinischer Mitmach-Parcours des Interprofessionellen Simulationszentrums der MUL – CT gab zudem Einblicke in die Ausbildung.
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Red. / Presseinfo

















