Am Cottbuser Hauptbahnhof wird am Mittwoch eine Gedenkplakette enthüllt. Sie erinnert daran, dass der Bahnhof Ausgangs- und Durchgangsort von Deportationen und Transporten während der NS-Zeit war. Ein QR-Code führt von dort zu den Inhalten des Projekts.

Gedenkplakette bleibt nach Projektende am historischen Ort
Das Menschenrechtszentrum Cottbus erinnert am Mittwoch, 26. August, mit zwei Veranstaltungen an die Rolle des Cottbuser Bahnhofs während des Nationalsozialismus. Im Mittelpunkt stehen Deportationen, Zwangsarbeit und die Beteiligung der Deutschen Reichsbahn an der nationalsozialistischen Verfolgung.
Um 11 Uhr wird die Plakette am Hauptbahnhof enthüllt. Der QR-Code darauf führt zu den Ausstellungsinhalten, die im Projekt „Cottbus: Ein Bahnhof der Erinnerung. Deportationen und Zwangsarbeit im Nationalsozialismus“ erarbeitet wurden. Damit bleiben die Ergebnisse auch nach dem Projektende direkt am historischen Ort zugänglich – gefördert worden war das Vorhaben bereits im Herbst 2025.
„Kein Ort des Aufbruchs, sondern eine Station“
„Der Cottbuser Hauptbahnhof war für viele Menschen kein Ort des Aufbruchs, sondern eine Station auf dem Weg in Entrechtung, Zwangsarbeit, Haft und Tod“, sagt Heide Schinowsky, Leiterin des Menschenrechtszentrums Cottbus. „Diese Geschichte gehört sichtbar in unsere Stadt.“
Mit der Plakette entstehe ein dauerhafter Erinnerungsort mitten im Alltag. „Erinnerung bedeutet für uns auch Verantwortung für die Gegenwart.“
Wer bei der Enthüllung spricht
Bei der Enthüllung sprechen Gabriele Grube, Leiterin des Fachbereichs Kultur der Stadt Cottbus, Katrin Rebiger, Pfarrerin an der Oberkirche St. Nicolai, Roos Poncelet von der Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft, Jan Henkel vom Bahnhofsmanagement Cottbus sowie Heide Schinowsky.
Dabei ist auch Gunther Staudacher – Neffe der Hamburger Widerstandskämpferin Margaretha Rothe von der Weißen Rose. Musikalisch begleitet der Saxophonist Dieter Gebauer die Veranstaltung.
Die Plakette ist Teil eines Projekts, das das Menschenrechtszentrum gemeinsam mit der AG Stolpersteine Cottbus, den Städtischen Sammlungen Cottbus und exhibeo e. V. umsetzt.
Am Abend geht es im Stadtmuseum weiter
Um 18 Uhr spricht der Historiker Andreas Engwert im Stadtmuseum Cottbus, Bahnhofstraße 22, über „Die Rolle der Deutschen Reichsbahn im Nationalsozialismus und die Deportation der jüdischen Bevölkerung“.
Schon am Dienstag kommt Besuch aus dem Bundestag
Einen Tag vor der Enthüllung bekommt das Gedenkprojekt politischen Besuch: Die Brandenburger Bundestagsabgeordnete Dr. Andrea Lübcke und der Berliner Abgeordnete Andreas Otto sehen sich am Dienstag, 25. August, die Ausstellung am Hauptbahnhof an. Von 11 bis 11.30 Uhr ist ein Rundgang am Bahnhof vorgesehen.
Anschließend besuchen beide von 11.45 bis 13 Uhr das Menschenrechtszentrum selbst – mit einem Rundgang durch die frühere Haftanstalt und Gesprächen über die Aufarbeitung politischer Verfolgung.
Erinnerungsorte unter Druck
Der dauerhafte Erinnerungsort entsteht in einem Umfeld, in dem genau solche Zeichen zuletzt wiederholt angegriffen wurden. Die Ausstellung im Bahnhof selbst war Anfang August mutmaßlich mutwillig beschädigt worden; der zerstörte Bildschirm ist inzwischen ersetzt.
Auch andernorts in der Region traf es Gedenkzeichen: In Forst wurden erneut Stolpersteine beschädigt, in Spremberg wurden Stolpersteine aus der Pfortenstraße herausgerissen – dort ermittelt inzwischen das Landeskriminalamt.
Titelbild: © Stadt Cottbus
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