In Forst (Lausitz) sind erneut Stolpersteine für Opfer des Nationalsozialismus angegriffen worden. Die Gedenksteine für Erna Perlich und ihre Tochter Ilse Pick in der Mühlenstraße wurden beschädigt, mindestens einer davon gestohlen. Die Stadt hat wegen Diebstahls und Sachbeschädigung Anzeige bei der Polizei erstattet. Besonders schwer wiegt: Es ist bereits der zweite Angriff auf diese beiden Steine.
„Greift unsere gemeinsame Erinnerungskultur an“
Die durch die Beschädigung entstandene Stelle im Gehweg wird nach Angaben der Stadt zunächst provisorisch gesichert. Wie mit dem stark beschädigten Stolperstein für Erna Perlich weiter umgegangen wird und wie sich die Gedenkstätte wiederherstellen lässt, werde derzeit geprüft. Schon im März 2025 waren die Steine gewaltsam aus dem Gehweg gehoben und erheblich beschädigt worden; auch damals hatte die Stadt Strafanzeige erstattet und die Tat öffentlich verurteilt.
Bürgermeisterin Simone Taubenek zeigte sich erschüttert. „Dass die Stolpersteine für Erna Perlich und Ilse Pick erneut angegriffen wurden, macht mich tief betroffen“, erklärte sie. „Diese Steine erinnern nicht abstrakt an Geschichte, sondern an zwei Menschen aus unserer Stadt, die verfolgt wurden und ihr Leben verloren.“ Wer solche Zeichen des Gedenkens beschädige oder entferne, greife „auch unsere gemeinsame Erinnerungskultur an“. Man werde sich davon nicht entmutigen lassen: „Erna Perlich und Ilse Pick werden ihren sichtbaren Platz in unserer Stadt und in unserer Erinnerung behalten.“
Erinnerung an zwei ermordete Frauen
Die beiden Stolpersteine waren am 9. November 2024 in der Mühlenstraße verlegt worden. Sie erinnern an Erna Perlich, die im Gestapo-Gefängnis Frankfurt (Oder) ums Leben kam, und an ihre Tochter Ilse Pick, die nach Auschwitz deportiert und dort ermordet wurde. Die Verlegung war mit einem besonderen Engagement für die lokale Erinnerungskultur verbunden: Schülerinnen und Schüler der Gutenberg-Oberschule Forst hatten sich in einer Arbeitsgemeinschaft intensiv mit den Lebensgeschichten der beiden Frauen und der Stolperstein-Initiative beschäftigt und die Verlegung begleitet.
Die Stadt Forst verurteilt die erneute Beschädigung entschieden. Die Möglichkeiten zur Wiederherstellung beziehungsweise Neuverlegung der Steine werden derzeit geprüft.
Zeugen gesucht
Die Polizei sucht nach Zeugen. Wer in der Nacht zum 20. August im Bereich der Mühlenstraße etwas beobachtet hat oder andere sachdienliche Hinweise geben kann, wird gebeten, sich an das Polizeirevier Forst unter 03562 920 oder an das Bürgertelefon der Stadt Forst unter 03562 989-289 zu wenden.
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Red. / Presseinformation




