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Cottbus Sonntag, 06 Juni 2021 von Redaktion

LWG-Wasserwerk in Cottbus-Sachsendorf nun 100 Prozent nachhaltig

LWG-Wasserwerk in Cottbus-Sachsendorf nun 100 Prozent nachhaltig

Seit kurzem erfolgt im Wasserwerk Cottbus-Sachsendorf der LWG die gesamte Trinkwasseraufbereitung vollständig mit naturnahen Verfahren. Ermöglicht wird dies durch die Inbetriebnahme der sogenannten physikalischen Restentsäuerung.

Nachhaltige Wasseraufbereitung

In der modernen Anlage wird im Wasser gasförmig gelöstes Kohlenstoffdioxid – vereinfacht auch als Kohlensäure bezeichnet – durch feine Luftbläschen ausgetragen. Den Grund erläutert Marten Eger, Technischer Geschäftsführer der LWG: „Obwohl die Kohlensäure ein gesundheitlich unbedenklicher Inhaltsstoff des Trinkwassers ist und für einen frischen Geschmack sorgt, kann sie metallische und zementgebundene Rohrwerkstoffe angreifen, dabei unerwünschte Stoffe in das Trinkwasser einlösen und die Rohre zerstören.“ Deshalb muss für den leitungsgebundenen Trinkwassertransport vom Wasserwerk bis zum Zapfhahn die im natürlichen Rohwasser enthaltene Kohlensäure bei der Wasseraufbereitung im Wasserwerk weitestgehend entfernt werden. Diese Verfahrensstufe nennt man Entsäuerung.

Schon bisher wurde das Rohwasser im Wasserwerk Cottbus-Sachsendorf überwiegend durch Kontakt mit Luft physikalisch entsäuert und von Eisen und Mangan durch Filtration über natürliche Filtermaterialien weitgehend mit naturnahen Verfahren aufbereitet. Nur die restliche Kohlensäure war bisher mit speziell für Trinkwasser zugelassener Natronlauge chemisch abgebunden worden. Doch das ist nun Geschichte. „Wir sind als LWG sehr stolz, jetzt auch in unserem größten Wasserwerk Cottbus-Sachsendorf eine 100%ig nachhaltige Wasseraufbereitung ausschließlich mit natürlichen Stoffen und naturnahen Verfahren durchzuführen“, so Marten Eger und ergänzt: „Nachhaltigkeit ist für uns als Wasserversorger per se ein wichtiges Anliegen und beginnt schon in der Wassergewinnung. Hier stellen wir sicher, dass nie mehr Rohwasser gefördert wird, als durch natürliche Grundwasserneubildung entsteht. Außerdem trägt eine wasserwerkseigene Solaranlage wesentlich zur Energieversorgung im Wasserwerk Cottbus-Sachsendorf bei.“

Durch die gründliche Vorbereitung und den hohen Eigenleistungsanteil konnten die Investitionskosten für den Bau der physikalischen Restentsäuerung auf insgesamt 700.000 Euro begrenzt werden. „Auch während der Bauzeit haben wir zu jedem Zeitpunkt die benötigte Trinkwassermenge in der für uns selbstverständlichen hohen Qualität zur Verfügung gestellt“, hebt der LWG-Geschäftsführer hervor.

Hintergrund

Als Technologie zur physikalischen Restentsäuerung setzt die LWG im Wasserwerk Cottbus-Sachsendorf Flachbelüfter ein. Das sind geschlossene flache Edelstahlbecken, in denen das Trinkwasser als letzte Aufbereitungsstufe über poröse Keramikrohre fließt. Aus denen treten feine Luftblasen aus, die durch physikalischen Gasaustausch die Kohlensäure aus dem Wasser entfernen können, weil in der natürlichen Luft weniger Kohlensäure enthalten ist, als im Wasser. Die benötigte Luft wird mit Verdichtern aus der Umgebung angesaugt und dabei über Luftfilter gereinigt und dann in die Keramikrohre gedrückt. Zur Bemessung der Flachbelüfteranlage hatten die Wasserfachleute der LWG mit Unterstützung der BTU Cottbus im April 2019 kleintechnische Versuche durchgeführt.

Die Anlage selbst und die dafür notwendige Halle wurden durch regionale Firmen geplant und im Zeitraum von Mai 2020 bis April 2021 errichtet. Die gesamte EMSR-Anlage einschließlich der anspruchsvollen Programmierung des Automatikbetriebs und die Integration der Steuerung in das Prozessleitsystem des Wasserwerks Cottbus-Sachsendorf realisierte die LWG in Eigenleistung.

Foto: Bernd Scheppan, Gruppenleiter Wasserwerke der LWG, kontrolliert an einem geöffneten Flachbelüfter das Luftblasenbild.; Bild: LWG

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