Amazon Web Services (AWS) hat heute in Potsdam die AWS European Sovereign Cloud offiziell in Betrieb genommen. Die neue europäische Cloud-Infrastruktur befindet sich physisch Brandenburg und soll mit geplanten Investitionen von 7,8 Milliarden Euro den Standort als digitalen Innovations-Hotspot stärken, wie das Brandenburger Wirtschaftsministerium mitteilte.
Milliarden-Investitionen für Rechenzentren in Brandenburg
Die AWS European Sovereign Cloud ist eine vollständig in der Europäischen Union angesiedelte Cloud-Infrastruktur, die physisch und logisch von anderen AWS-Regionen getrennt ist. Laut AWS soll sie den strengen Anforderungen europäischer Regierungen und Unternehmen an Datensouveränität und Datenschutz entsprechen. Das Brandenburger Wirtschaftsministerium teilte mit, dass Amazon Web Services zunächst bestehende Colocation-Rechenzentren nutzen wird, bevor sukzessive eigene Rechenzentren in Brandenburg entstehen sollen.
Wie Niederlausitz aktuell erfahren hat, sind dabei zwei Standorte in der Region vorgesehen: Ein Rechenzentrum mit einer Leistung von 200 Megawatt soll in Massen bei Finsterwalde (Elbe-Elster) entstehen, während ein weiteres Rechenzentrum mit 100 Megawatt Leistung in Baruth/Mark (Dahme-Spreewald) geplant ist. Wirtschaftsminister Daniel Keller betonte, dass Brandenburg damit auf dem Weg sei, ein digitaler Innovations-Hotspot zu werden. Er erklärte außerdem, dass in den kommenden Jahren bis zu 30 Milliarden Euro in Rechenzentren in Brandenburg investiert werden könnten, wobei neben AWS auch die Schwarz-Gruppe in Lübbenau 11 Milliarden Euro in ein Rechenzentrum (Niederlausitz aktuell berichtete) mit bis zu 200 MW-Anschlussleistung sowie das Hasso-Plattner-Institut zu den Investoren zählen.
Europäische Datensouveränität als zentrales Merkmal
Das Besondere an der AWS European Sovereign Cloud ist laut AWS ihre vollständige operative Unabhängigkeit innerhalb der EU. Die Infrastruktur wird ausschließlich von EU-Bürgern betrieben, und es bestehen keine kritischen Abhängigkeiten von Infrastruktur außerhalb der EU. Darüber hinaus ermöglicht die Cloud-Lösung eine vollständige Datenspeicherung innerhalb der EU, einschließlich aller Metadaten wie Rollen, Berechtigungen und Konfigurationen.
Ministerpräsident Dr. Dietmar Woidke ordnete die Bedeutung der Investition für das Land ein: „Ob in der Bildung, im Gesundheitswesen, in der öffentlichen Verwaltung oder in der Industrie – digitale Anwendungen spielen eine Schlüsselrolle bei der Zukunftsfähigkeit in nahezu allen Lebensbereichen. Dies erfordert eine moderne, leistungsstarke Infrastruktur, die Datenverarbeitung und Digitalisierung ermöglicht und dabei europäische Standards einhält. Der Start der AWS European Sovereign Cloud ist ein weiterer wichtiger Meilenstein zur Stärkung der Position Brandenburgs als einer der führenden IT-Standorte Deutschlands.“
Governance-Struktur unter europäischer Führung
AWS hat für die European Sovereign Cloud eine eigene Governance-Struktur in Europa etabliert. Diese umfasst eine neue Muttergesellschaft sowie drei lokale Tochtergesellschaften in Deutschland in Form von GmbHs. Die Leitung liegt bei EU-Bürgern, die europäischen Gesetzen verpflichtet sind und im besten Interesse der AWS European Sovereign Cloud handeln müssen. Zudem wurde ein Beirat eingerichtet, der aus drei Amazon-Mitarbeitern und zwei unabhängigen Mitgliedern besteht – allesamt europäische Staatsbürger und Einwohner.
Justiz- und Digitalisierungsminister Dr. Benjamin Grimm begrüßte die Entwicklung ebenfalls: „Wir müssen in Deutschland und Europa bei der digitalen Souveränität dringend vorankommen. Ich begrüße es daher, dass AWS als einer der großen Anbieter mit der European Sovereign Cloud europäischer wird.“ Er hob hervor, dass Betrieb und Steuerung in der EU erfolgen und sensible Daten künftig unter höchsten europäischen Datenschutz- und Sicherheitsstandards vollständig innerhalb der EU verarbeitet werden.
Lausitzer Medizin-Universität setzt auf neue Cloud
Auch die Medizinische Universität Lausitz – Carl Thiem (MUL-CT) in Cottbus zeigt sich von der neuen Cloud-Infrastruktur in der Region überzeugt. Professor Eckhard Nagel, Vorstandsvorsitzender der Medizinischen Universität Lausitz – Carl Thiem (MUL-CT), erklärte laut AWS-Mitteilung: „Die AWS European Sovereign Cloud ist ein wichtiger Schritt, um souveräne Cloud-Fähigkeiten für stark regulierte Sektoren verfügbar zu machen. Für die MUL-CT freuen wir uns darauf zu erkunden, wie sie sichere, konforme Innovationen mit sensiblen Gesundheitsdaten unterstützen kann – im Einklang mit deutschen und europäischen Souveränitätserwartungen.“
Martin Peuker, Chief Digital Officer der MUL-CT, ergänzte die strategische Bedeutung für die Region: „Unser Fokus liegt darauf, Souveränitätsanforderungen in eine operative digitale Grundlage für Versorgung, Forschung und Bildung umzuwandeln. Mit AWS bauen wir die Gesundheitsmodellregion Lausitz auf, indem wir eine sichere und souveräne digitale Basis schaffen, die Krankenhäuser, Forschungseinrichtungen und regionale Partner verbindet.“ Diese Technologie ermögliche nicht nur sichere, rechtskonforme Forschung, sondern beschleunige auch die Entwicklung einer zukunftsorientierten digitalen medizinischen Universität.
Wirtschaftliche Impulse für die Region
Die wirtschaftlichen Auswirkungen der Investition sind beträchtlich. AWS plant laut eigener Mitteilung, mit den Investitionen von mehr als 7,8 Milliarden Euro in Deutschland durchschnittlich 2.800 Vollzeitarbeitsplätze jährlich zu unterstützen. Zudem soll das Bruttoinlandsprodukt Deutschlands um etwa 17,2 Milliarden Euro gesteigert werden. Wirtschaftsminister Keller sieht Brandenburg dadurch auf dem Weg, nach der Rhein-Main-Region zum führenden Rechenzentrumsstandort in Deutschland aufzusteigen.
Die AWS European Sovereign Cloud bietet laut AWS zunächst mehr als 90 Dienste in verschiedenen Kategorien an, darunter künstliche Intelligenz, Computing, Container, Datenbanken, Netzwerke, Sicherheit und Speicher. Neben den Rechenzentren in Deutschland plant AWS eine Erweiterung der Infrastruktur durch neue AWS Local Zones in Belgien, den Niederlanden und Portugal, um auch dort strenge Anforderungen an Datenspeicherung und niedrige Latenzzeiten zu erfüllen.
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