An der Medizinischen Universität Lausitz – Carl Thiem (MUL – CT) in Cottbus hat am Mittwoch eine Kinderschutzambulanz eröffnet. Dort werden Kinder und Jugendliche untersucht, bei denen das Jugendamt einen Verdacht auf Misshandlung, Gewalt oder Vernachlässigung hat. Es ist die fünfte Einrichtung dieser Art in Brandenburg. Angesiedelt ist sie an der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin unter der Leitung von Chefärztin Dr. Simone Stolz.
Fachliche Abklärung im Verdachtsfall
Die Ambulanz ist eine zentrale Anlaufstelle für Kinder und Jugendliche, bei denen das Jugendamt eine mögliche Kindeswohlgefährdung sieht. Ein interdisziplinäres Team untersucht die Kinder umfassend, um den Verdacht fachlich abzuklären und den Betroffenen die nötige Unterstützung zu ermöglichen.
„Hinter jedem Verdacht auf Kindeswohlgefährdung steht ein Kind, das möglicherweise Hilfe braucht“, sagt Chefärztin Simone Stolz. Eine solche Anlaufstelle sei für die betroffenen Kinder und ihre Familien wichtig, aber auch für Menschen, die beruflich mit Kindern arbeiten und sich Sorgen machen. „Wir möchten Unsicherheiten nehmen, genau hinschauen und Klarheit schaffen. Vor allem aber möchten wir dazu beitragen, dass Kinder, die Gewalt oder Vernachlässigung erfahren haben, nicht allein gelassen werden und schnell die Unterstützung bekommen, die sie brauchen.“
Der Vorstandsvorsitzende der MUL – CT, Prof. Dr. mult. Eckhard Nagel, betonte: „Kinder, die Gewalt oder Vernachlässigung erfahren, brauchen Menschen, die hinschauen, Verantwortung übernehmen und ihnen schnell helfen.“ Mit der Ambulanz würden zugleich die beteiligten Partner in der Region enger zusammengebracht, „denn wirksamer Kinderschutz gelingt nur gemeinsam.“

Enge Zusammenarbeit mit den Jugendämtern
Die Fachleute der MUL – CT arbeiten eng mit den Jugendämtern der Stadt Cottbus und des Landkreises Spree-Neiße zusammen. Weitere Kooperationen innerhalb der Modellregion Gesundheit Lausitz sind im Aufbau. Ziel ist es, die Zusammenarbeit zwischen Gesundheitswesen und Kinder- und Jugendhilfe zu systematisieren. In einem Netzwerk mit abgestimmten Abläufen sollen Verdachtsfälle schnell und fachgerecht geklärt werden.
Neben Cottbus gibt es in Brandenburg bereits Kinderschutzambulanzen in Potsdam, Eberswalde, Frankfurt (Oder) und in Lauchhammer im Landkreis Oberspreewald-Lausitz. Bis 2025 hatte das Land noch keine solche Einrichtung. Eine sechste Ambulanz ist für Anfang 2027 in Neuruppin geplant.
Finanzierung ab 2027 soll gesichert werden
Gesundheitsstaatssekretärin Dr. Friederike Haase sprach bei der Eröffnung von einem dann flächendeckenden Netzwerk zur frühzeitigen Erkennung von Kindeswohlgefährdungen. Dass alle sechs Ambulanzen binnen weniger Monate aufgebaut werden konnten, zeige die hohe Priorität des Themas. „Jetzt geht es darum, die neuen Angebote auch in der Finanzierung abzusichern. Daran arbeiten wir“, sagte Haase.
Die Cottbuser Ambulanz wurde mit Lottomitteln des Landesamtes für Soziales und Versorgung (LASV) eingerichtet. Für den Start der ersten Ambulanzen stellt das Land 2026 Anschubmittel bereit, unter anderem aus Lottomitteln der Gesundheitsministerin und aus Mitteln des Jugendministeriums für eine Landeskoordinierung. Ab 2027 soll das Projekt in eine Regelfinanzierung über den Landeshaushalt übergehen und damit zu einer dauerhaften Struktur werden.
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