Wer einen Menschen in der Familie pflegt, kommt oft an seine Grenzen. Der Pflegestützpunkt Cottbus rät, Entlastungsangebote früh zu nutzen, damit pflegende Angehörige nicht überfordert werden. Viele kennen die Möglichkeiten der Pflegeversicherung gar nicht.
Pflegestützpunkt Cottbus berät an mehreren Orten
Zwischen 700 und 850 Beratungen führt der Pflegestützpunkt Cottbus nach eigenen Angaben pro Quartal, aufs Jahr gerechnet also rund 2.800 bis 3.400. Das berichtet Lydia Bagola, Demenz-, Sozial- und Wohnberaterin im Pflegestützpunkt, auf Anfrage von NIEDERLAUSITZ aktuell zur Woche der seelischen Gesundheit. Persönliche Sprechzeiten gibt es dienstags und donnerstags im Pflegestützpunkt Am Turm 14. Dazu kommen Außenstandorte: montags vormittags und donnerstags nachmittags im Haus 49 der Medizinischen Universität Lausitz (MUL-CT), einmal im Monat an der BTU und alle zwei Wochen mittwochs am Gesundheitsmobil. Außerdem beraten die Mitarbeiterinnen am Telefon, per Mail und bei Hausbesuchen. Persönliche und telefonische Beratungen halten sich nach Angaben des Pflegestützpunkts etwa die Waage.
Entlastungsbetrag auch für Nachbarschaftshilfe nutzbar
Für pflegende Angehörige gibt es in Cottbus viele Anbieter sogenannter alltagsunterstützender Angebote. Pflegebedürftige erhalten dafür von der Pflegeversicherung einen Entlastungsbetrag von 131 Euro im Monat, der nicht bar ausgezahlt wird. Seit Januar 2026 kann er auch für Nachbarschaftshilfe eingesetzt werden, Informationen dazu bietet die Seite Nachbarschaftshilfe Brandenburg. Ehrenamtlich hilft etwa der Besuchs- und Begleitdienst der Malteser, dessen Helfer Gesellschaft leisten, zu Unternehmungen begleiten und im Alltag unterstützen. Tagespflegen betreuen Pflegebedürftige tagsüber, abends, nachts und am Wochenende leben sie weiter zu Hause.
Selbsthilfe, Kurzzeitpflege und Kurse für Angehörige
Austausch finden pflegende Angehörige in den Angehörigengruppen beim Gerontopsychiatrischen Verbund in Cottbus und in einer Selbsthilfegruppe bei der Selbsthilfekontaktstelle REKIS. Eine Kurzzeitpflege kann helfen, wenn Angehörige eine Auszeit brauchen, etwa für einen Urlaub, oder wenn der Pflegebedürftige aus dem Krankenhaus kommt. Auch ein Umbau der Wohnung, zum Beispiel eine neue Dusche, erleichtert die Pflege und wird von der Pflegeversicherung bezuschusst. Weitere Hilfen sind die Verhinderungspflege, die Freistellung nach dem Pflegezeit- und dem Familienpflegezeitgesetz, das Pflegeunterstützungsgeld und Pflegekurse.
Was der Pflegestützpunkt Angehörigen am Limit rät
„Wir raten den Angehörigen, frühzeitig die zur Verfügung stehenden Entlastungsangebote zu nutzen, um eine Überforderung zu vermeiden“, sagt Lydia Bagola. Oft höre sie, dass die Tagespflege nicht genutzt werde, weil der pflegebedürftige Mensch nicht hin wolle. Das liege aber oft daran, dass er keine oder eine falsche Vorstellung davon habe, was eine Tagespflege leistet. Der Pflegestützpunkt gibt Tipps, wie der Einstieg gelingt. An ihre Grenzen kommen pflegende Angehörige auch, wenn sie die Leistungen der Pflegeversicherung nicht kennen. Viele wüssten nicht, dass sich Pflegegeld und Pflegesachleistung kombinieren lassen oder dass 40 Prozent der Pflegesachleistungen in Entlastungsleistungen umgewandelt werden können.
Krankenhaus Spremberg sieht mehr ältere Patienten
Auch in der Psychiatrie spielen ältere Menschen eine wachsende Rolle. Im Krankenhaus Spremberg steigt ihr Anteil vor dem Hintergrund des demografischen Wandels kontinuierlich, teilt Anja Schröder von der Öffentlichkeitsarbeit mit. Ältere Menschen gingen heute offener mit psychischen Erkrankungen um und suchten häufiger professionelle Hilfe. Behandelt werden vor allem Depressionen, die im Alter häufiger werden, und dementielle Erkrankungen. Eine eigene gerontopsychiatrische Abteilung hat das Krankenhaus nicht, ältere Patienten werden auf den psychiatrischen Stationen versorgt, auch mit altersgerechten Angeboten wie kognitivem Training.
Für Angehörige ist es oft schwer, Veränderungen einzuordnen. Eine Depression kann sich im Alter anders zeigen als bei Jüngeren, auch mit deutlichen Konzentrations- und Gedächtnisstörungen. Ernst nehmen sollten Angehörige es nach Angaben des Krankenhauses, wenn sich ein Mensch zunehmend zurückzieht, das Interesse an früheren Aktivitäten verliert, anhaltend niedergeschlagen oder antriebslos wirkt und verstärkt über Gedächtnisprobleme klagt. Eine Demenz entwickelt sich häufig schleichend, bei einer Depression können kognitive Einschränkungen dagegen auch rasch auftreten. Beides kann auch gleichzeitig vorliegen. Entscheidend sei deshalb eine fachärztliche Abklärung, Veränderungen sollten nicht vorschnell als normale Alterserscheinung abgetan werden.
Warum pflegende Angehörige auf sich selbst achten müssen
Pflegende Angehörige haben nach Angaben des Krankenhauses Spremberg ein erhöhtes Risiko, selbst psychisch zu erkranken, vor allem an Depressionen und Angststörungen. Die dauerhafte Verantwortung, die emotionale Belastung und das Gefühl, ständig funktionieren zu müssen, zehrten auf Dauer an den Kräften. „Sich Hilfe zu holen, ist kein Zeichen von Schwäche und bedeutet auch nicht, jemanden im Stich zu lassen“, heißt es aus dem Krankenhaus. „Wer gut für sich selbst sorgt, schafft eine wichtige Voraussetzung dafür, langfristig auch für andere da sein zu können.“
VollzeitBewerbung bis 25.10.Studienarzt (m/w/d) der Geschäftsstelle der Plattform Gesundheitssystemforschung Gesunde LausitzMedizinische Universität Lausitz – Carl Thiem · CottbusZur Stelle →Alle 406 Stellen in Südbrandenburg →Der Pflegestützpunkt Cottbus ist unter 0355 612 25 10 erreichbar. Was Familien hilft, wenn ein Angehöriger psychisch erkrankt, lesen Sie im Beitrag über Angehörige psychisch kranker Menschen. Wer selbst nicht mehr weiterweiß, erreicht die Telefonseelsorge rund um die Uhr unter 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222. Weitere Angebote der Woche der seelischen Gesundheit stehen in unserer Terminübersicht.
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