Personalwechsel an der Spitze des kommunalen Krankenhauses: Der Geschäftsführer des Elbe-Elster Klinikums, Michael Winkler, ist mit sofortiger Wirkung von seinen Aufgaben entbunden worden. Das teilt der Landkreis mit. Interimsgeschäftsführer wird Mirko Papenfuß.
Entscheidung fiel zum 6. August
Landrat Marcel Schmidt ist zugleich Gesellschaftervertreter des Klinikums. In dieser Funktion hat er Winkler zum 6. August 2026 freigestellt. Den Kreistagsvorsitzenden und die Vorsitzenden der Fraktionen habe er persönlich informiert, heißt es in der Mitteilung.
Seine Begründung fällt deutlich aus: „Meines Erachtens wurden die Weichenstellungen nicht ausreichend an die aktuellen Anforderungen angepasst, obwohl der Kreistagsbeschluss aus dem vergangenen Jahr dies ausdrücklich vorsieht“, erklärt Schmidt. In einer Lage, die uneingeschränktes Vertrauen in die Unternehmensführung verlange, sei er zu personellen Entscheidungen verpflichtet.
Klinikum war schon Thema der 100-Tage-Bilanz
Überraschend kommt der Schritt nicht. Erst am Mittwoch hatte Schmidt bei seiner Bilanz nach 100 Tagen im Amt die Zukunft des Klinikums als wichtigste politische Aufgabe bezeichnet. Unmittelbar nach Amtsantritt hatte er eine unabhängige Statusprüfung des Hauses veranlasst.
Hintergrund sind die seit 2023 veränderten gesetzlichen Rahmenbedingungen durch die Krankenhausreform. Parallel steht der Landkreis finanziell unter Druck: Für 2026 wird ein Defizit von deutlich über 20 Millionen Euro erwartet.
Wer der neue Geschäftsführer des Elbe-Elster Klinikums ist
Mirko Papenfuß ist in der Lausitz kein Unbekannter. Von März 2021 bis November 2022 führte er das Lausitzer Seenland Klinikum in Hoyerswerda. Davor stand er zwölf Jahre an der Spitze des Klinikums Frankfurt (Oder) mit rund 1.600 Beschäftigten. Er ist Betriebswirt mit Schwerpunkt Gesundheitswesen und war Vorstandsmitglied der Landeskrankenhausgesellschaft Brandenburg.
Seit Oktober 2022 verantwortet Papenfuß bei der Sana Kliniken AG den Geschäftsbereich Managementverträge – als Generalbevollmächtigter des Konzerns. Diese Funktion erwähnt die Mitteilung des Landkreises nicht; sie spricht allgemein von einem „erfahrenen Krankenhausmanager“.
Was ein Managementvertrag bedeutet
Bei diesem Modell übernimmt ein Klinikkonzern die Betriebsführung eines fremden Hauses, ohne Anteile daran zu halten. Die Eigentumsverhältnisse bleiben unberührt, der bisherige Träger bleibt Eigentümer. Nach Angaben des Unternehmens betreut Sana bundesweit 15 Klinikstandorte auf diese Weise.
Beispiele gibt es mehrere: Das defizitäre Krankenhaus St. Josef in Schweinfurt, dem zeitweise die Schließung drohte, wird seit einem Managementvertrag von Sana geführt – Eigentümerin bleibt die Ordenskongregation. Am Medizin Campus Bodensee in Friedrichshafen läuft seit diesem Jahr ein Vertrag über vier Jahre mit Verlängerungsoption; dort begründete der Oberbürgermeister den Schritt ausdrücklich mit dem Sanierungsbedarf, Stadt und Landkreis blieben Eigentümer. Papenfuß wurde in Friedrichshafen als zusätzlicher Geschäftsführer eingesetzt.
Ob es in Elbe-Elster über die Interimslösung hinaus zu einer solchen Zusammenarbeit kommt, ist offen. Die Mitteilung des Landkreises äußert sich dazu nicht.
Für Patienten ändert sich zunächst nichts
Der Landrat betont, dass Kontinuität und Stabilität im Klinikbetrieb Vorrang hätten. „Für Patientinnen, Patienten sowie Mitarbeitende ändert sich durch diese Entscheidung zunächst nichts. Die medizinische Versorgung bleibt jederzeit gewährleistet“, erklärt Schmidt.
Papenfuß solle die Lage zunächst objektiv analysieren und gemeinsam mit Beschäftigten, Führungskräften und Gremien die weiteren Schritte einleiten. Parallel bereitet der Landkreis ein Ausschreibungsverfahren vor, um die Geschäftsführung dauerhaft neu zu besetzen.
Klinikum mit drei Standorten
Das Elbe-Elster Klinikum ist ein kommunales Unternehmen mit Häusern in Herzberg, Finsterwalde und Elsterwerda. Es gehört zu den größten Arbeitgebern des Landkreises und ist für die stationäre Versorgung im Südwesten Brandenburgs zentral.
Schmidt bezeichnet es als „zentralen Pfeiler der Gesundheitsversorgung im Landkreis“. Alle Entscheidungen sollen sich nach seinen Worten an der langfristigen Sicherung einer leistungsfähigen und wirtschaftlich tragfähigen stationären Versorgung orientieren.
Foto: NIEDERLAUSITZ aktuell (Archiv)
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