Ende 2028 geht das Kraftwerk Jänschwalde vom Netz – die bisherige Wärmequelle für große Teile von Cottbus fällt damit weg. Der Fernwärmevertrag mit der LEAG laufen aber bis 2032. Eine neue 120-Megawatt-Power-to-Heat-Anlage soll die Versorgungslücke schließen, wie OB Tobias Schick am 25. März vor der Stadtverordnetenversammlung erklärte.
Was hinter der neuen Power-to-Heat-Anlage steckt
Eine Power-to-Heat-Anlage wandelt elektrischen Strom in Wärme um. Für die Fernwärme Cottbus soll dieses Prinzip nach 2028 zentral werden. Schick beschrieb das Prinzip in der Sitzung anschaulich: „Vereinfacht formuliert ist das ein großer Tauchsieder.“ Die geplante Anlage in Jänschwalde soll eine Leistung von 120 Megawatt haben und mit einem thermischen Speicher kombiniert werden. Damit lässt sich Wärme auch dann vorhalten, wenn gerade kein Bedarf besteht.
Woher der Strom für die Anlage kommen soll, hat die LEAG auf Anfrage noch nicht beantwortet – Pressesprecherin Kathi Gerstner teilte mit, dass sich das Unternehmen zu dem Projekt erst Ende April äußern werde. Der Kontext am Standort Jänschwalde gibt jedoch eine deutliche Richtung vor. Die LEAG baut dort im Rahmen ihrer sogenannten GigawattFactory einen wachsenden Verbund aus erneuerbaren Energiequellen auf: Der Windpark Forst-Briesnig II mit 105 Megawatt geht ab 2026 sukzessive in Betrieb, der Solarpark Bohrau mit 133 Megawatt soll im zweiten Halbjahr 2026 fertig sein. Dazu kommt die GigaBattery Jänschwalde – ein Batteriespeicher mit 1.000 Megawatt Leistung und 4.000 Megawattstunden Kapazität, deren Inbetriebnahme laut LEAG für Ende 2027 oder Anfang 2028 geplant ist. Genau zur gleichen Zeit soll auch die Power-to-Heat-Anlage anlaufen. Dieser Gleichschritt legt nahe, dass der Strom für den „Tauchsieder“ aus dem Erneuerbare-Energien-Verbund der GigawattFactory stammen soll – offiziell bestätigt ist das noch nicht. Mehr zur GigawattFactory der LEAG in der Lausitz steht in unserem Bericht vom Mai 2025.
Das Investitionsvolumen soll laut LEAG im zweistelligen Millionenbereich liegen, wie Schick in der Stadtverordnetenversammlung mitteilte. Genauere Zahlen nannte er nicht. Das Konzept werde derzeit weiter verfeinert und müsse zunächst die notwendigen Gremienbeschlüsse passieren.
Baustart und Inbetriebnahme 2027
Der Zeitplan ist laut OB-Bericht ambitioniert – und das aus gutem Grund. Baustart soll Anfang 2027 sein, die Inbetriebnahme ist für Ende 2027 geplant. Das ist notwendig: Ende 2028 stellt das Kraftwerk Jänschwalde seinen Betrieb ein. Ab diesem Zeitpunkt muss die Power-to-Heat-Anlage die Wärmeversorgung übernehmen, damit die LEAG ihren laufenden Fernwärmevertrag bis 2032 erfüllen kann.
Die Gremienbeschlüsse – bei der Stadt wie bei der LEAG – sollen laut Schick bis April vorliegen. Schick betonte, dass das Vorhaben sich gut in die kommunale Wärmeplanung einfügen werde.
Schick sprach zudem von einer vertraglichen Absicherung: Neben der Eigenerzeugung sollen die Stadtwerke den Energiezukauf vertraglich sichern. Die Versorgung soll auf mehreren Säulen stehen.
Stadtwerke über HKWG-Tochter fest eingebunden
Die Stadtwerke Cottbus sind in das Gesamtvorhaben eingebunden – allerdings nicht direkt über das Unternehmen selbst, sondern über ihre Tochtergesellschaft HKWG. Laut Stadtpressestelle ist das Heizkraftwerk in Cottbus-Dissenchen ein wesentlicher Bestandteil und Garant der verlässlichen Fernwärmeversorgung.
Schick betonte in seinem Bericht, dass er die bisherige Zusammenarbeit mit LEAG und Stadtwerken auch jenseits des Jahres 2032 fortführen wolle. Die nun konkreter werdenden Planungen sieht er als gutes Zeichen für Stabilität. Ziel sei eine verlässliche Versorgung zu sozialverträglichen Preisen.
Was „sozialverträglich“ konkret bedeutet, ließ die Stadtpressestelle offen. „Es sei unseriös, heute Zahlen oder Trends zu nennen, solange das Konzept noch nicht abgestimmt sei. Der Begriff beschreibe ein gemeinsames Ziel, kein konkretes Preisversprechen. Preisobergrenzen oder Garantien gegenüber Verbrauchern gibt es nach aktuellem Stand nicht.“ antwortete Jan Gloßmann auf die Anfrage von Niederlausitz aktuell.
Stadtwerke bauen Wärmepumpe im Cottbuser Ostsee
Parallel zu den Planungen in Jänschwalde haben die Stadtwerke Cottbus eine zweite Versorgungssäule auf den Weg gebracht: eine Seewasserwärmepumpe im Cottbuser Ostsee. Die Stadtverordnetenversammlung stimmte dem Projekt bereits im Oktober 2024 mehrheitlich zu. Die Anlage soll rund 40 Prozent des Wärmebedarfs im Netz der Stadtwerke decken. Die geschätzten Investitionskosten liegen bei rund 77 Millionen Euro – dafür sind Fördermittel Voraussetzung, ebenso EU-Genehmigungen und weitere Prüfungen.
OB Schick bezeichnete das Vorhaben als „alternativlos“ und betonte den sozialpolitischen Aspekt: Die Seewasserwärmepumpe sei bei vergleichsweise geringem Investitionsniveau die wirkungsvollste Maßnahme – und in ihrer Konsequenz auch ein Mieterschutz. Stadtwerke-Geschäftsführer Vlatko Knezevic sollte laut Schick im nicht-öffentlichen Teil der Stadtverordnetensitzung vom 25. März weitere Details erläutern. Alle Hintergründe zum Stadtverordnetenbeschluss von 2024 stehen in unserem Bericht zur Abstimmung.
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