Das Kraftwerk Jänschwalde erinnert an diesem Wochenende an den 50. Jahrestag der Grundsteinlegung. Bei einem Festakt auf dem Kraftwerksgelände blickten am Freitag Ministerpräsident Dietmar Woidke, LEAG-Personalvorstand Jörg Waniek sowie aktive und ehemalige Beschäftigte auf die Geschichte des Standorts zurück. Nach dem geplanten Ende der Kohleverstromung im Jahr 2028 soll das Gelände als Energie- und Industriestandort weiterentwickelt werden. Eine zentrale Rolle übernimmt dabei das geplante Batteriespeichercluster GigaBattery 1000 Jänschwalde, dessen Bauarbeiten noch in diesem Sommer beginnen sollen.
Bauarbeiten begannen im Juli 1976
Am 19. Juli 1976 begannen mit dem ersten Spatenstich für das Hauptgebäude die Bauarbeiten für eines der größten Braunkohlekraftwerke Europas. Zwischen 1981 und 1988 gingen insgesamt sechs Kraftwerksblöcke mit jeweils 500 Megawatt schrittweise ans Netz. Mit einer installierten Gesamtleistung von 3.000 Megawatt entwickelte sich das Kraftwerk nach Angaben der LEAG zu einem zentralen Bestandteil der ostdeutschen Energieversorgung. Bei der Festveranstaltung blickten neben Woidke und Waniek auch Vertreter aus Politik und Behörden gemeinsam mit aktiven und ehemaligen Beschäftigten auf die Entwicklung des Standorts zurück.
Ministerpräsident Dietmar Woidke erklärte anlässlich des Jubiläums: „Als Lausitzer verbinde ich mit dem Blick auf die Türme des Kraftwerks Jänschwalde immer den Begriff Sicherheit. Das Kraftwerk steht seit 50 Jahren für eine sichere Energieversorgung und für sichere Arbeitsplätze, für Wertschöpfung und Wohlstand.“ Sein Dank gelte allen Beschäftigten der LEAG und den Partnerfirmen, die für die Betriebsbereitschaft der Anlagen sorgten, so Woidke weiter.

Milliardeninvestitionen nach der Wiedervereinigung
Nach der deutschen Wiedervereinigung wurde das Kraftwerk umfassend modernisiert. Laut LEAG flossen Investitionen in Milliardenhöhe in die Rauchgasreinigung, die Umwelttechnik und die Steigerung der Effizienz. Dadurch seien die Emissionen deutlich reduziert und der Wirkungsgrad erhöht worden. Gleichzeitig blieb der Standort ein bedeutender Arbeitgeber in der Lausitz. Rund um das Kraftwerk entwickelten sich zahlreiche Industrie-, Wartungs- und Serviceunternehmen.
Mit den politischen Entscheidungen zum Kohleausstieg begann die schrittweise Stilllegung der Kraftwerksblöcke. Zwei Blöcke wurden 2018 und 2019 in die Sicherheitsbereitschaft überführt. Während der Energiekrise zu Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine wurden sie vorübergehend wieder für die Stromerzeugung aktiviert. Block A ging zum Jahresende 2025 in die zeitlich gestreckte Stilllegung. Aktuell stehen noch drei Kraftwerksblöcke mit einer Leistung von zusammen 1.500 Megawatt regulär für den Strommarkt zur Verfügung. Ende 2028 sollen alle Blöcke entsprechend dem Kohleausstiegsgesetz endgültig stillgelegt werden.
LEAG nennt 578 Beschäftigte am Standort
Nach aktuellen Angaben der LEAG arbeiten noch 578 Beschäftigte am Kraftwerksstandort Jänschwalde. Personalvorstand und Arbeitsdirektor Jörg Waniek betonte beim Festakt, dass für diese Beschäftigten Perspektiven geschaffen werden sollen. „Mit dem bevorstehenden Betriebsende des Kraftwerks Jänschwalde Ende 2028 gehen hier nicht die Lichter aus. Nach 45 Jahren sicherer Stromerzeugung stehen wir zum einen in der Verantwortung für die aktuell noch 578 Beschäftigten, von denen keiner ins Bergfreie fallen wird“, erklärte Waniek.
Der Standort verfüge durch seine bestehenden Netzanschlüsse, die industrielle Infrastruktur und den Ausbau erneuerbarer Energien in der benachbarten Bergbaufolgelandschaft über Potenzial für eine langfristige Weiterentwicklung. Ziel sei es laut Waniek, intern und extern Perspektiven für neue Arbeitsplätze zu eröffnen. „Die Zukunftsentwicklung des Kraftwerksstandortes Jänschwalde folgt unserer Vision, die LEAG vom Bergbau- und Kraftwerksbetreiber zu einem Treiber für sichere Zukunftsenergie und nachhaltigen Wandel zu entwickeln“, so der Personalvorstand.
Bau der GigaBattery soll im Sommer beginnen
Nach der Stilllegung der Kraftwerksblöcke soll Jänschwalde als sogenanntes Energiewendecluster weiterentwickelt werden. Geplant ist unter anderem ein Einspeisepunkt für erneuerbare Energien aus der von der LEAG geplanten GigawattFactory. Noch in diesem Sommer sollen auf dem Gelände die Bauarbeiten für die GigaBattery 1000 Jänschwalde beginnen. Die LEAG bezeichnet das Vorhaben als künftig größtes Batteriespeichercluster Deutschlands. Der Speicher ist auf eine Leistung von 1.000 Megawatt und eine Kapazität von 4.000 Megawattstunden ausgelegt. Die gespeicherte elektrische Energie würde rechnerisch ausreichen, um rund 1,6 Millionen Haushalte vier Stunden lang zu versorgen. Vorgesehen ist dafür ein etwa zehn Hektar großes Areal südöstlich des Kraftwerks.
Bestehende Infrastruktur als Standortvorteil
Als Grundlage für die weitere Entwicklung nennt die LEAG unter anderem den vorhandenen Netzanschluss mit einer Leistung von 3.000 Megawatt. Hinzu kommen Gleisanschlüsse, Hallenflächen sowie Anlagen zur Wasser- und Abwasserversorgung und bestehende Fernwärmeleitungen. Diese Infrastruktur soll die Ansiedlung neuer Unternehmen und Technologien erleichtern. Nach Angaben der LEAG könnten sich am Standort sowohl Unternehmen mit einem hohen Energiebedarf als auch Firmen ansiedeln, die einen Zugang zum Schienennetz oder überdachte Hallenflächen benötigen.
Auch die am Standort vorhandenen Fachkräfte der LEAG und ihrer Servicepartner werden vom Unternehmen als Vorteil für mögliche Ansiedlungen genannt. Die LEAG ist nach eigenen Angaben bereits auf der Suche nach Partnern und führt Gespräche über die weitere Entwicklung des Geländes.
Power-to-Heat-Anlage für Cottbuser Fernwärme geplant
Zu den geplanten Projekten gehört außerdem eine Power-to-Heat-Anlage. Diese soll elektrische Energie in Wärme umwandeln und künftig einen Beitrag zur klimafreundlichen Fernwärmeversorgung der Stadt Cottbus leisten. Die LEAG verweist bei der geplanten Nachnutzung des Kraftwerksgeländes auch auf Regelungen der Europäischen Union und Förderprogramme der Bundesregierung. Genannt werden der Net Zero Industry Act, der Industrial Accelerator Act sowie Programme zur Strukturstärkung der Kohleregionen.
Nach Darstellung des Unternehmens können bereits industriell genutzte Flächen schneller und kostengünstiger umgebaut werden als bislang ungenutzte Standorte. Bestehende Anschlüsse und Anlagen sollen deshalb auch nach dem Ende der Kohleverstromung für neue Energie- und Industrieprojekte genutzt werden.
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